Februar 17th, 2015,  | 5 Kommentare

bierversuche_stammtisch

Während wir gelegentlich über gängige Bier-Klischees (siehe z.B. Blogbeitrag zu Bierfestivals) meckern, finden wir das Klischee Stammtisch grossartig. Dort wird bekanntlich herzlich über Gott und Geueze debattiert. Das ist doch etwas Grossartiges.
Deswegen hat unser Blog jetzt einen Stammtisch an dem wir 1x pro Monat ein akut aktuelles Thema diskutieren. Die Frage geht an den Stammtisch raus, wir sammeln die Antworten, basteln eine virtuelle Diskussion und veröffentlichen diese. Unter dem Link der Teilnehmenden findet ihr deren vollständiges Statement.
Mitdiskutieren? Das könnt ihr per Kommentarfunktion unten.


Die heutige Diskussion am Stammtisch:

Der IPA-Hype nervt. Es braucht nicht noch mehr IPAs. Die Brauereien sollen lieber etwas Anderes brauen.


Marco Hermann, Diplom Biersommelier, HERMANN Bier:
Hochleben soll der IPA-Hype! Von einem gesättigten IPA-Markt sind wir in der Schweiz noch seeeeehr weit entfernt (z.B. im Vergleich zum Pacific Northwest). Die zarten Schweizer Biertrinkergaumen sollen sich nur an die bittere Realität gewöhnen!



Richi Leder, SIOS Homebrew Shop:
If the beer doesn’t taste good – dry hop it!


Tobias, Inhaber Hopfenshop.ch:
Dazu braucht’s natürlich auch viel Hopfen, das freut den Hopfenshop. 🙂



Harley Williams, Hobby-brewer:
I love hops, I even grow my own, but hops are not the be all and end all of beer. Hops do not need to take center stage of every beer out there and indeed there are plenty of exceptional beers available where hops takes the back seat and let the malt and yeast team up to take you on an incredible sensory journey. The Bruery’s Sour in the Rye uses 40% Rye as the base malt and a mix of sour yeast and bacterial strains to create a truly unique experience: rich, spicy, sour and funky, with fruity up front and pepper at the back. Stillwater Artisanal Ale’s As Follows uses a huge malt backbone and Belgium yeast strains to create this heavenly complex 9% Strong ale, whose lingering flavors develop and evolve as it slowly envelops you.
“More Hops!” may have been the rallying cry of the revolution, but great beer is so much more than hops!



Chrüsi, Blattner Getränke, Küttigen:
Wir Liebhaber wissen was uns individuell schmeckt und führen uns genau dieses tolle Glas Bier an die ausgetrockneten Lippen: ein toller Citrus-/Grapefruit Duft liebkost unsere feinen Nasenhärchen und unsere Zunge macht die erste Bekanntschaft mit einer trockenen und herben Bittere. Der nächste Schluckt füllt verheissungsvoll unseren Gaumen und die wunderbare Geschmacksexplosion weitet sich unglaublich schnell via Rachen das Mannsbild runter und schreit schnell nach einer Nachzündung.


Alex Künzle, Inhaber, Öufi-Brauerei Solothurn:
Alle Hypes, speziell die aus den USA nerven mit der Zeit. Aber sie sind halt schon innovativ die Amis. Gerade wenn es um Bier geht.



Thomas Schneider, Beer-Hunter:
Gibt es überhaupt einen IPA-Hype?


Teddy Maurer, Diplom Biersommelier und Hobby Brauer:
Rund 90% der Biere auf dem Markt sind untergärig gebraut!



Julien, CEO Brasserie des 5 Quatre Mille et Hôtel Le Besso:
Dans la région ou je vis il y a 15 brasserie et a ma connaissance pas une qui brasse des IPA, il y a encore du chemin…( des brunes , des blondes. des ambrées…)


BOV:
Da ich eher Wissenschaftler als Poet bin, möchte ich zuerst die Fakts anschauen. Der Hype existiert wohl und wenn ich diese Grafik [siehe unten] mit einer Analyse vergleiche, die ich für die Schweiz gemacht habe, stellt man 2 weitere Sachen fest:
1) der IPA-Hype hat die Schweiz mit etwa 3 bis 4 Jahren Verspätung erreicht und
2) IPA ist in der Schweiz im Vergleich mit dem „Rest der Welt“ weiterhin unterrepräsentiert.
Wenn ich über dies ein bisschen länger überlege, bin ich schlussendlich der Meinung, dass dies wirklich jammern auf hohem Niveau ist. Dieser Hype wird noch ein bisschen dauern, dann kommt etwas anders (Sauerbiere?).
Grafik
Analyse



Mich Gfeller, Diplom Biersommelier, Stv. Filialleiter Drinks of the World Bern: Ich finde es einfach schade, dass dieser Hype nur auf einen Bierstil beschränkt wird, der einen guten Umsatz bringt.


Stephen Hart, Head Brewer,  Bier Factory Rapperswil AG:
Klar, es gibt in den letzten 18 Monaten eine ganz Menge neue IPAs von den Craft Brewers in der Schweiz. Aber gerade das finde ich toll. Jedes IPA schmeckt doch ein wenig anders.



Marco Nägeli, Brauwerk:
Es soll doch jeder brauen was er will. Hauptsache ist, dass es Spass macht und der neu entstehenden Bierkultur beiträgt. Spass ist ein wichtiger Treiber, um gute Produkte zu entwickeln.


Stefan Hahn, Getränke Hahn, Diplom Biersommelier: 
Es gibt viele weitere Bierstile, die ebenso gut sind, nur keiner spricht darüber. Heute kauft jeder selbsternannte Biermessias durchgehend IPAs und behauptet, das sei des Brauer-Weissheits letzter Schluss.



Roland Singer, Diplom Biersommelier, Hobby-Brauer (auch IPA!), Mitglied beim Verein Interessierter Bierbrauer (VIB):
Endlich wird nicht nur von Bierkennern über einen anderen Bier Stil diskutiert.


Tom Belgrano, Founder and Brewer at Full Measure Brewing:
The IPA is a gateway craft beer.


Guido Albrecht, Diplom Biersommelier, Gründer und Leiter Bierakademie Schweiz:
Aus der ganzen Bewegung entstehen aber auch immer neue Craft Brauer und die wieder eigene Biere bringen.



Patrik Feller, Strättligenbier:
Einerseits ist es erfreulich, wenn Brauereien sich an andere Bierstile ausser „Helles“ oder „Dunkles“ wagen, anderseits könnte man meinen, es gäbe keine weiteren Bierstile. Das Beer Judge Certification Program definiert aktuell 28 Bierstile.
Beer Judge Certification Program (BJCP)


Sebastian Imhof, Mastermind @BRAUBAR:
Ach lasst doch die Brauer IPAs brauen, was ist daran so schlimm? Lieber ein Gärtank voll IPA als Lager hell.



Rolf Burkhard, Feldschlösschen, Diplom Biersommelier: 
Innerhalb der IPA-Welt gibt es ja viel zu entdecken: die Engländer brauen andere IPAs als zum Beispiel Amerikaner, Belgier machen es nochmals anders und in Italien haben sie noch ganz andere Vorstellungen. Und nun springt ja auch Deutschland auf den Zug auf, mit einigen wirklich beachtenswerten Bieren.



Claude Degen, Inhaber und Brauer von DegenBier:
Wie bei allem was IN ist, gibt es sehr gute, mittelmässige und langweilige Qualität.


Jan, Biergeniesser:
Zugegeben, die Ausrichtung vieler Brauereien an den populären American IPAs und die entsprechende Verwendung der Amerikanischen Hopfenarten Cascade, Centennial, Citra, Cinook und Co. mag gewisse Langeweile in die IPAs gebracht haben, jedoch sind sie trotzdem immer wieder für Überraschungen gut.



Alex Künzle:
So ein kräftiger Cascade-Rülpser nach dem zweiten Glas ist doch ein Geschenk.



Roger Brügger, erster Biersommelier Schweizermeister, Hobbybrauer @ Brygger Øl:
Als Hobbybrauer nervt der Trend, weil es gerade bei gehypten Hopfensorten auch mal zu Engpässen bei der Rohstoffbeschaffung kommt. Und so gehöre ich denn auch plötzlich zu denen, die irgendwie auch auf einen fahrenden Zug aufspringen…….und mal mit Nelson gebraut haben und den Hopfen bei befreundeten Braukollegen ausborgen musste, weil er im den Versandkanälen ausverkauft war.



 

 

Bildquelle: www.werdenfelser-hof.de

5 Comments

  • Mehr Imperial Stout braucht das Land 😉

    • bruegger78@bluewin.ch sagt:

      Es muss nicht immer der neuste Trent sein, ich habe vor 2Monaten ein Stout mit 24%Stamwürze (Barleywine) gebraut.Auch da ist die Schweiz ein
      entwicklungsland .Es ist toll wenn kleinbrauer ihre eigenen Bierstyle und ihre Kreativität ins Sudhaus bringen.Brügger Beat, Cow Water Bier

  • Die Schweizer müssen Craftbiere erst für sich entdecken. Viele, die erst gerade damit begonnen haben, denken Craftbeer = IPA. Dass es auch noch viele andere Bierstile gibt, merken sie erst später. Und positiv ist es ja, wenn neue Brauereien nicht immer die gleichen drei Stile (Helles, Amber/Braunes und Dunkles) brauen. Das nenne ich auch Einheitsbräu, deshalb ist jede Brauerei, die neben IPAs auch andere Stile braut, schon mal positiv.

  • Rolf Burkhard, Diplombiersommelier sagt:

    Es ist sehr wichtig den Konsumenten die Unterschiede zwischen den verschiedenen IPA’s näher zu bringen…ein sanfter Einstieg ist oftmals besser…nicht jede und nicht jeder reagiert erfreut wenn er ohne Vorkenntnisse ein IPA aus Übersee mit 8% Alkolhol und 90 IBU’s vorgesetzt bekommt…im Gegenteil…es kann abschreckend wirken…dies meine Erfahrung. Die Brauer sollten zudem einen Wettkampf „wer braut das IPA mit den meisten IBU’s vermeiden“…sie brauen damit an den potentiellen Konsumenten vorbei

  • Marco sagt:

    Viva la Dry Hoping !

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