September 2nd, 2017,  | 0 Kommentare
Wrench oder Spanner? Max Descloux, Intern
Dennis Ratliff, Brewer
Andrew Clark, Brewer
Max von der kleinen Brauerei Brasserie Lance-Pierre in Lausanne macht gerade ein Praktikum bei der bekannten Brauerei Brew by Numbers (BBNo) in London. In mehreren Ausgaben wird er darüber berichten, wie es sich für einen «Heimbrauer» anfühlt in einer professionellen und Weltklasse Brauerei zu arbeiten. Dies ist Teil 1.

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Es ist einige Monate her, als ich begonnen habe mich für eine berufliche Erfahrung im Bereich der Filmproduktion in London zu interessieren. Aber dann hat sich plötzlich eine andere Idee in meinem Kopf festgesetzt: Warum suche ich stattdessen nicht eine Arbeit bei einer Brauerei? Ich begann 2012 in Lausanne mit heimbrauen, meine Brauerei habe ich zusammen mit zwei Freunden 2014 gestartet und registriert. Seit jeher zwischen meinen zwei Jobs, Filmemachen und Brauen, hin und her gerissen, musste ich nun eine Entscheidung fällen. Getan! Let’s brew in London!

Nur wo? Ich verschickte ein paar komische Emails an verschiedene Londoner Brauereien, meine nicht ganz so klare Projektidee erklärend. Ohne Resultat. Ein bisschen verzweifelt kontaktiere ich Freunde, welche mehr Brauer kennen. Das hat sich als ziemlich effektiv herausgestellt: Zwei Tage später konnte ich mich Dennis Ratliff (Brauer bei Brew by Numbers) vorstellen und hatte danach mein dreimonatiges Praktikum im Sack.

Die Nacht vor dem ersten Arbeitstag war kurz. Ich konnte nicht aufhören mir über meine Qualifikation Gedanken zu machen. Ich besitze grundlegendes Brauerwissen, Wasserzusammensetzung, Säure des Malz, Hopfentypen und Idealbedingungen für Hefe; erworben durch Gespräche mit anderen und aus Büchern. Studiert hab ich das alles aber nicht. Bin ich ein Betrüger? Brauen ist nicht so schwierig, oder? Ausrüstung und Zutaten kaufen, einem Rezept folgen und beten, dass es schmecken wird. Richtig?

Keine Zeit für ein Schwätzchen
Mit einem flauen Magen bin ich also zur Brauerei gefahren. Dennis war schon da um mich willkommen zu heissen und mich dem Team vorzustellen. Alle sind jung, freundlich und… bereits am Arbeiten! Keine Zeit für ein Schwätzchen, denn es ist Abfülltag! Ein bisschen erleichtert war ich als ich meine erste Aufgabe erfahren habe: Kegs abfüllen. Etwas das ich gut kenne. Das gab mir dann auch die Möglichkeit mit den anderen zu sprechen. «Welche Schicht möchtest du am morgigen Brautag übernehmen? Du kannst wählen zwischen der ersten 5 – 13 Uhr oder der zweiten 13 – 21 Uhr?” fragte mich Dennis. Ohne Zögern entschloss ich mich für die Erste.

Und darum startete der Brautag um 5 Uhr früh, während die Stadt noch zu schlafen schien. Dennis beorderte mich zur Maischepfanne, während er das Malz einfüllte. Mit einer Kelle rührte ich die zwanzig Säcke Malz unter. Keine Zeit zu lungern, die nächsten Schritte mussten vorbereitet werden. Die Brauteams bestehen aus zwei Personen und die grosse Herausforderung ist, alles fertig zu haben bevor die zweite Schicht startet. Und dann auch noch genügend Heisswasser für den zweiten Braugang übrig zu lassen.

Die Anlage besteht aus fünf Kessel: CLT (Kaltwassertank), HLT (Heisswassertank), Maischepfanne, Kochkessel und Whirlpool. Die Überraschung war für mich, dass das System für ein einstufiges Infusions-Maischeverfahren ausgelegt ist. Von Zuhause bin ich mir gewohnt mit mehreren Stufen zu arbeiten, mit Abmaischen und einer Proteinrast bei Weizenbieren. Die Effizienz der britischen Malze lässt es zu mit einer Rast zu arbeiten, eine gute Zeitersparnis.

Wir kochten die Würze, gaben den Hopfen zu, Irish Moss und Vitamine für die Hefe. Dann wurde das Bier runtergekühlt und in den Gärtank gepumpt. Gerade noch rechtzeitig bevor das andere Team eintraf.

Es gibt nicht nur ein Englisch
Was für ein Tag! Und alles hat erst begonnen. Ich habe meine Stelle vor drei Wochen angetreten und fühle mich schon als Teil der Brauerei, dank der Verantwortung und dem Vertrauen, welche sie mir geben. Die Brauer sind sehr geduldig und bringen mir viel bei. Um fair zu sein, in der ersten Woche hatte ich Mühe deren Englisch zu verstehen. Die Brauer stammen von England, Schottland, Australien und den USA. Allzu oft benutzen sie verschiedene Namen für die gleichen Werkzeuge. «Hopstand, Upstand», «Grant, Under Back», «Pitcher, Scoop, Jug», und so weiter. Aber es wird täglich besser.

Die drei Monate werden rasch vorbeiziehen und es gibt so viele Dinge zu lernen, zu verstehen. Also keine Zeit zu verschwenden! Let’s brew!

PS. Der August in London scheint der «place to be» für Craftbierfans. Ich nahm mir also eine Woche um all die Dinge zu erkunden, die Stadt wahrzunehmen bevor ich mit der Arbeit startete. Ich fand eine Wohnung, ein Velo, habe an Bieranlässen teilgenommen und frenetisch eine Flaschensammlung gestartet.

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