Juni 30th, 2015,  | 0 Kommentare
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Mindestens in der Schweiz beschäftigen wir uns oft mit Biergläsern: tragischerweise bestellen wir oft das Bier per Glasgrösse oder –form. Die Relevanz der Gläser geht aber weit über die Stange und den Chübel und das Mass hinaus. Unterdessen wissen wir, dass die Glasform entscheidet, wie schnell wir das Bier trinken. Wir wissen aber vor allem auch, dass ein Glas das Aroma und den Geschmack beeinflusst, weswegen Gläserkunde ein Teil der Sommelier-Ausbildung ist.

Diese Bedeutung haben natürlich auch die Gläserhersteller erkannt. Dabei gibt es zwei Strategien: Rastal präsentiert mit dem Teku ein Universal-Sommelier-Glas, das z.B. am Zürcher Bierfestival eingesetzt wurde. Spiegelau wiederum produziert für (fast) jeden Bierstil ein eigenes Glas, welches die Nuancen des Stiles betonen sollen und verkauft diese in „(Craft Beer) Tasting Kits“. Dazu haben sie mit Brauereien wie Sierra Nevada, Dogfish Head, Bell’s und Rogue zusammen gearbeitet – oder sie dürfen mindestens deren Logo auf die Kiste drucken.

Das Auge trinkt mit
Die Kits von Spiegelau umfassen sieben Gläser für die Bierstile Wit, IPA, Stout, Lager, Weizen sowie eine Biertulpe, wo nicht verraten wird für welches Bier dieses sein soll. Was dabei auffällt ist, dass einzelne Gläser auffallen. Vor allem das IPA-Glas mit den komischen Noppen im Fuss sieht nach einem Design-Feature aus, das normalerweise zur Freude der Frauen eingebaut wird. Das Wit-Glas sieht zwar sehr elegant aus, hat aber Platz für 75cl Bier (oder 30cl Bier und 45cl Schaum?). Hier muss man mindestens einen halben Liter Bier reinschütten, damit das Glas nicht leer ausschaut. Die Gläser sind sehr leicht und dünnwandig, womit die Angst das Glas zu zerbrechen mittrinkt – was aber wegen der besonderen Glasqualität nicht passieren sollte (die Gläser sind auch Geschirrspüler tauglich). Natürlich haben die Gläser den red dot Design Award gewonnen, aber wer sich ein Bisschen damit auskennt, weiss dass dazu nicht wirklich viel nötig ist.

Die Gläser machen einen positiven Unterschied
Univerre hat uns drei Gläser zur Verfügung gestellt, welche wir für euch getestet haben. Es gab eine nicht fotografisch dokumentierte Runde (bei der Mitblogger Jan mitgetrunken hat) und eine Runde mit drei Trois Dames Bieren welche zu den Wit, IPA und Stout Gläser passten. Hier trank ein Laie mit. Parallel dazu haben wir aus dem Teku-Glas getrunken. Und bei all der oben formulierten zynischen Kritik, lässt sich doch feststellen, dass die Gläser einen Unterschied machen – zum Guten.

Wit
Die Aromen sind bei beiden Gläsern recht ähnlich. Beim Spiegelau-Glas sind sie aber weicher und im Geschmack ist der Körper kompakter. Das Spiegelau-Glas betont die verschiedenen Ingredienzen, während das Bier im Rastal-Glas im Vergleich saurer und ziemlich scharf war.

IPA
Die Unterschiede im Aroma sind nicht extrem ausgeprägt, aber auch hier wirkt das Aroma aus dem Spiegelau-Glas runder. Das Bier ist dann im Geschmack aus beiden Gläsern relativ ähnlich, wobei das Bier im Rastal-Glas harscher akzentuiert im Bitteren ist. Das Spiegelau-Glas betont dafür den Malzkörper gekonnt.

Stout
Der Unterschied ist beim Stout-Glas beeindruckend. Auch hier bietet das Spiegelau-Glas einen weicheren, kompakteren, runderen Körper und präsentiert die Röstaromen hervorragend. Was aber sehr beeindruckt, dass die Form des Glases das Bier ein Bisschen aufschäumt, so dass immer eine Schaumkrone auf dem Bier bleibt. Das verstärkt das Aroma und lässt das Bier viel länger frisch aussehen.

Fazit
Lohnt sich also der Kauf? Für jemanden dem es ernst ist mit seinen Bierdegustationen: ja. Die Unterschiede sind bei manchen Bieren erst beim genauen Trinken offensichtlich – besonders für Laien. Dennoch sind die Unterschiede gross genug, dass sie einen Einfluss auf das sensorische Erlebnis haben und den Genuss ausreichend verstärken. Das bedeutet dann aber natürlich das Anschaffen von mehreren Gläsern, was die Gläserschrankkapazitäten sprengen kann. Ein universelles Glas wie dasjenige im Einsatz in den Erzbierschof-Bars (weiss jemand, von wem das ist?) bleibt deswegen verlockend. Der Christian-Haushalt wird sich aber sicher die Stout-Gläser beschaffen, denn die sind wirklich beeindruckend.

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