April 7th, 2017,  | 0 Kommentare

Neben (oder auch zusätzlich zu) allerlei Sodom und Gomorrha bietet Amsterdam eine lebendige Bierszene. Immer mehr Brauereien haben einen Taproom, wo frisches Bier getrunken und was Nahrhaftes gegessen werden kann. Tatsächlich gibt es in der Region zu viele Bars und Brauereien, um alle an einem Tag besuchen zu können. Für einen guten Überblick empfehlen wir die Karte, welche unser guter Freund und Reiseleiter zusammengestellt hat. Dieser Beitrag ist demnach keine komplette Liste, aber ein Bericht wie wir einen Samstag im April verbracht haben.


Brouwerij de Prael – deprael.nl
Niemand steht darauf von Fahrrädern über den Haufen gefahren zu werden oder über Mageninhalte der letzten Partynacht zu hüpfen. Es gibt aber eine verstecke Perle im touristischen Herzen Amsterdams, nur eine Gracht ausserhalb des Rotlichtviertels. De Prael gibt es schon lange und ist eine soziale Institution, die Angestellten haben alle eine «Vergangenheit» und erhalten hier eine Möglichkeit zu geregelter Arbeit. Leider hat jemand dabei auch eine Marketingperson angestellt und all die Biere sind nicht mehr nach holländischen Sänger – Typ «deine Oma hat die noch gehört» – benannt, sondern einfach Weizen oder Pale Ale. Die Biere sind immer noch gut gemacht, zurückhaltend und mit Balance. Das Weizen ist sehr lecker, was sogar Nicht-Weizen-Trinker eingestehen müssen. Das Restaurant bietet kleine Snacks und auch grössere Gerichte. Dazu sitzt man an museumsreifen Tischen in dieser ruhigen Oase mitten in all dem Wahnsinn der draussen vor sich geht.


De Bierkoning – bierkoning.nl
Quer durch die Stadt findet man diesen tollen Bottleshop. Hier haben wir ein New England Style IPA von de Prael gekauft, welches exklusiv für diesen Laden abgefüllt worden ist. Dazu die neusten Kreationen von Tommie Sjef, ein Blender aus Nordholland, der momentan ziemlich gehyped wird. Es gibt hier keine Zapfhähne oder ähnliches, aber ein kleiner Kühlschrank mit Flaschen und Büchsen zum über die Gasse mitnehmen. Nun braucht es nur noch eine bequeme Bank und man kann bei einem guten Bier die Wunder von Amsterdam bestaunen. Wir haben uns für Evil Twin, Beerbibliothek, Urban Chestnut und Magic Rock als Wegbier entschieden und den Laden wieder verlassen.


Oedipus – oedipus.com

Eine kurze Reise mit der Fähre vom Hauptbahnhof entfernt kommt man nach Noord Amsterdam (die Fähre ist gratis und nur für Fussgänger und Fahrradfahrer). Danach zu Fuss tiefer in ein Industriegebiet – man fühlt sich hier wie auf einer Insel, dabei ist die Gegend nur durch den Fluss t’Ij getrennt – und man landet bei Oedipus. Aussen ist alles durchschnittlich grau, innen schlägt einem ein Regenbogen voller Farben entgegen. Lebhafte Dekoration, mit Pflanzen und Gartenstühlen. Die Fenster sind gross, womit man fast das Gefühl kriegt draussen zu sitzen. Zahlreiche Biere werden hier gezapft und während sich Oedipus beim Alkoholgehalt zurücknimmt, halten sie es umso direkter bei den Namen, wie Vogelen und Mannenliefde, welche gleich unsere favorisierten Biere hier waren.
Rick Nelson von Oedipus hat uns im Vorfeld empfohlen unbedingt auch etwas zu essen, wir waren allerdings zu früh dran; die Küche öffnet erst um 17.00 Uhr. Zum Glück gibt’s in der Nähe einen «Whole-Foods»-ähnlichen Laden, wo man Essen kaufen und im Foodcourt verspeisen kann. Das Essen darf nicht zu Oedipus rüber genommen werden, weil es früher immer wieder Probleme mit den Abfällen gegeben hat. Trotz unserem Essens-Pech ist das ein wunderbarer Ort und sicher den Weg wert.


Skatecafe – skatecafe.nl
Auf dem Rückweg sahen wir ein paar Leute vor einem unauffälligen Backsteinhaus sitzen. Hinein spähend sahen wir einen Skatepool und eine Bar neben zu. Die Offenbiere ignorierend probierten wir zwei Dry&Bitter und ein Branie Bier. Einfach weil wir schon lange kein Bier mehr hatten und den rohen Hering runterspühlen müssten, den einige von uns vorher gegessen hatten.
Brouwerij ‚t IJ – brouwerijhetij.nl
Wir nahmen eine weitere Fähre über den Fluss und hielten dann nach der letzten stehenden Windmühle auf Amsterdamer Boden Ausschau. Die Mühle gehört zum Gebäudekomplex der t’IJ Brauerei. Diese gehört zu Duvel Moortgart und wurde vermutlich in der letzten Lonely Planet Ausgabe Amsterdam erwähnt. Die Bar war gepackt voll mit hauptsächlich Touristen. Es gibt hier keine Tasting-Sets nur einfach kleinere Portionen (wohl 2dl) einer ziemlich grossen Auswahl an Offenbieren. Die Biere waren okay, aber der Ort hatte eine stickige und schweissige Atmosphäre, war ungemütlich und zu laut. Weshalb wir wieder gingen, noch bevor wir die bestellten Biere fertig getrunken haben.
Foeders – foeders.amsterdam
Ein Neuankömmling in der Stadt. Die Bar führt einigen Zapfhähnen und dabei ist der Fokus mehrheitlich auf «sauer» gelegt. Wir wählten alle Alvinne – weil Alvinne. Dazu gibt es Erdnüsse und der Boden ist überhäuft mit den Schalen. Bestellen kann man auch eine Auswahl an Spezial-Würsten, falls Erdnüsse nicht genügen. Die Gastgeber sind super freundlich und schätzten es als wir ihnen ein Glas vom Framboise Boon (2009) anboten, welches wir bestellt hatten. Diese Bar ist etwas abgelegen vom Zentrum, kann aber mit dem Tram einfach erreicht werden. Und mit der superfreundlichen Atmosphäre, grossartigen Bieren und der Möglichkeit sich ein wenig wie ein Einheimischer zu fühlen, absolut den Weg wert.
t Arendsnest – arendsnest.nl
Die Bar – sie gehört zum Morebeer Konglomerat (wie z.B. auch Bars Beer Temple (internationale Biere) oder Craft & Draft (ein Liter Growlers)) – hat sich einen schon fast legendären Ruf erarbeitet, weil sie ausschliesslich einheimische Biere verkauft. Da die holländische Brauszene sehr aktiv ist, gibt es immer etwas Neues zu probieren oder einen der alten Favoriten neuzuentdecken. Die Bar ist nicht sonderlich klein, aber war jedes Mal proppenvoll als wir dort waren. Vom Zentrum nur ein kurzer Spaziergang entfernt, ist der Ort bei Amsterdamer wie Touristen sehr beliebt.
Wenn man grosse Bestellungen – wie wir natürlich – tätigt, werden die Biere einzeln beschriftet, was immer sehr gerne gesehen ist. Wir hatten unter anderem Biere wie Big Fat 5 von Uiltje, Zinder von Zeglis und Disco Bitch von Jopen. In Betracht gezogen wie gut die Bartender gekleidet sind, ist das nur eines der vielen Zeichen, wie sehr dem Produkt Bier hier Respekt gezollt und wie sorgfältig es behandelt wird.

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