Oktober 14th, 2016,  | 0 Kommentare
bierversuche_aldi-box

Das Raunen in der Szene war gross. Echt, jetzt? Eine ganze Kiste?! Wo nochmal ist der nächste Aldi?

Grund für das Stirnrunzeln und die Vorfreude war eine spezielle Craft Bier Box, die es exklusiv im Aldi gab. In der Werbung selber konnte man nicht erkennen, welche Biere in der Box sind. Und die Zweifel waren vorhanden, dass Schlussendlich keine Schätze sondern nur der Zonk in der Kiste ist.

Die Zweifel waren nicht begründet. Die Privatbrauerei H. Egerer im Deutschen Grossköllnach, welche die Box zusammengestellt hat, hat einen interessanten Mix von Deutschen, Belgischen, Holländischen, Österreichischen und Schottischen Bieren gefunden*. Bierstilmässig waren die Pale Ale und India Pale Ale in der Überzahl, aber für Einsteiger passt das. Und man kann hoffen, dass die Boxen nicht nur von Biernerds weggekauft wurden, sondern auch der Familienvater aus Uzwil sich eine gekauft hat und dadurch auf den Geschmack gekommen ist.

Apropos; wie haben die Biere geschmeckt? Wir haben sie für euch getestet und hier sind unsere Degustationsnotizen (hier nachlesen, wie wir bewerten).

BrewDog Dead Pony (Club) Pale Ale
Fruchtiges Aroma, mit Anzeichen von Hefe und Getreide. Ein klares Aroma, dass bereits verrät, dass dies ein leichtes Bier sein wird.
Im Mund hat es den typischen BrewDog Geschmack, mit guter Hopfigkeit und Bittere, brotiges Malz und sowohl Zitrus wie auch Kräuter. Angesichts dem niedrigen Alkoholgehalt, hat dieses Bier sehr viel Geschmack. Als ein mini-Punk IPA ein Erfolg.
Bewertung: 3

Camba Bavaria Hop Gun
Dunkelmalz-Aroma mit wenig Früchten und Blumen. Dazu aber ein gutes grüner Hopfen Aroma, das erfreut aber nicht begeistert. Viel Schaum, etwas dunkler und im Mund sowohl samtig wie auch ganz wenig sauer. Der Körper ist okay, mit dem Gesamteindruck an ein Red Ale erinnernd, dank des ausgeprägten Malzkörper. Etwas süss, aber nicht klebrig.
Bewertung: 3

De Molen Op & Top
Dunkler als die anderen Biere und ein stärkeres, malziges Aroma. Sehr viel Kohlensäure und eine sofortige, brotig malzige Bittere, die fast schon in eine Dunkelmalz-Röstung geht und so an sehr dunkeln  Toast erinnert. Wenig Fruchtigkeit oder andere Aromen und Geschmäcker, mit leichtem Anzeichen von grünem Gemüse und erst mit der Zeit Blumen und Beeren. Trocken und verharrend. Ein Old School Bier.
Bewertung: 2.5

Maisel & Friends Pale Ale
Leicht im Aroma und auch Köper. Etwas Hopfen, aber es fällt schwer eine ganze Nase voll zu kriegen. Entwickelt etwas Malz- und Hefearoma. Im Mund sowohl trocken wie auch Getreide. Entwickelt sehr schnell einen Lichtgeschmack. Krautiger als fruchtig. Sehr wenig Hopfen (eher homöopathische Mengen von Simcoe, Citra, Herkules, Chinook und Amarillo), weswegen dies ein sehr zurückhaltendes Pale Ale ist, das in Bittere von Pilsner übertroffen wird.
Bewertung: 2.5

Oppigårds Amarillo
Zurückhaltendes Hopfenaroma, aber definitive Blume vom Amarillo. Im Mund, eine schöne Bittere und schmeckbarer Hopfen, der nicht – wie leider immer wieder bei Amarillo – ins seifige abwandert. Sehr trocken und guter Körper, der auch im Gaumen verharrt. Malz ist vorhanden, aber genügt sich mit einer Statistenrolle.
Bewertung: 3.5

Oud Beersel Bersalis Kadet
Als Session Triple angeschrieben, was auch immer das sein soll. Im Aroma Zitrus und das typische belgische Hefenaroma. Dies weist bereits auf viel Kohlensäure hin, und verspricht Gewürze und beides wird im Mund bestätigt. Etwas krautige Bittere und viel kitzelnde Kohlensäure. Das Zitrus entwickelt Säure. All das erinnert tatsächlich etwas an ein Triple, oder einfach an ein würziges Blonde.
Bewertung: 3.25

Rieder IPA (6.0%)
Im Aroma Heu, Melonen und Mandarinen und eine gute Hopfigkeit, absolut kein Malz . Im Mund dann eine Handvoll Hopfen, mit viel Zitrus und einer prägnanten Trockenheit, die sich dem Adstringierenden annähert.
Eine Hopfenbombe, die die Bittere jedoch im Zaum hält, durch eine malzige Süsse ausbalanciert und mit viel Frucht verfeinert.
Bewertung: 3.5

Zwönitzer India Pale Ale
Dunkler Honig im Aroma, mit leichter Hefe, dazu, alles in einem leichten Aroma verpackt, etwas Frucht und Beeren, aber auch einen Phenolischen Anstich.
Im Maul Karamell und Brot, etwas Mango Fruchtigkeit. Die Bittere von Citra, Simcoe, Cascade und Amarillo kommt erst zum Schluss und gesellt sich dort zum Phenolischen und Kirschbrand. Tauglicher Körper.
Bewertung: 3.25

Fazit
Es ist ein paradiesischer Zustand, wenn man im Aldi ein gutes Bier kaufen kann. Craft Bier wird sich nur durchsetzen, wenn
a) potentiellen Kunden eine spannende Möglichkeit geboten wird, einmal so ein Bier zu probieren;
b) die Biere einfach erhältlich sind – denn nicht jeder pilgert Hügel hinauf oder Keller hinunter für Biere;
c) die Biere also in „normalen“ Verkaufsquellen erhältlich sind;
d) wofür es wiederum genügend grosse Brauereien geben muss, die in ausreichenden Mengen liefern können.

Entsprechend kann man diese Kiste nur feiern – wie auch die Schweizer Versionen wie diejenige der IG Kleine und Mittlere Brauereien. Schlussendlich wollen wir ja nicht wie die Musiknerds sein, die sich Bands nicht mehr anhören, sobald das alle andere machen.

 

* Aber kein eigenes Bier. Tatsächlich braut Egerer traditionelle Deutsche Biersteile und ein Cola-Weizen.

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