Mai 18th, 2017,  | 1 Kommentar

 

Bier gehört zu Belgien wie Schokolade zur Schweiz, Knarren zu den Vereinigten Staaten und Ceviche zu Peru: Das Eine geht nicht ohne das Andere. Zu Hause haben wir das Buch «1000 Belgische Biere» und blättert man dieses durch, findet man eine riesige Menge Brauereien von denen zu mindestens wir noch nie gehört haben. Als uns die Organisation «Flanders Investment & Trade» zum Bier trinken… uhm, entdecken… eingeladen hat, war’s offensichtlich und klar; da müssen wir hin! Der Anlass richtete sich in erster Linie an Leute aus Gastronomie und Handel, während wir als Multiplikatoren eingeladen wurden, die frohe Botschaft zu verbreiten. Alles in der Hoffnung, dass diese Biere bald in der Schweiz erhältlich sein werden.

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Unsere Rolle zeigte sich dann darin, dass wir umgehend in Empfang genommen wurden, man uns an der Hand nahm und den Brauereirepräsentanten vorstellte. Der Gastgeber liess uns dann zurück, kehrte aber alsbald zurück, wenn wir zu lange mit der gleichen Person gesprochen haben. Er nahm uns dann wieder am Arm und schob uns zum nächsten Stand. Das klingt jetzt schlimmer als es war, schliesslich gab’s ja Bier.

Eigentlich scheint bereits alles über belgische Biere gesagt und geschrieben, womit wir uns die Frage stellten, welchen Beitrag wir noch leisten können. Tatsächlich aber gibt es ein Fazit, welches wir gerne mit euch teilen: Belgien hat noch viel mehr zu bieten, als uralte Brauereien welche klassische Biere in ansehnlichen Mengen produzieren. Wie in jedem anderen Land, unterscheiden sich die Brauereien in Alter, Innovationskraft und Grösse. Lasst uns das einmal genauer anschauen.

Gross und klein
An diesem Nachmittag konnte man Biere von grossen Namen trinken, wie zum Beispiel Westmalle und Verhaeghe Vichte (Brauer von Duchesse du Bourgogne), aber auch ganz Kleine. Die Brouwerij Lambrecht – Van Hamme ist eine ziemlich winzige Brauerei aus Oostkamp: Sie produzieren 150 Liter pro Sud, können ihr Flagship Hoppelaar aber auch bei einer anderen Brauerei auf einer 30 Hektoliter-Anlage produzieren. Ihr Blond war ganz leicht säuerlich mit einer ansprechenden Karbonisierung, während es dem komplexen Braun gelingt, die Lakritze mit den anderen Geschmacksnoten zu verbinden. Am gleichen Stand wurde Castalia Craft Brew präsentiert, die auf der gleichen 150-Liter-Anlage brauen. Das TWOS verwendet Marokkanische Gewürze und ist überraschend trocken und gesamthaft angenehm zum Trinken.

Alt und neu
Die Bandbreite des Alters der Brauereien ging von sehr neu (wie Castalia) bis ziemlich neu (wie z.B. Broeder Jacob, seit 2008) bis zur uralten Brouwerij Roman. Sie wurde 1545 gegründet und wird immer noch von der gleichen Familie Roman betrieben. Sie produzieren einerseits die Ename Klosterbiere, aber auch Spezialitäten wie das Adriaen Brouwer Dark Gold. Lode Roman, Commercial Manager der Brauerei, während sein Bruder als Brauer tätig ist, war offensichtlich stolz auf seine Familiengeschichte: Er erzählte wie traurig es immer wieder ist, wenn kein Nachfolger in der Familie gefunden wird um die Brauerei weiterzuführen. Diese starke Verbindung von Familie und Geschäft sprach auch Bram Vandewalle von der, zuvor erwähnten, Castalia Brauerei an: Er beklagte die Tatsache, dass er seine Brauerei nicht nach seinem Nachnahmen benennen konnte, weil es bereits die Seizoensbrouwerij Vandewalle gibt.

Traditionell und innovativ
Neben der Bandbreite bezüglich dem Alter der Brauereien, gibt es diese auch bezüglich dem Alter der Bierstile. Neben den sehr toll gebrauten klassischen Triple, fanden wir auch neue und spannende Ideen, wie zum Beispiel zwei Biere, welche mit Brettanomyces arbeiten. Rebelse Strop der Brouwerij Roman ist wohl das perfekteste Beispiel dafür, dass Brett alleine nicht sauer ist. Dieses Bier hatte wohl das reinste Brett-Profil (sofern so etwas überhaupt möglich ist), welches wir je getrunken haben. Das zweite Bier war das SchuppenAas von der Het Nest Brouwerij, welche einen subtileren Brett-Charakter hatte. Das Bier mit dem wohl spannendsten «neuen Stil» war das Vuur 3-Dubbel von der Brouwerij Pirlot. Es wird als dunkles Triple angepriesen und schmeckt genauso, wie man sich ein dunkles Triple vorstellen würde. Diese Bier war sehr lecker. Und zu guter Letzt war da auch noch der Lager/Ale-Hybrid Bijnens, welches in eine ähnliche Richtung geht wie DeuS, einfach mit zwei anderen Bierstilen. Das Bier war spannend und als gelungene Mischung auch recht süffig, gleichzeitig aber nicht das komplexeste Bier dieser Welt.

Also, was uns nach diesem Event geblieben ist, dass Belgisches Bier mehr zu bieten hat als hervorragende traditionelle Bierstile von unglaublich tollen Brauereien. Belgische Biere sind auch De Plukker, ein biologischer Hopfenbauerhof, der seinen eigenen Hopfen in sauber gemachten Bieren verwendet. Wie in jedem anderen Land, definiert sich Bier sowohl einerseits durch seine Traditionen, sowie durch Leute, welche auf diesen Traditionen auf- und weiterbauen. Und Flandern ist da keine Ausnahme.

One Comment

  • Milosz sagt:

    Also Schokolade gehört auch zu Belgien, darum hätte ich eher Käse zur Schweiz gesagt. Zudem passt Schokolade perfekt zu Bier, genauso wie Käse auch zu Bier passt. Und das mit den Knarren finde ich unnötig, vor allem vor dem Hintergrund, dass zur Zeit die besten Biere aus den USA stammen. Und es heisst immer noch Peru nicht Pero und ob jetzt Ceviche so ein Aushängeschild für Peru ist weiss ich nicht? Bier gehört jedenfalls nicht Belgien allein und gehört zu Schottland(obwohl dort noch Whiskey dazu kommt), England, Belgien, Deutschland wie Tschechien vielleicht noch Dänemark und Holland und inzwischen zu den USA und einigen anderen Ländern in denen es jetzt wieder aufkommt wie Skandinavien oder Polen oder neu Italien und Spanien.

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