Dezember 8th, 2018,  | 0 Kommentare

 







London ist eine Weltklassebierstadt. Das war schon immer so – war doch London für die Entwicklung von Bierstilen wie Porter und IPA prägend. Was aber zeitweise fehlte, war die Möglichkeit Brauereien für ein Bier zu besuchen. Die Anzahl der Brauereien mit Taprooms ist aber in den letzten Jahren stark gestiegen, so, dass unterdessen nicht nur die legendäre Biermeile in Bermondsey einen Besuch wert ist. Wir reisten zum Beispiel noch weiter in den Süden und haben dort sechs Brauereien besucht.

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Wer einen solchen Crawl plant, muss mindestens zwei Parameter beachten:

  • Sinnvolle Route – Die Brauereien sind meistens nicht in Sichtdistanz, aber zum Glück dann doch mit gutem Schuhwerk und strategisch ausgewählten Busfahrten erlaufbar
  • Öffnungszeiten der Brauereien – Es gibt ja nichts Blöderes als zu früh oder zu spät an einem Ort zu sein. Und mit doch recht eigenwilligen Öffnungszeiten, sicherlich einen Kontrollblick wert.

Ausgerüstet mit einer Internetverbindung sind wir in die Overground gestiegen und bis nach Peckham Rye gefahren. Sozusagen unterhalb der Station war die erste Brauerei dann nicht weit weg.

Brick Brewery
Im Nachhinein war Brick Brewery einer unserer Favoriten von diesem Ausflug. Das Wetter war recht angenehm, draussen hatte es Sitzplätze und die Biere waren solide und vielzählig. Das Frühstück lag noch im Magen, weswegen wir uns nicht an den Essenstand wagten. Der Rauch der uns einnebelte hatte aber ein angenehmes Aroma und wir begaben uns mit guten Gefühlen auf den recht langen Fussmarsch.

  • Bier: Gut und stilecht, unauffällig was heutzutage ein Kompliment ist
  • Essen: Ja.
  • Atmosphäre: Schöne Aussenplätze, je nachdem wohn der Wind gerade bläst.
  • Bahnbrückenbogen: Ja.

Kommentar von Herr Schneider:

  • Tap Room mit ca. 20 Bieren, davon ca. 10 eigene und ca. 10 Gastbieren
  • gute bis sehr gute Qualität der eigenen Bier – stilecht
  • kleiner Biergarten – sehr urban

Clarkshaws
Man vermutet unterdessen unter jedem Eisenbahnbogen eine Brauerei und auch hier wurde man fündig. Clarkshaws ist wahrscheinlich die kleinste Brauerei, welche wir je in London besucht haben: Die Töpfe stehen praktisch hinter der Türe und wenn man nicht aufpasst, dann steht man dem Brauer im Weg. Und wenn die Stühle vor dem Bogen auch etwas wackelten, was der Brauerei an kommerzieller Poliertheit fehlt, macht sie mit Charme wieder wett.

  • Bier: Wenige. Gab es aus Plastikbechern
  • Essen: Nein.
  • Atmosphäre: Winzig, etwas chaotisch und kaum Platz zum Ausatmen.
  • Bahnbrückenbogen: Ja.

Kommentar von Herr Schneider:

  • Nanobrauerei – eingemietet in Bahnviadukt
  • beim Besuch 3 eigene Biere am Zapf
  • Nischenprodukte mit veganen Bieren
  • Qualität: Potenzial nach oben

Umweg: Mamma Dough – Brixton
Weil Bier (oder genauergesagt: Hopfen) hungrig macht, haben wir uns hier niedergelassen. Ein paar Türen weiter oben hätte es noch einen spannenden Koreaner gehabt, aber die Pizzeria serviert Kernel Biere und macht den Sauerteig selber. Die Pizzas waren richtig gut und wir danach wieder gekräftigt um weiterzucrawlen.

Brixton Brewery
Noch bevor sich Heineken eine Minderheitenbeteiligung an Beavertown sicherte, haben sie bereits in die Brixton Brewery investiert. Der Zufluss von Geld hat wohl den zweiten Standort erlaubt, wir besuchten allerdings den Ersten. An der Ausrüstung kann man erkennen, dass hier Geld vorhanden ist. Man sitzt gleich neben den Tanks und es ist kein eigentlicher Taproom vorhanden, sondern es stehen ein paar Festbänke und Tische neben dem Eingangstor.
Brixton fällt insbesondere durch das sehr farbige aber auch gelungene Corporate Design auf. Die Biere fanden wir auch ganz ansprechend, das schlechte Gewissen trank dann aber doch ein Bisschen mit.

  • Bier: Gut.
  • Essen: Nein.
  • Atmosphäre: Mehr Brauerei mit Bänken als Taproom. Was uns aber gefällt.
  • Bahnbrückenbogen: Ja.

Kommentar von Herr Schneider:

  • schöne, kleine Brauerei – eingemietet in Bahnviadukt
  • 6 eigene Biere am Zapf – solide Qualität

Canopy Brewery
Dunkel. Richtig dunkel. Die Bahnbrückenbogen haben es so an sich, dass sie nicht unbedingt hell sind, sie wirken aber selten wie Höhlen. Nicht Canopy. Hier war’s richtig dunkel. Nicht schmuddelig, sondern einfach dunkel.
Die Auswahl der Biere war grösser als unser Durst, das trotz der interessanten Auswahl. Draussen sassen Familien mit Kindern, was durchaus interessant ist, lungern die Hoodlums nicht weit weg ein paar Brückenbögen weiter.
Die Brauerei produziert auch Büchsen mit tollen Designs. Uns ist aber nicht aufgefallen, dass man die kaufen konnte. Obschon man die sicher kaufen konnte.
Das Potential drückt aus allen Fugen. Von Canopy wird man in Zukunft mehr hören.

  • Bier: Haben definitiv geschmeckt, gleichzeitig aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.
  • Essen: Nein
  • Atmosphäre: Schmuddelig ist etwas gemein, aber die Brauerei hatte eine Hinterhofatmosphäre mit braueigener Höhle
  • Bahnbrückenbogen: Ja.

Kommentar von Herr Schneider:

  • Microbrauerei – eingemietet in Bahnviadukt
  • ca. 10 eigene Biere am Zapf
  • klassische Bierstile – solide Qualität (mit Abstrichen)

Bullfinch Brewery
Bei Bullfinch hatte es fast so viele Hunde wie Besucher. Es wird auch der Hund des Monats zelebriert und ein anwesender Hund zelebrierte dann auf die Jacke von einem ihm nicht bekannten Tischnachbar.
Abgesehen von diesen Risiken, ist der Taproom klein, eng, aber dennoch gemütlich. Es hat zudem Aussenplätze und die Brauerei macht viel für ihre Nachbarn, es gibt einen Bücherclub und Brettspiele vor Ort. Da in der Gegen vor allem Wohnhäuser stehen, hat der Taproom den Charakter eines lokalen Treffpunktes. Wir wurden dann noch spontan zu einer Führung in der Brauerei im Bogen nebenan eingeladen. Auch dort ist’s sehr eng, aber die charmante, ehrliche Handarbeitsatmosphäre hat uns gut gefallen. Wenn man hier regelmässig trinkt, wird man wohl bald jeden persönlich kennen.

  • Bier: Solide aber braucht noch einen Tick um darüber hinaus zu wachsen
  • Essen: Nein
  • Atmosphäre: Zwar etwas eng, aber gemütlich
  • Bahnbrückenbogen: Ja.

Kommentar von Herr Schneider:

  • Microbrauerei – eingemietet in Bahnviadukt
  • die Brauerei befindet sich in einem separaten Bogen neben dem Taproom
  • gebraut wird auf einer Anlage aus dem Jahre 1972 – klassisch englisch!
  • ca. 12 eigene Biere am Zapf
  • Qualität: Potenzial nach oben – schönes Porter (Darkside of the Moon)

Gipsy Hill Brewing Company
Der Mann hinter der Gipsy Hill Bar trug eine Wollmütze und wollte wohl nicht durch überhastete Bewegungen ins Schwitzen kommen. Der Service war dann doch recht lahmarschig und es bildete sich zeitweise eine lange Schlange vor der Bar. Auch waren mehrere Biere, die wir bestellen wollten, zwar noch angeschrieben aber bereits ausgetrunken. Das gab dem Etablissement ein Bisschen einen unorganisierten Eindruck.
Aber eigentlich ist’s ein schöner Taproom. Viel Platz, gemütlich eingerichtet und dank Pilotkit und Kühlraum durchaus mit Brauereicharme. Es gibt auch reichlich Gastbiere und zum Glück sind wir hier zu letzt und müde aufgetaucht, weil sonst hätten wir hier wohl länger Zeit verbracht und uns damit den ganzen Plan zerzauselt.

  • Bier: Gut genug um sich nicht über die Bekanntheit von Gypsy Hill zu wundern
  • Essen: Ja
  • Atmosphäre: Schön eingerichtet, viel Platz, ein Bisschen der Beigeschmack von Hipster und Trendy.
  • Bahnbrückenbogen: Nein.

Kommentar von Herr Schneider:

  • die Brauerei ist getrennt vom Taproom
  • sehr grosszügiger Taproom – mit ca. 20 Bieren, davon ca. 10 eigene und ca. 10 Gastbieren
  • gute Qualität – schöne Auswahl an Gastbieren

Der Süden von London hätte noch mehr Brauereien anzubieten, aber bereits so war’s ein langer Tag. Die Brauereien sind zwar zu Fuss erreichbar, aber zwischen Brixton und Canopy haben wir den Bus bestiegen. Trotzdem waren’s gesamthaft circa 20’000 Schritte, was dann selbst diese Schweizer Wanderfreunde ermüdet hat.

Weil Bewegtbilder noch schöner sind als Fotos, hier noch das Video zum Ausflug.

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