April 2nd, 2015,  | 0 Kommentare
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Jester-King_Jeff-Stuffings_whatareyoudrinking-netJeff Stuffings (Co-Owner etc.), photo from whatareyoudrinking.net

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Garrett CrowellGarrett Crowell (Head Brewer)

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Adrienne BallouAdrienne Ballou (Head of the Barrel Program)

Terroir. Wer sich intensiv mit Wein beschäftigt, wird irgendwann diesem Begriff begegnen. Terroir ist die Zusammenfassung vieler umweltlichen Faktoren, welche einen Einfluss auf den Wein haben. Terroir spielte früher auch eine Rolle beim Bier: Bierstile entwickelten sich je nach dem lokalen Wasser. Unterschiedliche Hopfen und Getreide wuchsen in unterschiedlichen Regionen. Und vielleicht am Wichtigsten: die lokalen Mikroorganismen gaben jeder Brauerei ihren ureigenen Charakter.
Das änderte sich mit Reinkulturen bei der Hefe, der Behandlung des Brauwassers und mit der Globalisierung, welche es einem Schwedischen Brauer ermöglichte mit Hopfen aus Neuseeland und dem Pazifischen Nordwesten sowie Malz aus England zu brauen. Der Standort einer Brauerei spielt kaum mehr eine Rolle. Obwohl, nur bei den meisten Brauereien.
Wir unterhielten uns mit Jester King’s Jeff Stuffings (u.a. Mitbesitzer), Garrett Crowell (Head Brewer) und Adrienne Ballou (Head of the Barrel Program) die alle ihre Biere mit ihrer Brauereiegenen Mischkultur von Mikroorganismen vergären.

English version of this interview is here.

Ist ein guter Brauer ein geduldiger Brauer?
Garrett Crowell: Selbstverständlich. Zeit ist dein bester Verbündeter. Viele Brauer meinen, dass ihr Bier schlecht rausgekommen ist, da Spuren von Off-Flavours erkennbar sind. Da wir aber mit einer Mischkultur brauen, haben wir einen Mechanismus der sich sozusagen selber repariert. Das ist alles nur eine Frage der Zeit. Es gibt zwar Sachen wie Acetobacteraceae, die niemals repariert werden können. Aber abgesehen davon hat fast alles eine Lösung und die Lösung ist Zeit.

Fällt es manchmal schwer geduldig zu sein?
Garrett:
Auch wenn eigentlich kein Bier früh genug fertig sein kann, gibt es viele andere Sachen in der Brauerei die mich beschäftigen und mich auf andere Gedanken bringen.

In einem Interview mit dem Brewing Network habt ihr eine Unterscheidung gemacht, welche ich sehr interessant finde. Ihr habt die Herstellung von Würze vom Reifeprozess separiert. Vielleicht könnt ihr hierzu etwas sagen?
Jeff Stuffings:
Ich bin davon überzeugt, dass vieles der Einmaligkeit von Bier von der Vergärung kommt. Andere Brauer sagen das auch und ich stimme mit ihnen überein: Die Herstellung von Würze kann nachsichtig sein, aber die Gärung nicht. Die Gärung bei Jester King ist einzigartig, da wir einheimische Mikroorganismen verwenden. Das ist eine Reise in die Brau-Vergangenheit, in eine Zeit in der es keine Hefelabors oder Temperaturkontrolle gab. Bier wurde mit den Organismen hergestellt und vergoren, die es in den unterschiedlichen Regionen der Welt gab. Wir denken, dass dies dem Bier sehr viel Charakter gegeben hat.
Zum Beispiel sind wir gerade daran unser Black Metal Imperial Stout zu etikettieren. Als wir das Bier zum ersten Mal gebraut haben, verwendeten wir eine reine Kultur von Englischer Ale-Hefe. Das Resultat war absolut vorhersehbar, bezüglich dem Verhalten und dem Beitrag des Hefestammes. Im Verlaufe der Zeit haben wir zu unserer Brauereieigenen Mischkultur gewechselt, welche aus Dutzenden von Mikroorganismen, Hefen und Bakterien aus unserer Umgebung besteht. Wir veröffentlichen ein Zitat eines belgischen Brauers auf der Etikette, welcher im zwanzigsten Jahrhundert ungefähr gesagt hat: Der Aufstieg von reinen Brauhefestämmen hat viel zur Kontinuität, Vorhersehbarkeit und grundsätzlicher Qualitätssicherung beigetragen. Wahrscheinlich aber hat es viele einmalige Charakteristika dem Bier genommen. Unsere eigene Haltung stimmt damit absolut überein.

Ist eure hauseigene Mischkultur immer dieselbe oder habt ihr unterschiedliche für die unterschiedlichen Biere?
Garrett:
Wir pitchen immer die Gleiche, obschon sich diese natürlich weiterentwickelt. Das ist es aber genau, was so viel Spass macht. Die Unsicherheit. Und mit der Entwicklung der Hefe zu lernen.
Verändert haben wir die Mischkultur aber nie. Wir haben nie aktiv einen Mikroorganismus hinzufügt. In unserer Kultur sind immer noch diejenigen drinnen, welche von Anfang an dabei waren, welche wir entwickelt haben und danach für Biere in kommerziellen Mengen vergrössert haben. Von diesen Batches kommt unsere Hefe seitdem.
Adrienne Ballou: Mit einer Ausnahme, die sehr interessant ist. Wir brauten ein Collaboration-Bier mit der Brauerei Live Oak hier in Austin. Wir verwendeten ihre Hefeweizen-Würze, pitched deren Hefeweizen-Hefe, gleichzeitig mit unserer Mischkultur. Das zeigte uns zum ersten Mal, wie sich unsere Mischkultur im Zusammenspiel mit einem Hefestamm aus dem Labor verhält.
Nach der Erstgärung schmeckte es noch wie ein traditionelles Hefeweizen. Doch dann fing es an sich weiter zu entwickeln und es entstanden ein paar wirklich spannende Aromen sowie etwas Säure.

Ich hab’ gehört, dass ihr die Fässer nach dreimaliger Füllung austauscht. Kommen durch die Fässer jeweils auch neue Mikroorganismen dazu?
Adrienne:
Wir bekommen jedes Jahr neue Fässer von Weinkeltereien, einige aus Texas, andere aus Kalifornien oder Frankreich. Jedes von diesen Fässern hat eine einmalige Lebenswelt von Mikroben. Da wir in alle unsere Biere die gleiche Mischkultur pitchen, kriegen wir aus jedem Fass ähnliche Resultate. Aber natürlich gibt es kleine Unterschiede, was aber wiederum das Blending zu einer der spannendsten Aufgaben macht.

Das klingt alles tatsächlich sehr spannend: Blending, die eigene Mischkultur. Wie lässt sich das aufs Homebrewing übertragen?
Garrett:
Meine ersten Schritte waren auch im Homebrewing. Jester King ist mein erster Job in der Brauereibranche. Als Homebrewer habe ich jeweils normale Biere mit leichten Abweichungen gebraut und danach einen Laborhefestamm gepitched. Dazu nahm ich ein Sauer- oder Funkybier welches nicht pasteurisiert war, hauptsächlich Fantôme oder Orval, und zur Erstvergärung habe ich circa 2 Zentimeter von diesen Bieren in den Gärtank geschüttet. Damit fügte ich deren Mikroorganismen hinzu. Das ist ein ganz einfacher Vorgang und man kriegt auch noch ein gutes Bier zu Trinken.
Wenn es darum geht Biere fürs Blending herzustellen, dann ist es wichtig unterschiedliche Biere zu brauen. Wenn man sehr ähnliche Biere nimmt, diese miteinander schneidet, dann wird das Resultat auch sehr ähnlich sein. Aber wenn man zum Beispiel ein Red Ale mit einem Blonde Ale oder sogar mit einem sauren Stout verschneidet, unterschiedliche Mischverhältnisse ausprobiert, gibt einem das ein vertieftes Verständnis dafür, was passiert wenn die Charaktereigenschaften von einem Bier mit denjenigen eines anderen Bieres vermischt werden.
Jeff: Was ausserdem noch wichtig ist, um zu Hause gute Biere dieser Stile zu brauen, obschon das gilt eigentlich für alle Biere, dass man die Gärtemperatur genau beobachtet. Immer wieder sehe ich, dass die Homebrewer sehr viel Geld in Apparaturen investieren. Ich rate ihnen dann jeweils, besser der Gärtemperatur Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst wenn wir die Gärung jeweils sich selber überlassen, so kontrollieren wir dennoch die Gärtemperatur. Dadurch verbessern sich die Resultate, im Vergleich zu ungesteuerten Temperaturen – welche normalerweise zu warm sind. Und dann entstehen normalerweise die Probleme.
Manchmal steigen die Temperaturen in den ersten Wochen der Gärung, vor allem steigen sie im Sommer bis zu 28 bis 34 Grad. Dadurch können zwar sehr schöne Aromen und Geschmäcker entstehen. Aber, und das sage ich jedem Homebrewer, ist es besser, wenn man die Temperatur unter Kontrolle hat.

Wie wichtig ist das Labor in einer Brauerei wie Jester King?
Adrienne:
Wir haben kein offizielles Labor und wir führen auch nicht regelmässige Laborarbeiten durch.
Als ich vor zwei Jahren als Lehrling bei Jester King begonnen habe, kam ich von der Uni wo ich viele Laborarbeiten im Zusammenhang mit Wein durchführte. Entsprechend wollte ich das auch hier ein Bisschen machen, unsere Mischkultur anschauen, unterschiedliche Mikroorganismen isolieren.
Allerdings sind die sensorischen Aspekte von Bier bezüglich Qualitätskontrolle viel wichtiger als Laboruntersuchungen. Unsere Mischkultur entwickelt sich ständig weiter und wir akzeptieren, dass wir nur eine eingeschränkte Kontrolle haben. Wir überwachen die Temperatur und stellen sicher, dass wir gesunde Kulturen pitchen. Die Bevölkerung der Hefen und Bakterien verändert sich aber und wir begrüssen das. Uns gefallen minime Inkonsistenzen. Wir meinen, dass dies unser Bier einmalig macht.
Jeff: Da für uns Kontinuität nicht über allem steht, gibt uns das die kreative Freiheit, die Zügel für unsere Mikroorganismen locker zu lassen. Solange es gut schmeckt, werden wir das Bier verkaufen.
Damit gehen wir zurück in der Biergeschichte, in eine Zeit bevor Bier in einer streng kontrollierten Methode produziert wurde. Die meisten Brauer konzentrieren sich intensiv darauf Kontinuität und Vorhersehbarkeit und Kontrolle sicherzustellen. Das macht zwar aus ökonomischer Sicht Sinn. Wir haben aber den diametral gegensätzlichen Ansatz gewählt.

In der Vergangenheit habt ihr gesagt, dass ein Bier in einem gemeinschaftlichen Prozess entsteht. Was meint ihr damit?
Jeff:
Zu einem gewissen Masse ist es tatsächlich ein gemeinschaftlicher Prozess. In den letzten zwei oder drei Jahren, übernahm Garret die Verantwortung neue Rezepte zu entwickeln sowie die Brau-Abteilung zu führen. Zum Beispiel die Mischkultur zu entwickeln, die Zutaten einzukaufen, die Zeit für das Bier einzuplanen. Bei uns arbeiten sehr viele sehr schlaue Leute. Und um unsere Biere zu brauen wird sehr viel Kreativität eingesetzt. Aber Garrett lenkt unsere Vision.

Kannst du uns erklären wie der kreative Prozess einer Rezeptentwicklung bei euch funktioniert?
Garrett:
Essen ist meine Inspirationsquelle. Wenn ich beispielsweise irgendwo Essen gehe und der Küchenchef diese speziellen Zutaten verwendet. Normalerweise ist es so, dass Zutaten, die in Speisen funktionieren auch in Bier sehr gut schmecken. Nichtsdestotrotz würde ich nie so weit gehen und ein Bier mit BBQ, Speck oder Ähnlichem machen wollen
Und dann gibt es auch noch die Erinnerungen. Für mich sind diese auch sehr inspirierend. Die Gerüche, die mich wieder in die Kindheit versetzen oder bestimmte Gerüche die ich sofort mit einem bestimmten Ereignis assoziiere. Diese Erinnerungen sind oft auch ein Fundus für eine Rezeptidee.
Letzten Herbst haben wir ein saisonales Bier gebraut, welches wir Autumnal Dichotomous genannt haben. Gebraut mit Butternutkürbis und über alten Fassdauben geröstetem Eichelkürbis. Zusätzlich gewürzt wurde das Bier mit weissen Salbei und Longpepper. Ich wollte das Bier ein wenig an den Geschmack von brennenden Laubhaufen anlehnen, eine sehr nostalgische Geruchserinnerung aus meiner Jugend.

Bezieht ihr die Zutaten alle lokal?
Adrienne:
Tatsächlich probieren wir möglichst viele Früchte lokal zu beziehen. Es gibt aber auch Ausnahmen. Wir arbeiten sehr eng mit einer Farm in der Nähe von Austin zusammen, von wo wir viele Produkte beziehen. Leider ist es in Texas kaum möglich Himbeeren oder Kirschen zu beziehen, deshalb müssen wir diese aus anderen Staaten einkaufen.

Wenn man euch so zuhört, ist es offensichtlich wie gross euer Wissen ist. Wie habt ihr euch dieses Wissen erarbeitet und, noch fast wichtiger, wie verbreitert ihr dieses weiterhin?
Jeff:
Wir haben gute Kontakte zu anderen Brauern. Diese Kontakte sind aber nicht irgendwie exklusiv, auch Homebrewer oder Bierfans können relativ einfach mit Brauern in Kontakt treten. Speziell wenn man verschiedene Festivals besucht. Aus meiner Erfahrung sind Brauer generell sehr ehrliche und bodenständige Typen, die gerne und bereitwillig Auskunft geben. Um auf die Frage zurückzukommen; Austausch mit Brauern, Blogs und Homebrewer-Websites. Es gibt diese Website von Micheal Tonsmeire, The Mad Fermentationist, ich bin seit Jahren enorm inspiriert von seinen Beiträgen und Experimenten.
Garrett: Biere trinken. Davon lerne ich wirklich am meisten. In der Richtung, dass ich, wenn mir ein Bier gefällt, unbedingt herausfinden will was dessen Charaktereigenschaften ausmacht. Dann muss ich auch noch für The Mad Fermentationist nachdoppeln. Ich habe mich wirklich durch die Website gewühlt und dabei gelernt wie Sauerbiere gemacht werden.
Adrienne: Obwohl ich in einer Brauerei arbeite, kommen viele Grundlagen meiner Experimente aus Diskussionen mit Winzern. Das heisst für mich viel Wein zu probieren, um herauszubekommen was ich für die Brauerei übernehmen könnte. Zusätzlich durch das aufmerksame Wahrnehmen der sensorischen Charakteristika der Biere, die ich trinke.

Welches eurer Biere würdet ihr dem Beerhunter Michael Jackson ausschenken?
Jeff:
Das ist eine schwierige Frage. Gut, ich habe Michael Jackson nie getroffen und kenne ihn nur von der Serie “The Beer Hunter” und seinen Publikationen her. Was ich aber gehört habe, war er ein sehr geselliger Kollege und hat eine gute Diskussion während eines Nachmittags oder Abends sehr geschätzt. Darum würde ich wohl ein leichtes Bier wählen, welches wir mit ihm über ein paar Stunden geniessen könnten. Daher unser Table Beer, Le Petite Prince. Es ist ein sehr einfaches Farmhouse Ale mit nur etwa 3% Alkohol. Wenn du es frisch trinkst ist es trocken und die Hopfenaromatik ist noch präsent. Beim Altern kommen die Hefe und Bakterien stärker in den Vordergrund, bezogen auf Geruch und Geschmack des Biers.
Adrienne: Du hast mir die Worte aus dem Mund genommen [lacht].

Dieselbe Frage haben wir auch Toby Munn von The Kernel gestellt. Auch er hat sich für ihr Table Beer entschieden. Wir müssen also annehmen, niemand möchte Michael Jackson betrunken sehen.
Jeff:
[lacht] Wenn wir schon von The Kernel sprechen, einige unserer Leute sind momentan in Übersee und gerade dabei ein Collaboration-Bier mit The Kernel zu brauen.

Cool. Apropos Collaborations: Ihr habt letztes Jahr ein Bier mit Raphaël Mettler von Trois Dames gemacht.
Jeff:
Stimmt. Wir durften in St. Croix zusammen mit Raphaël brauen. Das war eine grosse Ehre für uns und wir haben die Brauerei und die Trois Dames Biere geliebt. Der Ort ist absolut hinreissend. Wir werden Raphaël übrigens in ein paar Wochen an der Craft Beer Conference in Portland wiedersehen.

Wie kam es zu diesem Projekt?
Jeff:
Eines der grossartigen Dinge in der Bierwelt ist, dass es eine wunderbare Gemeinschaft von aussergewöhnlichen und freundlichen Leuten ist. Als Teil davon lernst du Leute aus aller Welt kennen, was sehr cool ist und in anderen Berufszweigen nicht unbedingt zum Alltag gehört.
Wir haben Raphaël am Shelton Brothers Festival in Portland, Maine kennengelernt. Wir haben gerade die Oxbow Brauerei besichtigt und ein guter Freund, Nathan Zeender, welcher bei Right Proper Brewing in Washington DC arbeitet, hat mich Raphaël vorgestellt. Im Verlauf des Festivals haben wir erste Bande geknüpft und darüber gesprochen ein Bier zusammen zu brauen.
Es ist eine Collabo zwischen Trois Dames, Crooked Stave Artisan Beer Project aus Denver und uns. Wir haben in allen drei Brauereien dasselbe Rezept gebraut, verwenden dieselben Fässer – spanische Sherryfässer – aber jeweils ein anderes Gärungsprofil. Verwendet haben wir jeweils die Hauskultur um wirklich die Eigenschaften der drei verschiedenen Brauereien einbringen zu können.

Was ist der aktuelle Stand der Biere?
Jeff:
Unseres ist bereits in Flaschen abgefüllt und den Release werden wir zusammen mit Raphaël und Chad Yakobson in Portland machen.

Als wir mit Raphaël gesprochen haben meinte er, dass er an diesem Tag nicht viel Handwerkliches zu tun hatte. Garrett und Adrienne haben die ganze Arbeit gemacht?
Adrienne:
Ja. Das war tatsächlich ein etwas besonderer Tag. Gleichzeitig mit der Collabo hatten wir noch ein TV-Team im Haus. Die waren nett aber auch sehr erpicht darauf alles Gewünschte auf Film zu kriegen. Es war etwas mühsam um all die Kameras herum zu manövrieren.
Garrett: Ja, für einen Wochentag waren da wirklich viele Leute in der Brauerei.

Auf dem Foto, welches ihr in Raphaëls Keller aufgenommen habt, sah es auch etwas gedrängt aus. Aber trotzdem auch, dass es viel Spass gemacht hat.
Garrett:
Wir hatten grossen Spass.
Jeff: Ja, es war sehr schön. Raphaël konnte einen kleinen Rundgang auf unserer Ranch machen. Unser Grundstück liegt südwestlich von Austin in Texas und umfasst etwa 200 Acres. Ich glaube er hat es sehr genossen zu sehen, wo wir leben und ein paar der Stereotypen über Texas abzuchecken.

Sonstige Pläne für Collabos mit europäischen Brauereien?
Jeff:
Dieses Jahr planen wir zwei Überseereisen. Eine davon findet gerade jetzt statt und beinhaltet, wie gesagt The Kernel. Wir haben zusätzlich Oersoep in Holland geholfen ein Bier zu brauen.

Wie sucht ihr eure Collaborations aus? Ihr trefft einander, mögt einander und braut miteinander?
Jeff:
Das ist ein Teil davon. Die Philosophie ist aber sehr wichtig. Wir möchten, dass unsere Collaboration authentisch ist, im Sinne, dass das Bier hoffentlich besser ist als die Summe der Einzelteile. Und dass das Bier ohne das gemeinsame Zutun aller Beteiligten so nicht möglich gewesen wäre.
Die Brauer zu treffen und ihr Bier zu trinken, gibt uns einen Eindruck dafür, was ihnen wichtig ist und ob das damit übereinstimmt, was uns wichtig ist. Meistens ist es ziemlich offensichtlich ob bei einer Collaboration etwas Besonderes entstehen würde, abgeleitet davon wer sie sind, woran sie glauben und wie ihr Brauprozess ausschaut.

Und wenn eine Collaboration richtig, richtig gut ist, dann gibt’s eine Etikette mit zwei nackten Männern?
Garrett:
[lacht]. Ich war nicht vollständig nackt, ich trage immer noch ein Feigenblatt!

Wegen der Etikette hatte euer Designer sicher ein paar schlaflose Nächte. Basiert das Bild auf einem Foto oder entsprang es der Vorstellungskraft eures Designers?
Garrett:
Der Vorstellungskraft von unserem Designer Josh [Cockrell].

Diese Etikette entstand für ein Bier das ihr mit Prairie Ales gebraut habt. Gerade eben ist eine Collabo mit Jeppe von Evil Twin erschienen.
Jeff:
Jeppe ist grossartig. Für mich persönlich machte die Zusammenarbeit noch mehr Spass, weil er mit seiner Familie nach Austin gereist ist. So konnte meine Tochter mit seinen beiden Söhne spielen.

Ihr braut nicht nur mit Europäern, reist nach Europa, manchmal sind eure Biere sogar in Europa erhältlich. Vor einiger Zeit hat Sam Calagione von Dogfish Head bekannt gegeben, dass sie nicht mehr nach Europa exportieren werden, da sie nicht einmal die Nachfrage in den USA befriedigen können. Ihr scheint einen anderen Weg zu gehen.
Jeff:
Ja, wir exportieren ein paar unserer Biere ins Ausland in Verbindung mit Festivals.
Früher haben wir aber noch mehr Biere in andere Bundesstaaten in den USA und ins Ausland exportiert. Damals war es uns nicht erlaubt unsere Biere in der Brauerei zu verkaufen. Glücklicherweise wurde dieses Gesetz vor zwei Jahren geändert und wir können nun unser eigenes Bier in der eigenen Brauerei verkaufen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass wir nicht mehr so viel Bier übrig haben, welches wir noch ins Ausland exportieren könnten.
Wir möchten aber immer noch ein Bisschen exportieren. Wir möchten ein Teil der multinationalen Bier- und Brauer-Community sein. Uns gefällt es und es inspiriert uns andere Brauer zu treffen, dass unser Bier an anderen Orten der Welt ausgeschenkt wird, zu reisen und mit anderen Brauern zusammen zu arbeiten. Deswegen exportieren wir unsere Biere.
Wir finden, dass Biertrinker manchmal etwas territorial sind. In Texas sind alle stolz auf ihren Bundesstaat. Wenn ein Bier nicht aus Texas kommt, dann verdient es keine Unterstützung. Wir hatten nie diese Mentalität. Wir werden von verschiedenen Orten überall auf der Welt inspiriert und wir möchten ein Teil dieser Welt sein.

Apropos Texas: Die Stereotypen umfassen Longhorn Rinder, Lonestar Bier, Knarren und Bauernhöfe, aber nicht unbedingt Farmhouse Brauereien. Wie hat man damals eure Biere in Texas aufgenommen?
Jeff:
Uns hat es angenehm überrascht wie gut unsere Biere von Anfang an aufgenommen wurden. Ein Brauer hat uns damals gesagt, dass was wir vorhaben keinen kommerziellen Erfolg haben werde. Okay, das konnte passieren. Aber dann hätten wir unsere Biere einfach dort verkauft, wo sie akzeptiert worden wären – in anderen Bundesstaaten oder im Ausland.
Wahrscheinlich war unser Timing genau richtig und der texanische Markt war bereit für Biere, welche sich nicht am Mainstream orientieren, an den Anglo-Amerikanischen oder Deutschen Bierstilen.

Ursprünglich wolltet ihr eher Englische Bierstile brauen. Habt ihr euch je überlegt, eine Spin-Off-Brauerei zu gründen und zu diesen Bierstilen zurückzukehren?
Jeff:
Von Anfang an haben uns die Biere mit wenig Alkohol inspiriert. Als allererstes Bier haben wir ein Mild gebraut. Wir waren aber auch schon immer von diesen wilden Ales, vom Farmhouse Stil inspiriert. Vor allem von Brauereien wie Jolly Pumpkin. Entsprechend planten wir ursprünglich einen hybriden Ansatz.
Garrett: Ich finde, dass wir eigentlich diese Biere brauen, einfach Versionen mit Abweichungen zu dem was man als ein klassisches IPA, Stout oder Pale Ale bezeichnen würde. Da alles mit unserer Mischkultur vergoren wird, erhalten unsere Biere eine andere Dimension als wenn das gleiche Rezept zum Beispiel von Sierra Nevada gebraut würde.

Was kommt als Nächstes?
Garrett:
Gerade eben ist unsere “Spontanvergärung”-Saison zu Ende gegangen. Es wird wieder wärmer in Texas, was es uns ermöglichen wird, unsere eher ordentlich hopfengestopften Ales zu brauen. Unsere Brauerei ist nur teilweise von aussen geschützt, weswegen wir wärmere Temperaturen für unsere Gärung brauchen. Danach kommt die Fruchtbier-Saison, welche bis Anfangs Herbst dauert.
Adrienne: In diesem Sommer werden wir vor allem wieder mit Pfirsichen brauen. Hoffentlich aus der Region. Mit Aprikosen zu brauen macht auch immer wieder Spass. Generell ist die Fruchtbier-Saison immer wieder aufregend.

Wobei ihr weniger darauf aus seid, irgendwelche besonders exotischen Produkte zu verarbeiten, sondern vielmehr mit Geschmäckern zu arbeiten, die ihr mögt.
Garrett:
Genau.

Zum Schluss noch unsere traditionell letzte Frage: Welche fünf Biere empfiehlt ihr jemandem zu trinken bevor er stirbt?
Garret:
Live Oak Pilz.
Jeff: Definitiv. Es ist ein Böhmisches Pils, dass hier in Austin von Live Oak Brewing gebraut wird. Sie wenden die traditionelle Methode der einmaligen Dekoktion an, dazu Saazer Hopfen und eine kalte horizontale Fermentierung.
Apropos, lasst mich das zweite Bier vorschlagen: Taras Boulba von De La Senne in Brüssel. Yvan De Baets, der Brauer, hat uns enorm inspiriert. Das Bier ist eine unglaubliche Kombination von trocken, Hefe-Eigenschaften, Hopfengeschmack und -aromen und ist einfach sehr trink- und geniessbar.
Garrett: Ich möchte noch Fantôme Saison vorschlagen. Einfach weil es mit Sicherheit nicht das Bier mit der grössten Kontinuität und Vorhersehbarkeit ist. Aber genau das ist es, was das Bier für mich ausmacht. Für mich ist das einer der ehrlichsten Repräsentanten, welcher unbeabsichtigte Eigenschaften zulässt. Dieses Bier wird wahrlich durch seine Umgebung beeinflusst. Das macht es für mich fantastisch. Bier kann eine solch seltsame und gleichzeitig wunderschöne Sache sein.
Adrienne: Für mich ist es Cantillon Vigneronne. Das Bier war eine unglaubliche Inspiration für mich: Ich kam damals aus der Weinindustrie und das war das erste Bier, welches mich dazu inspirierte, Wege zu finden die beiden Welten miteinander zu verbinden. Und jedes Mal wenn ich das Bier trinke, inspiriert es mich aufs Neue.
Jeff: Noch ein Bier, das mindestens für mich, enorm inspirierend war, damals als ich anfing Bier zu trinken: Von einem Freund im mittleren Westen habe ich ein Bier von Jolly Pumpkin bekommen. Das ist eine der bahnbrechendsten Farmhouse Brauereien in den USA. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich deren Calabaza Blanca zum ersten Mal trank, ihr belgisches Weissbier und wahrscheinlich das erste mit einer Mischkultur gebraute Bier welches ich jemals trank.
Sie pitchen eine Alehefe, lassen das Bier dann aber für eine gewisse Zeit offen gären. Danach füllen sie das Bier in Fässer ab, wo es mit verschiedenen Mikroorganismen in Berührung kommt. Die Säure und die würzige Funkiness des Bieres hat mir gezeigt, was Bier alles sein kann. Das Bier bedeutet mir sehr viel.

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