März 31st, 2015,  | 0 Kommentare
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Manchmal braucht es nur ein Bier und man ist sich sicher: Das ist eine besondere Brauerei. Ein solches Bier ist Bosuil (Strix aluco) von der niederländischen Brauerei Het Uiltje. Ein unglaubliches Black IPA.
Entsprechend freut es uns euch Robbert Uyleman vorzustellen, Herr der Dinge bei Het Ultje.

English version of the interview is here.

Welches deiner Biere würdest du dem Beer-Hunter Michael Jackson servieren?
Wahrscheinlich das frischeste IPA das wir gerade auf Lager hätten. Aktuell wäre das Big Fat Double 5 IPA, ein Imperial IPA. Oder Velduil, unsere Kurzohreneule, ein Session IPA. Vielleicht aber auch Auchroisk, ein im Whisky Fass ausgebauter Barleywine. Keine leichte Entscheidung.

Erzähl uns etwas darüber wer ihr seid, was ihr macht.
Mein Name ist Robbert Uyleman, Gründer und Brauer von “Het Uiltje“, was so viel wie „kleine Eule“ bedeutet, gleich wie mein Nachname. Im Grunde machen wir Bier… Und wir lieben amerikanische IPA. Und wir stehen voll auf im Fass ausgebaute Biere.

Was liebst du daran, Biere im Fass auszubauen?
Zunächst einmal, ich liebe schottischen Whisky. Bevor ich mit dem Brauen angefangen habe, hatte ich bereits eine Leidenschaft für Whisky.
Während der Fasslagerung erreicht das Bier eine Tiefe und sehr komplexe Aromen entwickeln sich.. Wenn man ein Imperial Stout lagert, hat es Schokolade und Kaffee. Durch den Ausbau im Fass erhält es die typischen Geschmäcker wie Holz und Vanille von der französischen und amerikanischen Eiche oder die Geschmäcker je nach Whisky-Stil, wie Owland, Speyside, Bourbon oder ein getorftes Islay Fass. Ein Sherry Fass gibt hölzerne Vanilla-Geschmäcker und vielleicht auch subtile reife Früchte oder Apfel. Fasslagerung ermöglicht einem wahnsinnig viele Möglichkeiten.

Wann hast du mit dem Brauen angefangen und wann Het Uiltje gegründet?
Wir haben vor knapp drei Jahren mit der Brauerei begonnen. Bereits etwa eineinhalb Jahre vorher habe ich angefangen mich fürs Brauen und Craft Bier zu interessieren.

Du bist vor Gründung der Brauerei also eineinhalb Jahre lang ein Homebrewer gewesen?
Ja, das klingt richtig. Damals habe ich etwa 4 bis 6 Mal pro Woche gebraut. Und nein, zu der Zeit hatte ich kein Privatleben. Dafür hatte ich Kegs unter dem Bett.

Was hat dich dazu bewogen eine Brauerei zu gründen und mit dem kommerziellen Brauen anzufangen?
In den Niederlanden gab es in allen Bars und Cafes viel zu viele schlechte belgische Biere. Uns hat es genervt, dass keine guten hopfigen Biere erhältlich waren und darum haben wir damit begonnen diese selber zu brauen. Darum waren die ersten drei Biere auch drei unterschiedliche IPA.

Du sprichst von „wir“, wer sind „wir“?
Bezüglich Brauerei mache ich alles. Gleichzeitig habe ich Leute, die mir mit dem Finanziellen und solchen Sachen helfen. Und Tjebbe Kuijper ist mein Partner in der Bar. Er steht hinter der Bar und kümmert sich um alles. In Zukunft wird er auch Funktionen in der Brauerei übernehmen und sich um neue Bars kümmern.

Was sind deine mittelfristigen Ziele?
Zuerst einmal: Wir lieben es Biere zu kreieren und das macht uns auch sehr viel Spass. Das ist unser Hauptziel. Dazu noch das Geschäft auszuweiten, ohne dabei die Qualität, auf welche wir uns eingeschworen haben, zu verlieren. Wir brauen frische IPA und andere Biere die nicht so lange haltbar sind. Deswegen brauen wir viele kleine Batches damit immer das frischmöglichste Bier erhältlich ist.

Wie viel Bier braust du pro Batch?
Wir brauen jeweils zwischen 20 bis 60 Hektoliter.

Wie viel braut ihr in einem Jahr?
Aktuell läuft alles so schnell, dass es schwierig ist auf dem Laufenden zu bleiben. Ich glaube in diesem Jahr brauen wir zwischen 3‘000 bis 4‘000 Hektoliter.

Gibt es einen Wissens- und Informationsaustausch zwischen den Brauern? Helft ihr einander?
Das machen Einige von uns. Ich bin eher mit der jungen Brauer-Generation in Kontakt. Per Telefon, Email oder auch persönlich und dabei ist Bier zwar das Hauptthema, aber nicht das Einzige was wir besprechen.

Wer ist diese „junge Generation“ von niederländischen Brauer?
Junge Typen die aktuell eine Brauerei gründen. Die denken anders, sind freundlich und offen für neue Ideen und Experimente. Die meisten sind noch keine 40 Jahre alt.

Welches Bier hat dich damals dazu bewegt, nicht mehr Lager Biere zu trinken?
Mir schmeckten kommerziell gebraute Lager Biere eigentlich nie. Ich hab‘ sie zwar getrunken, aber nicht genossen. Stattdessen habe ich eher Belgische Biere getrunken, die ich heute nicht mehr mag, oder Guinness, welches ich heute definitiv immer noch mag.
Wir selber haben noch nie ein kommerzielles Lager gebraut. Und wir werden auch nie ein solches brauen.

Welche Biere möchtest du noch gerne in der Zukunft brauen?
Wir werden auch in Zukunft mit Unmengen von Hopfen brauen und unsere Biere in Fässer ausbauen. Gleichzeitig aber interessieren uns Fruchtbiere immer mehr [lacht]. Wir werden einfach das brauen, worauf wir zu der Zeit gerade Lust haben!

Wie zeigt sich der Einfluss von Heineken in den Niederlande?
Heineken ist überall. Entweder Heineken selbst oder eine von ihrer Untermarken wie Brand oder Amstel. Sie verlieren jedoch an Marktanteil an die wachsende Craft Bier Szene in den Niederlanden.

Und wie zeigt sich die Nähe zu Belgien?
Belgien ist per Auto nur etwa eineinhalb Stunden entfernt. Aber nein, für uns lieber keine belgischen Biere. Die Qualität ist zwar gut, aber ich persönlich hatte genug von belgischen Bieren. Ich möchte lieber etwas Neues und Erfrischendes. Nicht die immer gleichen Biere welche uns schon seit Jahren aufgedrängt werden.

Wie würdest du die aktuelle Situation der Craft Bier Szene in Holland beschreiben?
Oh wow, im Moment geht es voll ab! Die Leute trinken immer mehr Craft Bier. Sogar Supermärkte nehmen immer mehr verschiedene Biere in ihr Angebot auf. Bars mit immer mehr Craft Bier wachsen wie Pilze aus dem Boden.

Wie erklärst du dir das?
Keine Ahnung. Aber die Leute sind sich verstärkt bewusst was sie essen und trinken. Weniger Gluten, weniger dies, weniger das. Mehr und spezifischere/extremere Geschmäcker sind populär. Auch beim Bier. Ich selber finde diese Entwicklung übrigens grossartig.

Welches sind deine niederländischen Bier-Helden?
Oh, da gibt es einige, mit denen ich es lustig habe und über Bier plaudern kann. Meine Helden sind wohl diejenigen, bei denen ich IPAs kennen gelernt habe, also Jopen, Leidsche Brouwerij und SNAB. Als ich meine ersten Schritte in der niederländischen Bierszene machte, hatten die alle ein IPA. Das hat mich dazu inspiriert, selber ein solches Bier zu brauen.

Welche Orte sollte jeder in den Niederlande besuchen?
In Amsterdam, besuch die Brauereien Brouwerij ‚t IJ und Brouwerij de Prael. Dort gibt es gutes Essen und Bier. Geh ausserdem in den Beertemple, eine amerikanische Bar welche Biere von überall aus der Welt ausschenkt. Das Proeflokaal Arendsnest ist eine Bar in der es nur Craft Bier aus den Niederlanden gibt. Und dann ist da noch das Bierproeflokaal „In de Wildeman“.
Ausserdem lohnt sich natürlich ein Besuch in Haarlem, um die Jopen Brauerei zu besuchen. Diese ist in einer alten Kirche. Und unsere Bar. Wir servieren 30 Craft Biere ab Tap und mehr als 100 verschiedene Biere in Flaschen. Hier bekommt man alle unsere Biere und dazu Biere aus der ganzen Welt.

Wer trinkt in eurer Bar?
Die Bar hat erst vor kurzem aufgemacht und eigentlich kommt jeder: alt, jung und vor allem Leute die sich dafür interessieren, was es so auf der Welt gibt, abgesehen von belgischen Bieren die jeder kennt oder kommerziell gebraute Lager.

Welches sind die beliebtesten Biere in eurer Bar?
Aktuell sind es die Imperial IPA sowie Ales mit wenig Alkohol und Stouts. Der Frühling kommt und es wird etwas wärmer. Deswegen wählen die Leute eher ein 4% Session IPA als ein 13.4 % Barleywine oder Imperial Stout.

Welches von euren Bieren ist im Moment besonders populär?
Unser Bar Pale Ale mit 5% verkauft sich hervorragend wie auch das hopfige Red Ale Velduil mit 4.5 Prozent. Das sind wohl die Beliebtesten.
Obwohl, unsere Schreeuwuil, also Kreischeule, mit 9% oder das Big Fat Double 5 mit 8% sind sehr populär. Beides sind Imperial IPA und wir konnten vor kurzem die Gold- und Bronzemedaille in dieser Kategorie als „Bestes Double IPA der Niederlande“ gewinnen [und dazu noch Bronze für das Stout „F*ck de kerstboom staat in de fik!“ und Silber für das Amber Ale „Velduil – Short eared owl“ – ed.].

Welche fünf Biere empfiehlst du jemanden zum Trinken, bevor er stirbt?
Uff, das ist eine schwierige Frage. Ich liste ein paar Biere auf, von denen wahrscheinlich noch nie jemand gehört hat. Diese sind gleichzeitig meine Lieblingsbiere der letzten Jahre:
– Das 3-Way IPA von der Fort George Brewery in Oregon
– Ungespundet von Spezial in Bamberg
– Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen
– Irgendetwas von Boon, Cantillon oder ein anderes gutes spontanvergorenes Ale
– Irgendetwas das in einem Whisky-Fass ausgebaut wurde, vielleicht dasjenige von uns oder etwas von Emelisse oder De Molen. Scottish Whisky FTW!

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