Januar 8th, 2018,  | 0 Kommentare

Wie jedes Jahr haben wir unsere Freunde über ihr letztes Jahr befragt und sie um Aussicht in ihr nächstes Jahr gebten. Wenn man bedenkt, wie vielfältig dieses „Bier-Ding“ ist, ist es nicht verwunderlich, dass die Antworten ebenso vielseitig ausfielen. Wenn man sich jedoch die Antworten genauer anschaut, wird es kristallklar, dass ein Thema unsere Freunde bewegt hat, obwohl es selbst ziemlich undurchsichtig ist. Bevor wir also tiefer in das Jahr 2018 einsteigen, lasst uns schnell einen Blick zurück werfen.

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Was für ein Jahr! Und was für eine Zeit, Bierliebhaber zu sein. Aber, wenn wir die Meme-Sammler als Barometer für die Stimmung der Leute nehmen (und wer tut das nicht?), sind die Leute glücklich, dass das 2017 vorbei ist.

So grausam 2017 auch gewesen sein mag, es gab auch Gründe, glücklich zu sein. Die Craftbier-Schweiz befindet sich noch im Entstehen, viele freuten sich über das Wachstum der Brauereien, über die wachsende Anzahl Brauereien, sowie der Bars und Läden – oder wie Kouros von La Nébuleuse, einer Brauerei, die 2018 eine gewaltige Expansion vollziehen wird, schreibt: „Zu sehen, dass so viele Brauereien in der Schweiz expandieren, ist ein grossartiges Zeichen dafür, dass die Craftbier-Industrie immer noch an Schwung gewinnt!” Van von Gigantic aus Portland, wo sich die „Szene“ in einem ganz anderen Stadium befindet, relativiert dieses Wachstum jedoch: „Nachdem ich den ersten “Goldrausch” der Brauerei in den 90er Jahren erlebt habe, frage ich mich, wie lange das wohl noch so weitergehen wird?” In einem Hühner- oder Ei-Szenario zeigt das Wachstum entweder „die Normalisierung des modernen Bieres“, wie Stu von Yeastie Boys es zufrieden nennt, oder die Normalisierung führt zu Wachstum.

Auch Dosen haben Menschen glücklich gemacht, wie James vom Braukollektiv, Alex von Nine Brothers und auch unseren Wortspieler und Braumeister bei aabachbier Chris. Tom von Brew By Numbers erzählt, wie sie ihr Double Dry Hopped (DDH) Bier in 500ml-Dosen füllten und es in zwei Tagen ausverkauft war. So kommt er zum Schluss: „Ich muss mir jetzt eine Dosenabfülllinie kaufen!“

Darüber hinaus stimmt unser Panel zu, dass Good Beer Hunting eine lesenswerte Website ist, Extravaganza und Wortspiele sind coole Festivals, an denen man teilnehmen sollte. Vielleicht etwas gefärbt durch den britischen Ton unseres Panels (aber nichtsdestoweniger verdient): Burning Sky ist eine der beliebtesten Brauereien und die Schweizer sind begeistert von der Sauerbier-Brauerei À Tue-Tête.

To haze or not to haze
Es gibt kein anderes Thema, dass unser Panel so stark spaltet, wie das NEIPA. Es bekommt ebenso viel Lob wie Kritik. Diese Diskussion hat wohl jeder letztes Jahr geführt, teilweise so oft, dass Sam von Beavertown den ganzen „Haze/No Haze Blah“ als ziemlich nervig empfindet.

Darron von Siren ärgerte sich über „den plötzlichen Umschwung von nicht klar genug, zu nicht trüb genug, um gut zu schmecken“, was auch Van von Gigantic reflektiert, der die Gleichsetzung von Trübheit mit Qualität kritisiert: „Es gibt mehr als einen Weg, ein Bier köstlich zu machen.” Stuart von Magic Rock beklagt sich explizit über oftmals mit Fehlgeschmäcker versetzte NEIPAs, während Roger, der erste Schweizer Biersommelier-Meister, meint, dass der Mikkeller Beer Club den Höhepunkt an Trübheit langsam erreicht haben könnte.

Auf der anderen Seite gibt es viele, die NEIPA lieben – darunter auch Mike von Lervig (und wir selbst lieben seinen „Tasty Juice“). Er erwähnt jedoch eine Entwicklung, die den ganzen „Drink Fresh“-Hype auf die Spitze treibt, und so ärgert er sich über „Bars, die kein IPA verkaufen, wenn es 3 Wochen alt ist, und sie wissen, dass es ein frischeres gibt, und wollen das 3 Wochen alte IPA dafür zurückgeben“. Generelle Liebe für den Haze äussern Bierversuche’s eigener Jan und, wenig überraschend, auch Tobias vom Hopfenshop. Spezifische Liebe gibt es auch in Kombination mit einem Bier, wenn Chris von WhiteFrontier Monkish Foggy Window lobt, Fabio von Broken City Sixpoint Smoothie IPA erwähnt oder Andy von Partizan BBNo’s DIPA über den Klee lobt, während andere ihre Liebe für Cloudwater und Trillium zeigen.

Ausserdem: Viele der Schweizer Teilnehmer waren verstimmt über die Swiss Beer Awards. Die Schweiz musste sich zudem vom Bier-Pionier Erzbierschof verabschieden. Wir denken, dass es nicht genug geäusserten Hass für Boss-Pours gab. Bei Bierversuche lieben und hassen wir gleichzeitig Session Biere, wobei jeder saure Biere zu lieben scheint. Vielleicht ein wenig frech, erklärt Katie von WhiteFrontier Kühlschiffe zu einem lästigen Hype und sagt: “ Everyone and their dog has one „.

Es ist nur Bier
„Es ist Bier. Wir machen nicht Gold aus Blei“, sagt Van. Richtig, ausser man macht Geschäfte mit Bier? Gleichzeitig konzentriert sich das Denken bei der Arbeit in der Bierindustrie nicht nur auf das flüssige Ergebnis, sondern auch auf die komplizierten Mittel, die es braucht, um dorthin zu gelangen. In den Postings finden sich eine Menge Probleme der Brauer, sei es Papierkram (Fabio von Broken City), Hopfenverträge (James von Braukollektiv) oder wie schwer es ist, Bier in Bars und Restaurants zu platzieren (Fabricio von Totally Beer). Hinzu kommt die Angst vor der aktuellen politischen und damit wirtschaftlichen Unsicherheit des Brexits (Tom von BBNo) und Trump (Raphael von Trois Dames). Vielleicht etwas konkreter; Teile unseres Panels fürchten sich auch davor, Früchte aus Foedern zu schöpfen (Troy und Danny von Crooked Stave), sowie Sandwiches mit “Schurkengurken” (David von BFM).

Aber last uns diesen Beitrag nicht mit solch dunklen Gedanken beenden. Stattdessen, und hier spricht Raf von Bokkereyder wahrscheinlich für uns alle, wenn er die Frage, worauf er sich 2018 freut, einfach aber bestimmt beantwortet: Bier.

Links zu den Antworten:

  • Alexander Wenger, nine brothers
  • Andy, Partizan Brewing
  • Chris Boggess, 3 Floyds Brewing Co
  • Chris „CK“ Kneuss, aabachbier & wortspiele.org
  • Chris Treanor, WhiteFrontier
  • Christian, bierversuche & wortspiele.org
  • Darron Anley, Siren Craft Brew
  • David Bonjour, Hoppy People
  • David Santiago, Brasserie BFM
  • Fabio Colombo, Broken City Brewing
  • Fabricio Ataide, Totally Beer
  • Fredrik Ek, Brekeriet
  • Harley Williams, Unterbad Brewing
  • James Tutor, Braukollektiv Freiburg
  • Jan (aka: Beerlabeled), bierversuche
  • Jan de Ruijter, El Caballero Brewing & wortspiele.org
  • Jérôme Bon-Chien, Brasserie BFM
  • Julien Brändli, Brasserie Cinq 4000
  • Kägi, Craftbrew.ch
  • Karin, Barfuss Brauerei GmbH
  • Katie Pietsch, WhiteFrontier
  • Kouros Ghavami, La Nébuleuse
  • Marcel, bierversuche & wortspiele.org
  • Matthias Jäggli, Les Garçons
  • Maxime Descloux, Brasserie du Lance-Pierre
  • Mike Murphy, Lervig
  • Oliver Martini, 4655 Brewing Company
  • Olivier Vurchio, Biercafe Au Trappiste
  • Patrik Feller, Brauerei Strättligen Bier
  • Philippe Corbat, beer hunter
  • Raf, Bokkereyder
  • Raphael Mettler, Brasserie Trois Dames
  • René Bühlmann, Brauhuus 531
  • Roger Brügger, Brygger Øl, Schweizer Biersommelier (CH-Meister 2015)
  • Roland Singer, Verein Interessierter Bierbrauer
  • Sam Millard, Beavertown Brewery
  • Sepp Wejwar, wegro Institut für Bierkultur gmbh
  • Silvia Herzog, Brau & Rauch Shop
  • Stefan Hahn, Getränke Hahn AG
  • Stefi Küttel, hako
  • Stu McKinlay, Yeastie Boys
  • Stuart Ross, Magic Rock Brewing Co
  • Thomas Schneider, Beerhunter (ttt)
  • Tobias, Hopfenshop.ch
  • Tom Hutchings, Brew By Numbers
  • Tommie Sjef Koenen, Tommie Sjef Wild Ales
  • Troy Montrone & Danny Oberle, Crooked Stave Artisan Beer Project
  • Urs Flunser, UG-BRÄU
  • Van Havig, Gigantic Brewing Company

 

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