März 17th, 2015,  | 0 Kommentare
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Uns ist’s erst im Nachhinein eingefallen zu fragen, warum die Brauerei Öufi heisst. Jetzt haben wir herausgefunden, dass Solothurn die Stadt der 11 ist. 11 was? Keine Ahnung. Wir haben aber auch herausgefunden, dass in der Karma-Numerologie 11 folgendes Bedeutet: „Im vergangenen Leben waren sie einsam und haben etwa in einem Kloster gelebt. So fehlt ihnen das Sozialleben. In diesem Leben hat das Sozialleben Priorität.“
Sozialleben. Biergemütlichkeit. Na also, passt doch. Was Alex Künzle (Geschäftsleiter der Öufi-Brauerei und Gründer der Solothurner Biertage) sonst so antreibt und seine interessante Sicht auf den heutigen Biermarkt lest ihr in unserem Interview.

Erzähl kurz etwas über dich und deine Verbindung zu Bier.
Meine Kindheit habe ich im Fricktal verbracht. Zwischen Rheinfelden und der Staffelegg gab es damals Salmen-Familien und Feldschlösschen-Familien. Ich war ein Salmen-Kind. Ein Freund meines Vaters arbeitete bei Salmen in Rheinfelden.
Mein erster Kontakt mit Bier war der Schaum, den ich vom Bier meiner Eltern ablecken durfte. Das erste selbstbezahlte Bier habe ich im Frühling 1968 im berühmt berüchtigten Café des Pyrenées getrunken. Im „Pyri“ kostete der Becher Beauregard Bier aus Fribourg damals 55 Rappen.

Irgendwann kam dann die Öufi-Brauerei. Wie kam es dazu?
Das war eine Kombination von einer beruflichen Midlife Crisis mit knapp 50 Jahren, den richtigen Freunden mit den gescheiten Ideen und meinem Job als Verkaufsleiter bei den Valser Mineralquellen.

Wann gab’s das erste selbstgebraute Bier und was ist seit da passiert?
Ein Kollege hat mal so ein Starter-Set mit einer Büchse mitgebracht. Das Resultat – um es nicht Bier nennen zu müssen – war absolut enttäuschend.
Bei der Gründung der Öufi Brauerei ist es vor allem darum gegangen selbstständig zu werden und auch davon leben zu können.
Da musste ein Profi in Form eines Salzburger Braumeisters ran. Unser erstes Öufi-Bier made in Solothurn habe ich im Oktober 2000 getrunken. Das war besser als alles was ich bis dahin im ganzen Leben getrunken hatte.

Wer ist alles die Öufi Brauerei?
Das sind meine beiden Söhne, Moritz und Florian (Braumeister und Brauer), der Mittelfränkische Braumeister Thomas, der Chauffeur Werner und ich als Geschäftsleiter. Daneben aber auch ganz wichtig, die Öufi Beiz-Crew unter der Leitung von Nätu und Soli.

Welche Biere werdet ihr demnächst auf den Markt bringen oder habt ihr vor kurzem auf den Markt gebracht?
Wir lancieren den „Südfuss“. Das ist ein Bier aus einheimischen Rohstoffen: Hopfen aus Wolfwil und Gerste aus Altreu. Dieses Flaschenbier wird ein Helles Spez mit einem Hauch Solothurner Cascade Aromahopfen werden. Die Probesude für die Bierhähnen der Öufi-Beiz finden reissenden Absatz.
Aktuell brauen wir circa 60 Spezialbiere pro Jahr für unsere Beiz. Diese Zahl werden wir durch den Ausbau der Infrastruktur in Zukunft noch steigern.

Ihr braut vornehmlich untergärige Biere. Liegt das an der Nachfrage? Kann eine Brauerei nur so wirtschaftlich sein?
Wir sind unter den Micro-Brauereien eine der Wenigen die dazu stehen, gerne Lager Hell in rauen Mengen zu brauen und zu trinken. Gerade der zurückhaltende Geschmack von Lager Hell verhindert, dass einem das Helle verleidet. Wir sind keine Missionare, sondern Bierbrauer in der und für die Region. Und ich schätze, dass ungefähr 95 Prozent der in der Schweiz getrunkenen Biere untergärige Lager sind.
Gleichzeitig brauen wir aber parallel immer auch obergärige Biere. Wir lieben Kölsch, Weissbier, Ales, Stouts und so weiter. Es gibt nichts cremigeres, und runderes auf der Welt als ein feines Ale, frei nach Pete Brown.

Wie meinst du geht es weiter?
Die Nachfrage nach frischen, handwerklich gut gemachten Bieren und Bierspezialitäten aus der Gegend wird weiter steigen. Bier Fans suchen in den zum Teil exotischen Bierspezialitäten neue Geschmackserlebnisse und eine bisher unbekannte Bier-Vielfalt. Doch je ungewöhnlicher der Geschmack, je kleiner der Marktanteil.
Die Grossen Braumultis und die Handels-Eigenmarken-Brauer werden weiterhin High Gravity-Biere aus dem In-und Ausland zu Schleuderpreisen verkaufen und den Markt damit zumindest mengenmässig beherrschen. Die Büchsen-Aktionen für 40 Rappen sind für den Handel ein Mittel neue Kunden in ihre Läden zu locken.

Ihr seid Mitglieder der Interessengemeinschaft unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien. Wie sieht die Vereinsarbeit aus?
Wir treffen uns regelmässig, Es geht darum, der Öffentlichkeit zu zeigen, was einheimische Brauerei-KMU leisten. Daneben unterstützen wir mit unseren Vereins-Beiträgen die Leute welche in den Regierungen der Gemeinden, den Kantonen und in Bern dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit besser werden. Ganz wichtig sind auch die Pflege der Freundschaft und der Erfahrungsaustausch unter „Konkurrenten“.

Was meinst du, welche Brauerei hat das Potential Schweizweit bekannt und erfolgreich zu werden und vielleicht sogar international Fuss zu fassen?
Ist das das Ziel? Wahrscheinlich: Doppelleu, Wir vom Öufi hoffen in Zukunft eine regionale Grösse zu werden.

Die Schweiz hat jetzt einen Biersommelier Schweizermeister. Welchen Einfluss wird das auf die Entwicklung der Schweizer Bierszene bzw. –Landschaft haben?
Ihr Biersommeliers seid Multiplikatoren, wie die Marketing Menschen das nennen. Ihr habt das Wissen um bei Gesprächspartnern Begeisterung für Bier zu erwecken und vor allem bisher „bierresistente“ Personen auf Bier aufmerksam zu machen. Es ist in letzter Zeit cooler geworden, über Bier zu sprechen oder?
Das Bier wird sich vom Proleten zum Bürgergetränk wandeln, mit allem was dazu gehört. Hoffentlich bleibt Bier von den snobistischen Auswüchsen wie sie unter Weintrinkern öfters vorkommen verschont. Bier ist zum Glück näher beim Volk.

Was kann man tun, um dem entscheidenden Durchbruch von Bier in der Schweiz zu helfen?
Wir sind bereits auf einem guten Weg. Brauereien und Heimbrauer schiessen wie Pilze aus dem Boden. Und auch die Gastronomie hat entdeckt, dass Bier nicht nur gut genug ist um an Kredite zu kommen, sondern auch ein wichtiger Teil eines profitablen Gastrokonzeptes sein kann.

Erzähl etwas zur Geschichte der Solothurner Biertage?
Eine typische Bieridee. Sie entstand an der Eröffnung von Hasli-Bier im Gespräch mit Thomas Gerber von der Burgdorfer Brauerei.

Welche Entwicklung konntest du über die letzten Jahre beobachten?
Es lässt sich sicher sagen, dass die Kleinen am Kommen sind. Es gab aber in der Geschichte schon mehrere solche Perioden.

Erzähl mehr von diesen Perioden.
Am besten zeigt diese Entwicklung das interessante Buch: „Bier und Wir“ von Matthias Wiesmann, besonders die Grafiken ab Seite 230. Meist haben kapitalintensive technische Neuerungen, wie zum Beispiel moderne Flaschenfüllereien, die Kleinen vom Markt verdrängt. Wer die grossen Investitionen nicht stemmen konnte, ist verschwunden.

Müsst ihr die Brauereien aussuchen und wenn ja, nach welchen Kriterien macht ihr das?
Wir nehmen alle, die mitmachen wollen und mit unseren Bedingungen einverstanden sind.

Ist es dein Ziel jedes Jahr neue Brauereien vorzustellen?
Es ist interessant die Entwicklung von Kleinbrauereien über die Jahre zu verfolgen, aber auch neue „Mitspieler“ vorzustellen. Als Brauerei aus einer Stadt fast an der Sprachgrenze wollen wir auch den Rösti- und andere Gräben überbrücken.

Gibt es in diesem Jahr Änderungen zum Vorjahr?
Wir trennen das Bierfest mit dem Essen und den Live-Konzerten von der Ausstellung im Brauereizelt. Damit trotzdem alle in der Rythalle präsent sind, bauen wir eine 10 Meter lange Biertage-Bar mit über dreissig Bierhähnen. Jeder Aussteller soll auch in der Ryhalle mit einem Bier präsent sein. Alle Informationen zu den Biertagen stehen auf der Homepage www.biertage.ch. [Es gibt z.B. auch einen Hopfenworkshop. Weitere Informationen hier. – Anm. d. B.]

Wenn ich mich richtig erinnere, wurden früher noch Biere ausgezeichnet. Warum habt ihr damit aufgehört?
Prämierungen sind ein riesiger Aufwand, zeitlich, personell und materiell. Man kann sich dabei ganz gehörig die Finger verbrennen. Am Schluss hat man bei hundert bewerteten Bieren drei Freunde die gewinnen. Die 97 anderen sind verstimmt. Da man die Qualität von Bieren nicht wie einen 100 Meter Sprinter messen kann, haftet den Urteilen immer ein Hauch von Beliebigkeit an.

Nun noch unsere letzte Frage welche wir allen stellen: Empfehle uns 5 Biere, die jeder noch trinken soll, bevor er stirbt.
Ein Pils, am besten dasjenige von der Schlossbrauerei Hallertau.
Ein Stout, von einer unserer Schweizer Kleinbrauereien
Ein Helles, am besten das von Augustiner in München oder noch fast lieber dasjenige aus Salzburg
Ein Weissbier, zum Beispiel das Öufi Weizen
Ein Spezialbier, zum Beispiel ein IPA von einer unserer Schweizer Kleinbrauereien

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