September 2nd, 2013,  | 0 Kommentare
Ausflug_Rapperswil_3_1
Zum 3. Mal lockte der Klang von unbekannten Brauereinamen die nationalen Bier-Geeks und Bier-Prominenz (Gesehen: Toni von Erzbierschof, Dani von Monsterbräu, Dave von Sudwerk, natürlich uns von Bierversuche, Andreas von Brüll! Bier, Hugo von Gutknecht’s Hammerbier und so weiter und so fort) an das Craft Bier Festival Rapperswil. Das von der Bier Factory organisierte Craft Bier Festival thront nicht nur dank seiner Lokalität dem Schloss Rapperswil an der Spitze der Schweizer Bierfestivals, der Mix aus kleinen und noch kleineren Brauereien sowie die enorme Vielfalt der Biere, macht den Besuch zum Pflichtprogramm.In böser Vorahnung meinte wohl jeder, dass in diesem Jahr der Schlosshof den Menschenmengen nicht mehr Platz bieten wird. Tatsächlich aber standen die Leute zwar gedrängt, aber nicht gedrängter als 2012. Stagniert das Wachstum der Szene bereits wieder, noch bevor die Szene überhaupt angefangen hat zu wachsen? Wiederum auffällig war, dass sowohl im Publikum wie unter dem Ausschenkpersonal grossteilig Englisch gesprochen wurde. Craft Bier in der Schweiz scheint vor allem das Interesse von Expats zu sein, die hier das Bier suchen, welches sie in der Heimat bereits an jedem besseren Kiosk finden.

Ebenso bemerkenswert war das Ungleichgewicht des Ansturmes: Das Beast von Storm&Anchor, eine Brauerei die leider nur selten Biere im Keg abfüllt, war das erste ausgetrunkene Bier und ihm folgte ein Ale nach dem anderen. Das Angebot von Lager Bieren war zwar dicht, die Schlangen vor deren Zapfsäulen jedoch nicht. Das Craft Bier Publikum hatte Durst nach Ale und trank sich wohl den aufgeführten EBU-Angaben entlang. Das abgegebene Booklet begeisterte mit den abgedruckten Informationen. Pro getrunkenes Bier gab es einen Kleber und so benahmen sich manche Männer wie Kleinkinder am Höhepunkt einer Migros-Mania-Aktion. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr sogar Bier-Panini-Sammelbörsen.

Während einzelne Biere das Experiment vor den Geschmack stellten („Apocalisse“ ein Dark Ginger Weizen das von allem nichts war), servierten die besten Biere die üblichen Verdächtigen: Storm & Anchor’s Beast, das White IPA und der Dude von Bad Attitude, BFM’s Abbaye de saint Bon-Chien oder auch das XXA India Pale Ale von der Bier Factory. Klingt auf den ersten Blink für alle Bier-Tagger etwas langweilig. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass die Schweiz Brauereien hat, welche konsequent gute Qualität brauen. Und einer der bisher unbekannteren Namen wird sicherlich demnächst zu diesen Vorstossen (Degenbier?). Auch dank der Aufmerksamkeit und dem Feedback der Trinker in Rapperswil.

Das Datum der vierten Ausgabe des Craft Bier Festivals ist leider noch nicht bekannt.

Was war deine Bierentdeckung des Festivals?

Probiert:

  • Bad Attitude Dude (Almost Double IPA): Unterdessen wohl ein Klassiker der Schweizer Craft Biere. Heimtückisch stark.
  • Bad Attitude White IPA (IPA): Macht alles richtig um ein gutes White IPA zu sein. Aber macht kaum mehr als das.
  • Bier Factory Cascadia Brewer’s Reserve (Black IPA): Zwar offensichtlich ein Black IPA, aber eher zurückhaltend.
  • Bier Factory XXA India Pale Ale (IPA): Aus gutem Grund eines der Flagship-Biere der Brauerei. Schönes, ausgewogen bitteres Session-Bier.
  • Brüll! Bier Negra (Stout): Ganz okay mit einer Tendenz zum Halbvollmundigen.
  • Degenbier Dunkel (Porter): Genüsslich, ohne überstarke Karamalz-Noten.
  • La Brasserie du Chauve La Pression (Red Ale): Wie viele der anderen Bieren etwas halbherzig, aber durchaus trinkbar.
  • Officina della Birra Apocalisse (Dark Ginger Weizen): Von allem nichts.
  • Öufi Chilbi-Bock (Bockbier): Wenig Süsse und damit wie ein gealteter Bock. Passt.
  • St. Johann Hell (Lager): Die Malznote ist unausgewogen überbetont, schmeckt aber fast schon erstaunlich intensiv nach trockenem hellen Malz.
  • Storm & Anchor Beast (Double IPA): Gradlinig und bitter. Glücklicherweise kaum Süsse. Erstaunlich trinkbar.
  • UG-Bräu Pale Ale (English Ale): Zu unspezifisch und deswegen schnell wieder vergessen.
  • UG-Bräu Nelsons (IPA): Das ganze hatte etwas Künstliches. Trotzdem nochmals probieren.

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