{"id":1144,"date":"2014-11-09T09:09:38","date_gmt":"2014-11-09T08:09:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/?p=1144"},"modified":"2021-01-31T14:08:43","modified_gmt":"2021-01-31T13:08:43","slug":"portrait-interview-mit-samuel-und-tobias-aeschlimann-von-blackwell-brewery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/portrait-interview-mit-samuel-und-tobias-aeschlimann-von-blackwell-brewery\/","title":{"rendered":"Portrait: Interview mit Samuel und Tobias Aeschlimann von Blackwell Brewery"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wo dir auch gerne einmal Luftl\u00f6cher als K\u00e4se verkauft wird, wird auch gutes Bier gebraut. Die beiden Br\u00fcder Aeschlimann aus Burgdorf begeistern mit ihren Kreationen, bei denen man manchmal vor Freude nach Luft schnappen muss. Dass sie jetzt den Schritt zur kommerziell t\u00e4tigen Brauerei wagen ist ein verfr\u00fchtes Weihnachtsgeschenk. Wie genau, was genau und wo genau verraten sie nur ungern, aber das sollen sie dir doch besser selber erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer seid ihr? Wie heisst ihr? Was macht ihr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ich bin der Samuel. Ich habe Chemie und Biologie studiert und mich hat es interessiert, wie das Brauen funktioniert \u2013 aus wissenschaftlicher Perspektive, denn das sind ja alles chemische Prozesse. 2006 habe ich damit angefangen zu brauen und bereits beim zweiten Sud damit begonnen Sachen auszuprobieren.<br>2012 haben wir uns bei der Steuerbeh\u00f6rde angemeldet. 2014 haben wir die Lebensmittelkontrolle abgeschlossen. In diesem Jahr wurden wir auch Gypsy-Brauer und werden in Zukunft unter anderem bei 523 brauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Braut ihr dort selbst\u00e4ndig oder ist Andreas auch immer dabei?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Das brauen dort hat erst k\u00fcrzlich begonnen. Wir sind also noch immer in der Testphase. Bei den ersten beiden Suden war Andreas dabei, um uns die Kniffe der Anlage zu zeigen. Theoretisch k\u00f6nnte ich jetzt schon selber brauen, aber es ist immer gut zwei extra H\u00e4nde dabei zu haben. Auch um sicherzustellen, dass Lebensmittelverordnung-Vorgaben eingehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und du?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Ich bin der Tobias. Ich hab erst nach Samuel angefangen zu brauen, weiss aber nicht mehr genau wann. Ich fand es damals interessant, dass man zu Hause Bier brauen kann \u2013 und vor allem sehr viel experimentieren kann. Irgendwie entstand das Brauen aus der Not heraus, in dem wir merkten, dass es so viele gute Sachen gibt, diese aber in der Schweiz nicht erh\u00e4ltlich sind. Beruflich bin ich Maschineningenieur, das hilft ein Bisschen beim Equipment.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Irgendwann habt ihr euch dazu entschlossen kommerziell zu werden, bzw. eure Biere zu verkaufen. Was hat daf\u00fcr den Ausschlag gegeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ein Grund ist das Flaschenproblem. Es gibt nichts Schlimmeres als leere Flaschen zu Hause zu haben, denn das ist verlorenes Potential. Wir haben sehr viele Ideen. Und sobald du eine leere Flasche hast, musst du sie wieder f\u00fcllen.<br>Irgendwann mussten wir entscheiden, ob wir mehr Flaschen kaufen, wobei das Lagern von Flaschen potentiell den Hausfrieden gef\u00e4hrdet. Oder du beginnst damit die Biere zu verkaufen. Wir haben uns dann f\u00fcr Plan B entschieden, weil uns sehr viel am Hausfrieden liegt [lacht].<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"990\" height=\"658\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_003.jpg?resize=990%2C658\" alt=\"\" data-id=\"1155\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_003.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_003\/\" class=\"wp-image-1155\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_003.jpg?w=990&amp;ssl=1 990w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_003.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_003.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w\" sizes=\"(max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"658\" height=\"990\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_004.jpg?resize=658%2C990\" alt=\"\" data-id=\"1156\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_004.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_004\/\" class=\"wp-image-1156\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_004.jpg?w=658&amp;ssl=1 658w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_004.jpg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_004.jpg?resize=159%2C240&amp;ssl=1 159w\" sizes=\"(max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ziele verfolgt ihr mit diesem Schritt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ich glaube das Ziel hat sich nicht ver\u00e4ndert: Wir haben Ideen und wenn diese nicht funktionieren, dann wird das Bier weggesch\u00fcttet. Das ist auch der Grund, weswegen wir nicht dar\u00fcber sprechen, was genau wir machen. Denn wenn wir es wegsch\u00fctten, gibt\u2019s noch viel mehr E-Mails als heute schon.<br>F\u00fcr uns ist immer die Qualit\u00e4t und nie die Quantit\u00e4t entscheidend. Wenn das Bier nicht beiden passt, wird es weggesch\u00fcttet. Wenn einer das Veto einlegt, wird das Bier niemals auf den Markt kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr werdet also kein Standardsortiment haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Nein, es gibt was\u2019s gibt. Das ist wahrscheinlich das Spezielle an uns: Wir machen das, was wir f\u00fcr gut erachten. Ich w\u00fcrde nie ein Bier brauen, welches ich selber nicht gerne habe. Entsprechend sage ich heute, dass wir wohl nie ein Standardsortiment haben werden. Es gibt vielleicht gewisse Bierstile die wir kontinuierlich brauen werden. Aber es wird jedes Mal eine abge\u00e4nderte Version sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Habt ihr denn schon fixierte Absatzquellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Potentielle, ja. Zwei davon sind in der Schweiz, eine in Schweden und eine in Italien. Wir d\u00fcrfen die Biere nicht direkt verkaufen, aus rechtlichen Gr\u00fcnden, und wir wollen das auch nicht. Daf\u00fcr h\u00e4tten wir eine Lizenz l\u00f6sen m\u00fcssen, was dann wiederum n\u00e4chste Schritte verursacht h\u00e4tte. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen unsere Biere nur an Wiederverk\u00e4ufer zu geben.<br><strong>Tobias: <\/strong>Wir h\u00e4tten auch gar keine Zeit f\u00fcr den Direktverkauf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viele verschiedene Biere habt ihr schon gebraut?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Wohl \u00fcber hundert. Beziehungsweise \u00fcber 100 verschiedene Sude.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie oft braut ihr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Eher unregelm\u00e4ssig. Vielleicht zwei Mal im Monat.<br><strong>Samuel: <\/strong>Entscheidend ist immer, wie viele Flaschen wir gerade zu Hause haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn ihr \u00fcber 100 Biere gebraut habt, muss man auch \u00fcber hundert Rezepte entwickeln. Wie l\u00e4uft da die Team-Arbeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Es gibt genau zwei Sachen bei denen wir nicht zusammen arbeiten. Wir mussten feststellen, dass wir Rezepte nicht zusammen kreieren d\u00fcrfen. Wir haben das ein paar Mal versucht und das endete in einer Katastrophe. Denn jeder von uns hat seine Ideen und am Schluss gibt es einen wilden Durcheinander von Geschm\u00e4cker die nicht mehr zusammen passen. So macht heute jeder selber das Rezept, die Ideen auch, aber die Ausarbeitung wie aus einer Idee ein Rezept wird, das besprechen wir dann miteinander. Und auch die Qualit\u00e4tskontrolle machen wir wieder zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist das zweite, das ihr nicht zusammen macht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Wir brauen nur manchmal zu zweit. Jetzt wo wir auf einer gr\u00f6sseren Anlage brauen ist es praktisch wenn man vier H\u00e4nde hat, aber eigentlich brauen wir fast nie zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist der Unterschied zwischen euren Rezepten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Wahrscheinlich die Idee. Die sind oft sehr unterschiedlich. Ich mag zum Beispiel IPAs nicht so gerne und deswegen braute ich sie nicht so h\u00e4ufig und unterdessen gar keine mehr. Dann interpretieren wir gewisse Bierstile sicherlich anders. Meine Russian Imperial Stouts sind zum Beispiel sehr stark gebittert, weil ich sie mindestens ein Jahr lang auf die Seite stelle. Und ich m\u00f6chte dann noch einen gewissen IBU-Wert haben. Gleichzeitig m\u00f6chte ich auch noch eine gewisse S\u00fcsse haben. Ich mag hochprozentige, spritige Russian Imperial Stouts nicht so gerne und deswegen haben meine Biere meist noch etwas unvergorene Rests\u00fcsse. Einfach um den Alkohol etwas zu verstecken und die Drinkbarkeit zu erh\u00f6hen.<br><strong>Tobias: <\/strong>Das ist sicher etwas das uns unterscheidet: Ich mag keine s\u00fcssen Biere. Ich finde zwar belgische Biere super, braue sie aber so, dass sie nicht s\u00fcss werden.<br>Samuel: Das funktioniert aber wunderbar nebeneinander. Es macht ja keinen Sinn, wenn ich ihm sage: Dein Quadrupel ist zwar super, aber mach ihn ein Bisschen s\u00fcsser.<br>Wenn wir ein Rezept entwickeln fangen wir meist mit den Grundlagen an, einem Grundrezept das traditionell dem Bierstil entspricht oder eines Bieres das du kennst oder nicht kennst. Und darauf baust du auf. Vielleicht ist das ein wissenschaftlicher Zugang: Du versucht ein Problem in Teilprobleme aufzuteilen und diese einzeln zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das bedeutet, dass ihr mit jedem Sud etwas anderes braut?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ja. Das identische Bier haben wir vielleicht nur ganz am Anfang mehrmals gebraut. Und das haupts\u00e4chlich um das System auszuloten, zu kalibrieren, z.B. die Efficiency auszurechnen, die mir sehr wichtig ist. Also ich m\u00f6chte zum Beispiel wissen, wie viel Malz ich beigeben muss, damit ich am Schluss 20 Liter habe. Da sind wir aktuell auch bei der Anlage von Andreas dran. Auch das Raufskalieren ist nicht so einfach wie man meint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Werdet ihr auf der gr\u00f6sseren Anlage auch einfach experimentieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Wir experimentieren noch auf der kleinen Anlage. Und erst wenn wir beide das Gef\u00fchl haben, ja das ist gut, brauen wir es auf der grossen Anlage.<br><strong>Samuel: <\/strong>Ein paar Sachen k\u00f6nnen wir jetzt machen die vorher gar nicht m\u00f6glich waren. Gleichzeitig haben wir neue Sachen die wir beachten m\u00fcssen, wie Malz\u00fcbersch\u00fcsse oder ungerade Mengen. Da f\u00e4ngt man an in S\u00e4cken und nicht mehr in Kilos zu denken, weil zwei Kilo auf 200 Liter keinen grossen Unterschied machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was wird das erste Bier sein, das kommerziell erh\u00e4ltlich ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Das sagen wir nicht. Wir verfolgen die Regel, dass wir \u00fcber nichts sprechen das aktuell bei uns l\u00e4uft. Sobald wir etwas erz\u00e4hlt haben, gab das nur Probleme. Die Leute haben Erwartungen. Und dann werden wir st\u00e4ndig gefragt: Wann gibt es das Bier endlich? Es gibt gewisse Collabs die wir gemacht haben, wo st\u00e4ndig nachgefragt wird. Und oft k\u00f6nnen wir die Frage gar nicht beantworten, denn das Bier gibt es dann, wenn es fertig ist. Gerade bei sauren oder wilden Sachen ist es einfach fertig, wenn es fertig ist. Sogar wir zwei reden nicht gross \u00fcber die Projekte welche wir zusammen machen. Das gibt uns auch eine gewisse Narrenfreiheit die Sachen notfalls wegzusch\u00fctten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann frage ich wohl besser nicht, wann das Bier erh\u00e4ltlich ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Bald. Es ist schon gemacht und es handelt sich nur noch um Tage. Aber ich sage nicht was und ich sage nicht wo.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es ein Bier, wo ihr\u2019s bereut, dass ihr es nicht bereits ein zweites Mal gebraut habt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Es gibt vielmehr Sachen wo wir wissen, dass wir sie nie wieder so brauen k\u00f6nnen, weil es zu viele Unbekannte hat. Vieles in unseren Bieren hat mit Hefecharakter zu tun und vieles davon kann man nicht steuern. Zum Beispiel das Bier En Garde Brett de Garde, wenn ich das nochmals so \u00e4hnlich hinkriegen k\u00f6nnte, dann w\u00e4re ich stolz darauf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und das obwohl ihr euren Brauvorgang sehr minuti\u00f6s dokumentiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ja, ist so. Schlussendlich ist eine G\u00e4rung etwas Biologisches. Das kann man schon ein wenig steuern, aber wie genau sie abl\u00e4uft nicht. Cantillon sagt auch, dass er mehr K\u00fcnstler als Brauer sei. Er macht einfach das Beste aus dem was er bekommt.<br>Ich sehe das gleich. Die Schwierigkeit bei den Sachen die wir machen ist nicht mehr das Brauen, sondern das Schneiden. Und das ist eine komplett neue Welt.<br><strong>Tobias: <\/strong>Und das klappt auch noch nicht immer gleich gut. Wenn man mit Brett braut, dann f\u00fchrt kaum ein Weg am Schneiden vorbei. Die Geschm\u00e4cker sind so verschieden. Alle sind in eine Richtung extrem und erst wenn man sie kombiniert, wird es spannend. Wenn du eine Kombination erreichen m\u00f6chtest, dann musst du Schneiden. Denn einzelne Strains sind nicht wirklich interessant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pitched ihr mehrere Hefen oder braut ihr Single Strain Batches und schneidet diese danach?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Beides. Das h\u00e4ngt auch davon ab, wie viele leere Glasballons wir aktuell haben. Ich braue auch auf Vorrat und jedes Jahr versuchen wir etwas abzuf\u00fcllen, also Biere zu verschneiden. Wir nennen das Blendathlon. Wir treffen uns und aus jedem Glasballon wo wir denken, dass es noch spannend sein k\u00f6nnte, nehmen wir eine Probe und versuchen etwas Neues zu kreieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"658\" height=\"990\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_002.jpg?resize=658%2C990\" alt=\"\" data-id=\"1158\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_002.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_yeast_002\/\" class=\"wp-image-1158\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_002.jpg?w=658&amp;ssl=1 658w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_002.jpg?resize=199%2C300&amp;ssl=1 199w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_002.jpg?resize=159%2C240&amp;ssl=1 159w\" sizes=\"(max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"990\" height=\"658\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_001.jpg?resize=990%2C658\" alt=\"\" data-id=\"1154\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_001.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_001\/\" class=\"wp-image-1154\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_001.jpg?w=990&amp;ssl=1 990w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_001.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_001.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w\" sizes=\"(max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>&gt;&gt; <a href=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Exkurs: Hefe selber z\u00fcchten<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche anderen Projekte oder Herstellungsprozesse m\u00f6chtet ihr noch ausprobieren oder probiert ihr aktuell aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Freeze-Destillation ist ein Thema. Single Malt Scotch ist meine zweite Liebe. Ich m\u00f6chte ein Bier hinkriegen, das dem ebenb\u00fcrtig ist aber nie mit einem Scotch oder Holz in Ber\u00fchrung gekommen ist. Das ist tats\u00e4chlich m\u00f6glich und ich konnte schon ein paar solche Biere degustieren. Hier ist nat\u00fcrlich Freeze Destillation ein wichtiges Thema.<br><strong>Samuel: <\/strong>Erwartungsgem\u00e4ss etwas mit Hefen. Diesen Aspekt m\u00f6chte ich beibehalten. Gleichzeitig habe ich eine gewisse Vorliebe f\u00fcr komplett seltsame Biere, oder traditionelle Biere wie Gose. Oder auch Berliner Weisse ist etwas das ich sehr spannend finde. Ich habe auch noch ganz andere Bierstile ausgegraben wo Biere in der Pipeline sind. Dann versuche ich auch Biere ganz ohne Hopfen zu brauen. Ein Bier haben wir einmal gebraut, wo wir Tannen in den Sud geworfen haben.<br>Dann gibt es noch andere Projekte mit einem Kaffeer\u00f6ster aus Bern, Cafethek, der etwa gleich auf Kaffee abgefahren ist wie wir auf Bier. Kaffee ist ein unglaublich spannendes Medium um damit zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woher holt oder bekommt ihr eure Ideen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Die fliegen einem einfach so zu. Ich glaube das Problem ist eher, dass man schnell zu viele Ideen hat. Wichtig ist sicherlich, dass man sich nicht selber beschr\u00e4nkt. Man darf nicht fragen, ob etwas sinnvoll ist. Ich hab\u2018 schon so viele Sachen gemacht, wo die Leute zuerst gelacht haben. Zum Beispiel mein Speckbier. Es gibt zwar viele Speckbiere aber nur wenige haben auch tats\u00e4chlich Speck im Bier. Viele meinten, dass man das Fett nicht mehr rauskriegt, aber mich nahm wunder wie ein Speckbier funktioniert. Schlussendlich hat es funktioniert. Es war trinkbar aber f\u00fcr meine Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche war es zu langweilig. Doch es zeigt, dass man sich nicht selber einschr\u00e4nken, sondern alles ausprobieren sollte.<br><strong>Samuel: <\/strong>Zum Beginn haben wir viele Biere getrunken die interessant waren. Das war ein Fundament, gab uns eine Idee was es schon gibt und was man machen kann. Unterdessen braucht es viel und irgendwann immer mehr bis man ein Bier findet, dass einem einen aha-Moment gibt.<br>Mittlerweile sind wir so weit, dass wir unsere Ideen selber entwickeln. Heute sehe ich vielleicht etwas am Fernseher oder ich lese etwas \u00fcber ein Gew\u00fcrz und das bleibt im Kopf h\u00e4ngen. Oder vielleicht an einer Bar wo sie Drinks mischen, da sieht man auch spannende Kombinationen.<br><strong>Tobias: <\/strong>Das kann auch ein Fluch sein. Mir passiert das noch oft, dass ich in ein Restaurant gehe, ich esse ein gutes Menu und in meinem Kopf laufen all diese Szenarien durch: Das k\u00f6nntest du noch probieren, das k\u00f6nnte man noch machen. Und das kann man nicht ausschalten.<br>Samuel: Oder du isst etwas und denkst dir, hierzu w\u00fcrde ein solches Bier noch sehr gut passen. Und dann braust du es halt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hattet ihr einmal einen Lernmoment oder eine Erkenntnis welche ihr als zentral in eurer Entwicklung als Brauer bezeichnen w\u00fcrdet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>F\u00fcr mich war die Pitching Rate sehr entscheidend, also wie viel Hefe man aufs Bier geben muss. Das kann man z.B. bei MrMalty.com nachrechnen. Viele Brauer bestellen einfach einen Smackpack und leeren den in die W\u00fcrze, egal wie viel sie brauen. Es gibt aber eine ganz feine Linie zwischen zu viel Hefe und zu wenig Hefe. Wenn es einem gelingt die Hefe perfekt zu dosieren, dann macht das am Schluss sehr viel aus \u2013 die Pitiching Rate ist wirklich wichtig.<br><strong>Samuel: <\/strong>F\u00fcr mich ist das Wichtigste die Kontrolle der G\u00e4rung \u2013 das Hefemanagement. Wenn du Biere braust die wirklich hochprozentig sind, kann man eigentlich fast nur alles falsch machen. Und jeder Fehler wird umso schlimmer.<br>Eine andere wichtige Erkenntnis ist es, eingestehen zu k\u00f6nnen, dass ein Bier nicht gut ist und es auszusch\u00fctten. Und ich lese immer wieder, dass die Leute in einer solchen Situation einfach Brett reinwerfen und das Gef\u00fchl haben, dass es danach Einhornblut ist. Aber es gibt gewisse Sachen die nie mehr besser werden. Entsprechend ist es sehr wichtig, dass du deine Sensorik schulst, also, dass du ehrlich ein Bier analysieren kannst und auch verstehst, warum was wie rausgekommen ist. Das hilft dir dabei ein besserer Brauer zu werden, weil du den Einfluss der einzelnen Arbeitsschritte verstehst. Lernt aus Fehler, denn die helfen dabei besser zu werden. Zum Beispiel was ist Diacetyl, woher kommt es, wie zeigt es sich und wie bringe ich es weg? Solche Sachen finde ich wichtig und sie sind auch immer wieder Thema an Homebrauer-St\u00e4mmen. Wenn man das im Griff hat, kommt man als Brauer auch viel weiter und man muss sich um so Sachen nicht mehr k\u00fcmmern und kann sich auf etwas anderes konzentrieren.<br>Wenn jemand neu mit dem Brauen beginnt, dann w\u00fcrde ich ihm raten die Hefe genauer zu betrachten, bei der Hefe nicht zu sparen. Denn wie sagt man doch so sch\u00f6n: Der Brauer macht nur die W\u00fcrze, die Hefe macht das Bier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Wissen habt ihr euch aus B\u00fcchern und dem Internet geholt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Ja, ich hab\u2018 als Selbstdidakt einmal ein Buch gekauft, bzw. auf dem Internet einmal gesehen, dass man das selber machen kann. Bei meinem ersten Bier bin ich dann mit dem Buch dagestanden und hab genau das gemacht was im Buch steht. Erst als der erste Sud am G\u00e4ren war, hab ich mir \u00fcberlegt was genau beim Brauen passiert. Angesichts meiner Ausbildung verstand ich die Grundlagen dann relativ schnell.<br>Heute lese ich immer noch viele wissenschaftliche Papers, hab auch ein paar wissenschaftliche Projekte \u00fcber Brett am Laufen die vielleicht auch publiziert werden. Diese Arbeiten behandeln ganz neue Sachen und stehen sicher im Zusammenhang mit meiner wissenschaftlichen Ausbildung.<br>Schlussendlich ist aber vieles beim Brauen einfach ein Ausprobieren. Ein \u201elearning by doing\u201c. Irgendwann muss man auch die Praxis neben all der Theorie machen.<br><strong>Tobias: <\/strong>Man muss sich einfach mal dazu \u00fcberwinden anzufangen. Brauen kann man das zwar nicht nennen, aber mein erster Versuch war ein Coopers aus einer Dose. Danach war ich stolz auf mich \u2013 hurrah, ich hab\u2018 ein Bier gebraut. Bis ich es probiert habe. Und schlussendlich ist es g\u00fcnstiger das Bier zu kaufen, als das was ich hier gebraut habe. Danach habe ich damit begonnen Sachen auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"990\" height=\"658\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_000.jpg?resize=990%2C658\" alt=\"\" data-id=\"1153\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_000.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_000\/\" class=\"wp-image-1153\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_000.jpg?w=990&amp;ssl=1 990w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_000.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_000.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w\" sizes=\"(max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"990\" height=\"658\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_001.jpg?resize=990%2C658\" alt=\"\" data-id=\"1157\" data-full-url=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_001.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2014\/11\/blackwell-brewing-hefe-zuechten-exkurs\/blackwell_yeast_001\/\" class=\"wp-image-1157\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_001.jpg?w=990&amp;ssl=1 990w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_001.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bierversuche.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Blackwell_Yeast_001.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w\" sizes=\"(max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Diese Frage stellen wir allen: F\u00fcnf Biere die man probieren muss, bevor man stirbt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel: <\/strong>Das kommt immer darauf an, was man gerne hat und was nicht. Ich w\u00fcrde zum Beispiel kein IPA nennen. Ein Bier das mir letztens aufgefallen ist, war das Brew By Numbers 04|04 Lime, ein Berliner Weisse mit Limette. Das war wieder einmal so ein aha-Bier, das ich spannend fand weil ich selber noch nie an so etwas gedacht habe. Imperial Biscotti Break von Evil Twin. Das Bier war sensorisch sehr spannend, weil es etwas Neues f\u00fcr mich war. Mad Sur von Mad Beer. Dann wird es etwas schwierig, weil mir verschiedene gute Biere in den Sinn kommen. Vielleicht einfacher Brauereien zu nennen.<br>The Bruery, Jester King ist sehr spannend. Jolly Pumpkin. Somit h\u00e4tte ich f\u00fcnf Namen auf meiner Liste. Firestone Walker, 5 Quatre Mille de Zinal, Sante Adairius, 523, Wild Beer, Magic Rock, Cantillon. Ich k\u00f6nnte noch weitere auff\u00fchren. Unterdessen gehe ich aber nicht mehr gross auf Biersuche, sondern trinke was auf mich zu kommt. Fr\u00fcher noch wollte ich immer alles probieren und vor allem alles Rare und Teure. Doch irgendwann merkt man, dass man nicht alles Spannende trinken kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alles Brauereien welche ihre Biere in F\u00e4ssern ausbauen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tobias: <\/strong>Bei mir ist es tats\u00e4chlich so, dass mich eigentlich nur noch solche Biere beeindrucken k\u00f6nnen. Saure Biere mit wilder Hefen oder aus F\u00e4ssern. Oder zumindest in letzter Zeit waren es nur noch Sauer- oder wilde Biere. Biernamen kann ich wohl nicht nennen, eher Brauereien die ich bewundere und man mal probiert haben muss: Fifty Fifty Brewing. Supertolle Russian-Imperial Stouts, The Bruery ist wirklich super, Lost Abbey, Cantillon und Westbrook.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo dir auch gerne einmal Luftl\u00f6cher als K\u00e4se verkauft wird, wird auch gutes Bier gebraut. Die beiden Br\u00fcder Aeschlimann aus Burgdorf begeistern mit ihren Kreationen, bei denen man manchmal vor Freude nach Luft schnappen muss. 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