Oktober 30th, 2015,  | 0 Kommentare
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Klar, wir gingen nach London um dort Bier zu trinken. Aber auch um mit den Leuten zu sprechen, welche die Biere herstellen, die wir so lieben und wertschätzen. Wir stellen euch nun Gregg Irwin, Direktor und die Hälfte von Weird Beard Brew Co. vor – die andere Hälfte ist Bryan Spooner. Wir konnten uns kurz während dem London Craft Beer Festival unterhalten – von Beergeek zu Beergeek.

>> The English version of the interview is here.

Lass mich unsere traditionelle Eröffnungsfrage stellen: Welches eurer Biere hättest du dem Beerhunter Michael Jackson serviert?
Das ist eine schwierige Frage! Ich weiss, welches Bier ich bevorzugen würde. Aber Michael Jackson? Gut, ich würde wollen, dass er ein wirklich Beeindruckendes probiert. Also wohl unser Barrel Aged Double Perle, gelagert in Macallan Fässer. Ich glaube das ist momentan unser am besten bewertetes Bier. Und es gibt nur 200 Liter davon. Macallan ist ein lieblicher Whiskey und das Fass hat dem Bier schöne Aromen von Eiche und Whiskey mitgegeben. Ich denke das ist wirklich unser bestes Barrel Aged Bier.

Aber offensichtlich wäre das nicht deine eigene Wahl. Was trinkst du am liebsten?
Meine Bier-Vergangenheit baut auf Lager und Pilsner Bieren auf. Ich mag daher unser Faceless Spreadsheet Ninja, ein Citra Pilsner. Wenn mich jemand nach einer Empfehlung fragt, dann ist das jeweils meine Wahl.

Und was ist passiert, dass du dich vom Lagerbier-Trinker zur Hälfte einer Craft-Brauerei entwickelt hast?
Ich ging nach Amerika.

Das ging wohl den meisten von uns ziemlich ähnlich…
Gut, wenn ich Amerika sage meine ich eigentlich Kanada. Wir waren in Toronto, Kanada, während eines heftigen Gewitters. Wir sind also in die nächstbeste Bar geflüchtet und es hat sich herausgestellt, dass die 40 Taps mit Craftbier hatten. Ich wusste damals nicht, dass es so etwas gibt. Sie boten also Probierportionen von Dogfish Head Bieren an und beim Probieren konnte ich nicht glauben, dass das auch Bier ist und vor allem wollte ich wissen was die gemacht haben, dass das so schmeckt!
Das ist nun ungefähr sechs Jahre her. Nach meiner Rückkehr nach Grossbritannien, versuchte ich solche Biere hier zu finden. Damals gab es in London noch nichts. Es gab nur ungefähr acht oder neun Brauereien in London. Kernel hatte noch nicht mit Brauen begonnen. Also habe ich mit Heimbrauen begonnen.
Ich habe mich vor allem auf die Online verfügbaren Inhalte der American Homebrewer Association gestützt. Ich begann, die Podcasts von Jamil Zainashef auf dem Brewing Network zu hören. Für all diese Leute habe ich einen riesen Respekt – aus einer Heimbrauer Perspektive.
Damals arbeitete ich als Fotograf und machte vor allem Fotos von Abschlussklassen, was hauptsächlich während dem Sommer Arbeit bedeutet. Ich hatte also etwa 10 Monate im Jahr nicht allzu viel zu tun. In dieser Zeit hatte ich mich mit verschiedenen Projekten beschäftigt und Heimbrauen war eines davon. Ich merkte, dass ich ziemlich gute Biere zu Hause herstellen konnte, und da das so gut lief, war der Schritt vom Heimbrauer zu einem Profibrauer das Projekt für das Folgejahr.

Wann war das?
Wir haben im Februar 2013 mit brauen begonnen. Die Planungen für die Brauerei starteten wir ungefähr im November 2011. Es war eine ziemliche lange Geburt.

Wer ist „wir“?
Bryan und ich. Bryan ist mein Geschäftspartner und das Gesicht von Weird Beard. Er hat den seltsamen Bart.

Ich wollte gerade sagen; dein Bart ist überhaupt nicht seltsam.
Ja. Darum stelle ich mich auch bei allen Meet the Brewers-Events mit „Hallo, ich bin Gregg von Weird Beard und ich habe einen eher vernünftigen Bart“ vor.

Aber du wirst nie mehr glattrasiert sein können.
Ich mache Sprüche darüber, dass mein Bart für eine Million Dollar versichert sei. Das stimmt natürlich nicht.

Nicht wie die Brüste von Samantha Fox. Was dir nun verrät wie alt ich bin…
Genau, daran erinnere ich mich auch [lacht].

Weird Beard: Warum?
Die Leute machten sich über Bryan lustig, nannten ihn Weirdy Beardy und solches Zeugs. Er hat das also umgedreht und den Leuten direkt unter die Nase gerieben.

Wie habt ihr euch die Verantwortung aufgeteilt?
Am Anfang machten wir beide alles. Doch als wir wuchsen und expandierten, mussten wir das ändern. Bryan ist verantwortlich fürs Brauen und ich für alles Geschäftliche. Ich bin irgendwie die Stimme der Brauerei und Bryan das Gesicht. Aber, wie gesagt, er ist derjenige der die Biere macht und ich verkaufe sie.

Und er scheint recht gut im Bieremachen, da ihr expandieren musstet.
Ja. Wir sind ein ziemlich gutes Team. Wir haben einige, die Heimbrauer sind und für uns arbeiten. Es gibt also einen steten Fluss kreativer Ideen.
Wir haben einige Rezepte wo wir jeweils nur den Hopfen ändern. Von Zeit zu Zeit können wir einem unserer Brauassistenten die Anlage übergeben und sagen: „mach deine eigene Version von Little Thing That Kills“. Ich selbst bin auch noch ziemlich involviert, wenn es darum geht neue Rezepte zu entwickeln. Ich habe einiges an Wissen über Chemie, die Behandlung von Wasser etc. sind mir ziemlich geläufig.

Was wichtiger wird, wenn du eine Brauerei hast als wenn du zu Hause braust?
Ich finde es ist wichtig für alle die Bier brauen.

Also auch für Heimbrauer?
Die Vorbehandlung von Wasser ist ziemlich wichtig, ja. Wenn du möchtest, dass dein Bier korrekt schmeckt.

Aber doch eher für fortgeschrittene Heimbrauer.
Ja, das ist schon so. Aber du kannst Heimbrauen ziemlich weit treiben. Es gibt solche, die besseres Bier brauen als die meisten kommerziellen Brauereien. Das sind dann halt Leute, die sich um die Vorbehandlung von Wasser, Gärtemperaturkontrolle usw. kümmern.

Ich bezweifle das natürlich nicht, aber denke dass die meisten Heimbrauer einfach hoffen, dass ihr Rezept mit dem vorhandenen Wasser irgendwie funktioniert.
Und wenn du in London bist und ein dunkles Bier brauen willst, dann funktioniert das perfekt. Aber wenn du in London ein helles Bier brauen willst, musst du das Wasser behandeln, damit das klappt. Du kannst in London etliche so-so Heimbrau-Biere trinken, die mit unbehandeltem London-Wasser gebraut sind.

In welcher Region von London liegt eure Brauerei?
In West London, in einem Viertel das Hanwell heisst. Nicht viele werden wissen, wo das ist, ausser man kennt die Marshall-Verstärker. Die kommen nämlich auch aus dieser Gegend. Wenn du in Heathrow landest, wäre Boston Manor die U-Bahn-Station, wo du aussteigen müsstest. Wir sind dann nochmals 20 Minuten Fussmarsch von der Station entfernt.

Kann man die Brauerei besuchen?
Alle zwei Monate an einem Sonntag öffnen wir die Türen. Weil wir relativ weit weg vom Öffentlichen Verkehr und nicht in einer bekannten Biergegend beheimatet sind, denken wir es wäre etwas gesucht die Brauerei jede Woche zu öffnen. An diesen Sonntagen haben wir jeweils um die hundert Leute bei uns in der Brauerei.

Was könnt ihr nun anders machen nach der Expansion?
Ich glaube nicht, dass wir was anders machen. Wir machen einfach mehr. Wenn du expandierst, dann sind deine Standardbiere dein Brot und Butter.

Welches sind eure Standardbiere?
Das grösste ist Mariana Trench. Wir haben aber auch Faceless Spreadsheet Ninja oder andere Versionen von Spreadsheet Ninja, Little Things That Kill und Five O’Clock Shadow.
Die sind also unser Brot und Butter. Wir müssen die brauen und immer an Lager haben. Und das ist schon harte Arbeit. Mariana Trench brauen wir beispielsweise viermal monatlich, also einmal pro Woche. Wir sind noch nicht ganz so weit wie andere Brauereien, wo in neun von zehn Braugängen das Standardbier gebraut wird, aber Mariana Trench brauen wir schon sehr oft.
Aber es gibt noch eine Million Bierstile und Biertypen die wir ebenfalls gerne brauen würden. Immer wenn sich eine kleine Lücke im Braukalender auftut, überlegen wir uns was wir nun brauen könnten. Eine Collaboration, ein neues Bier? Etwas Schräges, dass wir dann in einem Fass ausbauen können. Das Experimentieren macht mir schon grossen Spass, im Herzen bin ich nämlich noch immer ein Heimbrauer. Wenn der Zeitpunkt käme, wo wir keine Zeit mehr für spezielle und verschiedene Biere mehr hätten, könnten wir geradesogut jemanden bezahlen, die Biere für uns zu brauen. Der Spass ginge verloren. Ich könnte dann nur noch über Geschäftliches und eine Marke sprechen.

Ich glaube es ist auch Fakt, dass viele Brauer, je grösser die Brauerei wird, immer weniger tatsächlich an den Brautöpfen stehen.
Das ist nicht unbedingt ein Problem. Solange wir an Rezepten herumpröbeln, wirklich spannendes Zeugs ausprobieren und mit interessanten Personen zusammenarbeiten können, sind wir glücklich.

Welche anderen Dinge qualifizieren dich als Beergeek?
Ich denke Interesse. Das einzige was jemanden wirklich als Beergeek qualifiziert ist Interesse an Bier. Und der Wille Biere zu suchen und auszuprobieren.

Du machst aber keine RateBeer oder Untappd Einträge?
Nein. Ich habe ein paar Reviews auf RateBeer geschrieben, etwas sechs. Ich habe noch nicht mal den Status erreicht, wo meine Ratings gewertet werden.
Was ich mag, ist neue Orte besuchen, neue Brauereien. Aber ich sehe keinen Wert darin, gleich online zu gehen und die Biere zu bewerten, da ich so wenige Reviews habe und meine Meinung nicht mal zählt.
Ich betreibe aber schon einen gewissen Aufwand meine Ferien so zu planen, dass ich an Orte komme wo es gutes Bier und Bars gibt.
Früher als ich noch als Weingeek unterwegs war, wählte ich entsprechend Weingüter um da Wein einkaufen zu gehen. Wenn ich also jetzt an ein Festival in der Toscana gehe, fahre ich über Frankreich. Ich habe aber probiert meine Frau davon zu überzeugen über Deutschland zu fahren.

Ich glaube das erste Mal, dass mir euer Name auffiel war am letztjährigen CBC wo jemand ein entsprechendes T-Shirt trug.
Bryan war dort und war wohl auch mit einem T-Shirt bekleidet.
Also ist er auch ein Beergeek?
Ja, wir beide sind Beergeeks. Ich meine, eigentlich bin ich in einer traurigen Position. Mit der Menge an Events, wo wir selber teilnehmen, komme ich selten dazu, an andere Events zu fahren und einfach inkognito rumzuhängen. Normalerweise sind wir mit den Festivals an denen wir teilnehmen ziemlich involviert. Es ist ein echtes Vergnügen, wenn ich mal einfach so an ein Festival gehe um ein bisschen zu trinken. Nicht mal ein Weird Beard T-Shirt tragen, einfach gehen.

An den Festivals wo ihr teilnehmt hast du keine Zeit andere Biere zu probieren?
Gut, wenn sich jemand um die Bar kümmert, kann ich das schon machen. Aber ich habe mich heute ziemlich zivilisiert benommen und nur wenige andere Brauereien besucht, weil ich heute Abend noch arbeiten werde. Morgen werde ich wiederum etwas Zeit haben um noch Biere von anderen Brauereien zu probieren. Man sollte jedoch schon ziemlich vorsichtig sein, um noch nüchtern genug zu sein, wenn es darum geht an der eigenen Bar Biere zu zapfen.

Auf die andere Seite gibt es an diesem Festival sehr viele Biere mit wenig Alkohol.
Wir stellen jeweils auch sicher, dass wir bei jedem Festival Little Things That Kill dabei haben, einfach damit die Brauer etwas trinken können. Von einem 3.9%-Bier kannst du schon trinken ohne zu betrunken zu werden.

Eine weitere Frage, die wir jedem stellen, und hier passt sie wohl besonders gut für einen Beergeek wie dich: Fünf Biere die du zu trinken empfiehlst bevor man stirbt?
Oh, du hättest mir auch etwas Vorbereitungszeit geben können! [lacht]
Ich muss da natürlich ein Weird Beard Bier auflisten. Alles andere wäre unhöflich.

Es wäre sozusagen “weird”.
Ja. Ich würde sagen, probiert an ein Barrel Aged Sadako zu kommen. Wir bauen die in verschiedenen Fässern aus, alle sehr gut und interessant. Diese Biere lagern bei uns sechs bis acht Monate bevor sie in den Verkauf gehen.
Das Londoner Bier, das ich neben Weird Beard am meisten getrunken habe müsste ein Kernel Pale Ale oder IPA sein. Ein solches würde ich also auch noch auf die Liste setzen.
Das Bier, das mich erst zum Brauen gebracht hat war Dogfish Head. Wenn man also an ein frisches 60 oder 90 Minute IPA kommt, dann die probieren, denn die sind beide fantastisch.
Dann wäre es wohl Zeit für etwas Belgisches. Ich bin ein riesen Fan Von Cantillons Lou Pepe Kriek. Ich liebe dieses mandelartige Aroma, das von den Kirschensteinen herrührt. Ich kann nicht anders; diesen Geschmack liebe ich einfach.

Macht ihr eigentlich auch „wilde“ Biere?
Nicht wirklich. Wir haben ein paar wenige Fässer, in denen wir, sagen wir eine gemischte Gärung stattfindet. Wir vergären also ganz normal, füllen die Biere dann in ein Fass und warten auf die spannenden Dinge die da passieren. Aber das ist mehrheitlich ein Seitenprojekt. Wir haben noch keinen Plan wie wir diese Dinger verpacken würden, ohne unsere anderen Geräte zu kontaminieren.
Um auf die Frage zu den fünf Bieren zurückzukommen: Es müsste noch ein Thornbridge Lager auf die Liste. Die haben vor Jahren ein Lager namens Italia gemacht. Das war eine Collaboration zwischen Thornbridge und Birrificio Italiano. Ich behaupte Thornbridge macht die besten Lagerbiere in Grossbritannien. Und Italia war das allerbeste, das sie gemacht haben. Ich war ziemlich enttäuscht als sie die Produktion eingestellt haben. Das war mein Standardbier. Wie ich gesagt habe, ich war ein Lagerbiertrinker.
Wenn du also ein wirklich, wirklich gutes Lagerbier probieren möchtest, nimm etwas von Thornbridge. Und falls sie Italia mal wieder brauen würden, müsstest du natürlich dieses wählen.

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