{"id":2136,"date":"2016-03-27T14:50:14","date_gmt":"2016-03-27T12:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/?p=2136"},"modified":"2021-01-31T14:54:02","modified_gmt":"2021-01-31T13:54:02","slug":"person-interview-mit-ryan-sentz-funky-buddha-brewery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2016\/03\/person-interview-mit-ryan-sentz-funky-buddha-brewery\/","title":{"rendered":"Interview mit Ryan Sentz, Funky Buddha Brewery"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wir lernten <a href=\"https:\/\/funkybuddhabrewery.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Funky Buddha<\/a> am Copenhagen Beer Celebration 2014 kennen. Und seit da liessen uns die kulinarischen und geschmacklich grossartigen Biere nicht mehr los. Leider muss man f\u00fcr diese nach Florida reisen, aber da gibt es ja auch noch Alligatoren, Raketen und Str\u00e4nde. Und eben, die Biere einer unserer Lieblingsbrauereien: Funky Buddha. Wir sprachen mit Gr\u00fcnder und Mitbesitzer Ryan Sentz, dem Mann hinter den Rezepten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches deiner Biere h\u00e4ttest du Michael Jackson, dem Beerhunter, serviert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oh, jesses. Ich glaube ich h\u00e4tte Angst ihm unser Tripel zu servieren. Das ist das Einzige belgische Bier das wir regelm\u00e4ssig servieren.<br>Wahrscheinlich unser Maple Bacon Coffee Porter, weil es das Bier ist, dass Funky Buddha mehr oder weniger bekannt gemacht hat. Einfach um seine Reaktion auf etwas so Ungewohntes zu sehen, ob dann gut oder schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist da Ahornsirup drin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und Speck?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, Speck ist nicht drin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist also vegetarisch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das ist es!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grossartig, dann kann ich es ja auch trinken. Jetzt hast du mich aber gl\u00fccklich gemacht!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst esse auch kein Schweinefleisch. Wir imitieren den Geschmack mit Rauchmalz und \u00fcber Apfelholz ger\u00e4uchertem Salz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du bist bekannt daf\u00fcr die Aromen ins Bier zu kriegen, die auch auf dem Etikett stehen. Vorher tranken wir euer Blueberry Cobbler und es hat genau danach geschmeckt. Das bringt mich zur n\u00e4chsten Frage: Wie um alles in der Welt bringst du diese Aromen ins Bier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Praxis. Und viele Fehlversuche.<br>Wir brauchen nat\u00fcrliche Zutaten, ich denke das hilft schon mal. Dann k\u00fcmmern wir uns auch nicht in erster Linie um die Kosten der Zutaten. Als wir beschlossen die Brauerei zu gr\u00fcnden, hat mein Bruder die gesch\u00e4ftliche Seite \u00fcbernommen. Damals ist er jeweils ausgetickt, wenn ich ihm die Rechnungen f\u00fcr Zutaten zum visieren vorgelegt habe: \u201eDu gibst 30 Tausend Dollar aus um Vanilleschoten zu kaufen?!\u201c \u2013 \u201eDas kommt wieder rein, das kommt wieder rein!\u201c [lacht]. Heute ist es f\u00fcr ihn in Ordnung, ich habe ihn zerm\u00fcrbt.<br>Zudem habe ich auf einem 120 Litersystem begonnen. Hattest du schon die M\u00f6glichkeit unsere Boca Raton Standort anzusehen? Dort steht ein verherrlichtes Heimbrauersystem mit einem 210 Liter Fass als Brauerei. Damit kannst du auch mal einen Fehlversuch produzieren und der dich nicht gross k\u00fcmmern muss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du machst also Testversuche?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klar, gerade heute haben wir einen gebraut. Ein Pink Grapefruit Double IPA.<br>Oft entnehmen wir auch einem Sud Bier, sagen wir zum Beispiel ein Blonde Ale, und versuchen etwas damit. Werfen Pink Grapefruits hinein, geben Hibiskus dazu. Einfach um zu sehen wie das wird. Nachtr\u00e4glich entwickle ich dann ein genaues Rezept dazu. Wenn etwas mit zus\u00e4tzlichen Zutaten funktioniert hat, optimiere ich meistens auch noch das Basisrezept.<br>Mir wird schnell langweilig daher probiere ich immer wieder Neues aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du denn ab und an Probleme mit der Hefe?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benutzt ihr spezielle Hefe?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, so w\u00fcrde ich das nicht sagen. Es gibt immer kleine Probleme und Sachen, die wir \u00fcber die Jahre gelernt haben. Als wir beispielsweise das erste Mal Fr\u00fcchte in der zweiten Verg\u00e4rung beigesetzt haben, hatten wir anschliessend noch so viel aktive Hefe beim Abf\u00fcllen, so dass wir Flaschenbomben produziert haben. Da mussten wir dazulernen. Unterdessen geben wir die Fr\u00fcchte schon bei der ersten G\u00e4rung dazu, ausserdem haben wir einen Kurzzeiterhitzer um zu pasteurisieren. Wir lernen konstant neue Techniken und Wege mit solchen Problemen umzugehen.<br>Zur\u00fcck zu deiner Frage. Ich war Heimbrauer f\u00fcr 20 Jahre. Ich habe Biere getauscht und dabei probiert so viele zu probieren, wie ich konnte. Und nichts st\u00f6rt mich mehr als ein Bier, das sich Chocolate Stout nennt und dann in keiner Weise nach Schokolade schmeckt. Darum habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass unser Bier immer nach dem schmecken soll, was wir auf das Etikett geschrieben haben. Zumindest f\u00fcr mich.<br>Ich bin auch f\u00fcr subtiles zu haben, und wir f\u00fchren definitiv auch subtile Biere. Aber wenn ein Bier Peanutbutter &amp; Jelly heisst, dann soll es auch nach Erdnussbutter und Konfit\u00fcre schmecken. Oder wir brauen kein solches Bier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kauft ihr die Zutaten lokal ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir k\u00f6nnen. Ich schaue immer zuerst in der Gegend, oder pflanze sogar meinen eigenen Rosmarin f\u00fcr ein Bier. Aber ich weiche auch vom Lokalen ab, wenn ich etwas Besseres von weiter her bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie weisst du, dass du gute Zutaten bekommst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab einmal einen Fall, wo wir ein paar hundert Kilo Kiwis gekauft haben und bei der Lieferung waren sie noch nicht reif.<br>Jetzt, wo wir gr\u00f6ssere Mengen brauen, neige ich dazu gefrorene Zutaten zu kaufen. Da hat es etwas mehr Best\u00e4ndigkeit, da alle Fr\u00fcchte am H\u00f6hepunkt der Reife gepfl\u00fcckt und dann schockgefroren werden. Da wir nat\u00fcrliche Zutaten verwenden, gibt es in unseren Bieren leichte Unterschiede. Doch wenn du in den Laden gehst du dir eine Banane kaufst, schmecken die von einem Tag auf den anderen auch unterschiedlich, selbst wenn sie von der gleichen Lieferung kommen. Manchmal bemerken die Leute: \u201eDas schmeckt aber anders!\u201c. Ja, weil wir nicht mit Extrakten arbeiten wird das Bier nicht jedes mal genau gleich schmecken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was interessiert dich mehr: \u00fcbliche oder exotische Zutaten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was mir am Reisen sehr gef\u00e4llt ist, dass man neue Geschm\u00e4cker kennen lernt. Zum Beispiel ist Peanutbutter &amp; Jelly wahrscheinlich etwas, dass ihr in der Schweiz nicht kennt und euch w\u00fcrde diese Kombination nicht in den Sinn kommen. Und dort wo du wohnst, w\u00fcrden mir Kombinationen begegnen, die mir nie einfallen w\u00fcrden. So lasse ich mich von so vielen Quellen wie m\u00f6glich inspirieren. Das kann auch ein S\u00fcsswarenladen sein. Meine Frau ist Brasilianerin, und wenn wir dort hinreisen, probiere ich verschiedene K\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deine Biere sind auf ihre Art bereits ein kulinarisches Erlebnis. Als solches, funktionieren sie besser in Kombination mit einer Speise oder separat und alleine?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sie zusammen passen, dann klar. Aber ich bin nicht wirklich gut darin Speisen mit Bier zu paaren. Vielleicht die offensichtlichen Kombinationen. Doch auf dem Niveau von \u201edieser Hopfen betont die Intensit\u00e4t dieses K\u00e4ses\u201c, das ist ein Talent das ich nicht habe.<br>Unsere richtig schweren Biere sind sehr gut mit K\u00e4se und Desserts. Aber auch ein paar der kulinarisch inspirierten Biere hatte ich mit K\u00e4se und sie haben gut funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn du nicht gut darin bist Bier mit Speisen zu kombinieren, wie gelingt es dir dann Biere zu kreieren, welche gelungenerweise wie Speisen schmecken?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, darin bin ich gut [lacht]. Das finde ich auch einfacher. Ich kann es probieren, bevor ich das Bier mache. Aber manchmal dauert es zwanzig bis dreissig Versuche, bis ich mit dem Resultat zufrieden bin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Also zwanzig bis dreissig Testsude. Serviert ihr diese?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, wir sch\u00fctten die weg oder wir verarbeiten sie weiter. Wir haben keine Angst davor Bier wegzusch\u00fctten. Das darf man auch nicht. Selbst wenn neun von zehn sagen: \u201edoch, das wird durchkommen\u201c. Wenn ich einen Off-Flavour erkenne oder jemand anderes das Gef\u00fchl hat, dass etwas nicht stimmt, dann sch\u00fctten wir das Bier weg. Viele Besucher des Taprooms, insbesondere hier in Florida, hatten noch nie zuvor ein Craft- oder ein Funky Buddha Bier. Und wenn es ihnen nicht schmeckt, dann werden sie uns nie wieder eine Chance geben.<br>Deswegen brauen wir die Biere zuerst in kleinen Mengen. Aber wir haben auch schon einmal 3\u2019500 Liter weggesch\u00fcttet, weil da etwas war, was wir nicht mochten. Vor allem bei den Sauerbieren hatten wir Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie oft stehst du noch an der Braupfanne?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht oft genug. Ich bin zwar jeden Tag in der Brauerei, \u00fcberpr\u00fcfe die Tanks, entscheide ob noch mehr Hefe hinzugef\u00fcgt werden muss, dies und das. Und ich kreiere immer noch fast alle Rezepte, auch wenn ich die anderen Brauer experimentieren lasse. 95 Prozent der Rezepte sind von mir. Aber aktiv brauen? Nie. Und ich vermisse es.<br>Hin und wieder mache ich einen Homebrew, einen 20 Liter Sud.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Willy Wonka versucht einen Kaugummi zu erfinden, der zuerst wie Fr\u00fchst\u00fcck, dann Mittagessen und zum Schluss wie ein Abendessen schmeckt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist mein absoluter Lieblingsfilm \u2013 und auch wenn ich Tim Burton und Johnny Depp mag, musst du dir das Original anschauen. Der Neue ist Schrott.<br>Das Zitat dort an der Wand stammt von Willy Wonka: \u201eWir sind die Musikanten, wir sind die Tr\u00e4umer von Tr\u00e4umen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nun, das Maple Bacon Coffee Porter ist offensichtlich das Fr\u00fchst\u00fccksbier. Was ist das Mittagsessen-Bier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Peanutbutter &amp; Jelly.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Abendessen-Bier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gute Frage. Zum Gl\u00fcck haben wir nichts, dass fleischig ist, denn das w\u00e4re gr\u00e4sslich. Keine Ahnung welches als Abendessen taugt. Wir haben aber viele Dessertbiere.<br>Jedes Jahr organisieren wir den Pi-Tag, Pi wie \u03c0, 3.14. Am 14. M\u00e4rz servieren wir alle unsere Pie [W\u00e4hen\/Kuchen \u2013 Red.] Biere. Blueberry Cobble, Apple-pie, Deutscher Schokoladen Kuchen, welches wir mit Kokusnuss und Schokolade brauen. Dann brauen wir noch ein Key Lime Berliner Weisse, das sich am Zitronen Meringue orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was machst du eigentlich am 23. April, am 500 Jahre Jubil\u00e4um des Reinheitsgebotes?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wow. Die m\u00fcssen mich aber wirklich hassen. Darum wohl mich in meinem Zimmer verstecken [lacht].<br>Wir sind wohl die anti-Reinheitsgebot Brauerei schlechthin. Vielleicht bedanke ich mich einfach daf\u00fcr, dass sie eine Art des Brauens eingef\u00fchrt haben und bitte um Vergebung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als wir letzten Freitag auch hier waren, und ich bin mir sicher, es wird heute wieder so sein, war der Taproom voll, es gab laute Musik und die unterschiedlichsten Personen belebten den Raum. Der scheint sehr beliebt zu sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, er wurde sehr beliebt. Ich glaube das Timing war f\u00fcr einige Sachen perfekt. Als wir \u00f6ffneten, gab es noch keine andere Brauerei im Broward County, eine Region mit Millionen von Einwohnern. Ausserdem sind wir in der gl\u00fccklichen Lage, dass wir mit unseren Bieren viele verschiedenen Menschen ansprechen. Selbst Leute die Bier nicht m\u00f6gen, wollen ein Bier probieren das wie ein Blueberry Cobbler schmeckt. Ausserdem m\u00f6chten wir eine bescheidene Haltung und Atmosph\u00e4re. Und wir sind stolz darauf, eine gute Kundenbetreuung zu haben und sehr gastfreundlich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus finanzieller Sicht; wie wichtig ist der Taproom?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oh Gott, riesig! Dadurch konnten wir mehr G\u00e4rtanks und die Zentrifuge kaufen. Mit einem Vertrieb gewinnst du nat\u00fcrlich an Volumen. Wenn ich vor Ort 2\u2019000 F\u00e4sser Bier verkaufe, kann im besten Fall 30 bis 50\u2019000 F\u00e4sser vertreiben. Aber f\u00fcr jedes Bier das ich hier verkaufe, muss ich ungef\u00e4hr 15 Biere versenden um den gleichen Profit zu haben.<br>Und hier haben wir auch gleich Entwicklung sowie Marktforschung: Es erlaubt uns kleinere Sude zu machen um herauszufinden, ob die Leute es m\u00f6gen oder nicht. Als unser Kellermeister Angestellter des Monats war, habe ich ein Bier brauen lassen. Ich habe es versucht und es hat mir sehr geschmeckt. Er hat sich etwas Neues ausgedacht. Doch wir sind es nicht los geworden. Ein Ausschank im Taproom ist eine tolle M\u00f6glichkeit Sachen auszuprobieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich bin nicht ganz sicher, ob ich mich recht erinnere aber ihr seid nun die gr\u00f6sste Craft-Brauerei in Florida?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, nein, in S\u00fcdflorida.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo beginnt der S\u00fcden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[Lacht] Gute Frage. Ich w\u00fcrde sagen bei Palm Beach und West Palm Beach. Von hier aus kannst du also noch ungef\u00e4hr einenhalb Stunden nordw\u00e4rts fahren und w\u00e4rst noch immer im S\u00fcden. Dann kommt Zentralflorida, Tampa z\u00e4hlt da auch noch dazu obwohl es an der Westk\u00fcste liegt. Die Ost- und die Westk\u00fcste Floridas sind sehr unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Brauerei ist denn gr\u00f6sser?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Cigar City hat das gr\u00f6ssere Volumen. Wer noch? Ich w\u00fcrde Yuengling sagen, aber die kann man wohl nicht mehr zu Craft z\u00e4hlen. Dann gibt\u2019s noch die Florida Brewing Company, die brauen viel im Auftrag. [Zum Beispiel Duff und spezielle Harry Potter Biere die im Universal Freizeitpark angeboten werden &#8211; Red.]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo erh\u00e4lt man eure Biere? Vor allem in Florida?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ausschliesslich in Florida. Mikkel schreibt mir Emails. W\u00e4hrend ich also nicht ans CBC gehe, schicke ich Biere dorthin. Ich glaube nicht, dass die am Festival ausgeschenkt werden, aber in den Bars darum herum.<br>Ich schicke also ab und an Biere an Festivals. Sonst gibt\u2019s uns zu 100% nur in Florida.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00fcrdest du das gerne \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, klar. Aber ich m\u00f6chte unsere Distribution nicht erweitern und damit die Belieferung in Florida damit zu gef\u00e4hrden. Oder in einen anderen Staat zu erweitern und dann zu merken, dass die Nachfrage viel zu gross ist und uns dann wieder zur\u00fcckziehen zu m\u00fcssen. Darum w\u00fcrde ich also lieber zuerst ein gr\u00f6sseres Sudhaus bauen und erst dann an eine Erweiterung der Distribution denken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Plant ihr denn ein gr\u00f6sseres Sudhaus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Wir sind gerade am Planen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es sieht wie ein wiederkehrendes Muster; alle Brauereien mit denen ich spreche sind gerade dabei etwas Neues anzuschaffen, und wenn das passiert ist steht schon wieder die n\u00e4chste Erweiterung bevor.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das ist schon non-stop. Macht aber ebenfalls Spass. Unser grosses Projekt war die K\u00fcche und das Bankettzimmer im Taproom zu er\u00f6ffnen. Nun da dies gemacht ist fragen wir uns schon wieder: Was kommt als n\u00e4chstes? Wir haben hier \u00fcber 5\u2019000m2 \u00fcbernommen. Vielleicht bauen wir eine Distillerie oder beginnen mit Cider. [lacht]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum gibt es so viele gute Brauereien in Florida?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gute Frage. Aber ich denke du kannst in jeden anderen Staat gehen und findest jemanden der sehr gutes Bier macht. Das finde ich grossartig. Das h\u00e4ttest du jedoch vor f\u00fcnf Jahren \u00fcber Florida noch nicht sagen k\u00f6nnen.<br>Gut es gab Cigar City, es gab auch Saint Somewhere, die haben ziemlich gute Biere gemacht. Es gab auch noch Dunedin. Aber f\u00fcr einen so grossen Staat mit so vielen Millionen Einwohner\u2026 Florida ist immer einen Schritt im Verzug. Alles Neue startet in New York und tr\u00f6pfelt dann langsam nach Florida runter, oder startet in Kalifornien und macht dann den Weg bis hierher. In Florida gibt es halt auch viele Rentner und alte Leute. Aber wir holen auf und kommen langsam auf ein gutes Niveau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat denn ge\u00e4ndert in den letzten f\u00fcnf Jahren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke viele Leute hier waren Heimbrauer und haben sich die Entwicklung im Land angeschaut und sich gewundert, was hier unten denn genau anders ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist denn die Gemeinschaft zwischen den Brauern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die ist gut. Wir k\u00e4mpfen immer noch gegen einen gr\u00f6sseren Feind, die Macro-Brauereien, zm Gl\u00fcck. Ich bin etwas beunruhigt, denn ich glaube in den n\u00e4chsten Jahren wird es Wechsel geben. Ich denke es wird der Moment kommen, wo die Craftbrauer einander die Zapfhahnen in den Bars und Restaurants streitig machen werden, denn die sind beschr\u00e4nkt. Im Moment kann man noch sagen \u201cnimm doch das Budweiser, nimm doch das Miller Lite raus\u201d. Bald wird es aber wohl heissen \u201cnimm doch das Funky Buddha, nimm doch das Cigar City raus\u201d. Nicht jeder wird ein faires Spiel spielen.<br>Funky Buddha gibt es weil es vorher andere Brauereien gab. Cigar City hat uns geholfen, wie auch Tequesta. Sie haben mir gezeigt, wie ich das erste System aufbauen soll. Als wir gebaut haben, dachten wir zuerst an ein 1800 Liter System. Joey von Cigar City hat mir gesagt \u201cwenn ihr das macht, seit ihr schon zu klein bevor ihr \u00fcberhaupt \u00f6ffnet\u201d. Er h\u00e4tte mich nicht darauf hinweisen m\u00fcssen, sondern sich sagen k\u00f6nnen \u201cmacht doch nur, und produziert weniger Bier\u201d. Diese Hilfsbereitschaft gibt es in anderen Industriezweigen nicht. Ein Teppichverk\u00e4ufer sagt einem anderen Teppichverk\u00e4ufer auch nicht \u201cHey, mach das bloss nicht, du wirst Geld verlieren\u201d. Ich hoffe das wird so bleiben, weiss es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird Cigar City an Budweiser verkauft? [Unterdessen wurde Cigar City verkauft &#8211; <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/taranurin\/2016\/03\/14\/cigar-city-brewing-sale-proves-rumors-true-sort-of\/#2250d44c5b2a\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">lies mehr hier<\/a>]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kein Kommentar! [lacht]<br>Ich weiss es nicht. W\u00fcrde es mich \u00fcberraschen? Nein. Es wird momentan mit grossen Geldb\u00fcndeln herumgewedelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ja, wie die Milliarde die f\u00fcr Ballast Point bezahlt wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn du schaust, dass Goose Island vor f\u00fcnf Jahren f\u00fcr 34 Millionen verkauft wurde. Und die haben in etwa die gleiche Gr\u00f6sse! Ich denke schon, dass solche Zahlen die Leute zum Nachdenken und zum Erw\u00e4gen bringen. Die Branche, die ganze Braulandschaft \u00e4ndert sich gerade. Budweiser kauft all die Craft-Brauereien auf. Das passiert, weil Craft langsam ihr Segment zu \u00fcbernehmen beginnt. Ein kleines Bisschen, bis jetzt. N\u00e4chstens wird also Budweiser zu einer Bar gehen k\u00f6nnen und sagen: \u201cWenn du Budweiser willst\u201d &#8211; und es will noch immer jede Bar Budweiser anbieten &#8211; \u201cwirst du auch diese sechs Craftbiere anbieten m\u00fcssen, und die geh\u00f6ren alle auch zu uns\u201d. Sie werden andere Marken auspressen k\u00f6nnen. Sie werden die M\u00f6glichkeit haben ein Sixpack IPA f\u00fcr 5.99$ anzubieten.<br>Davor f\u00fcrchten sich einige Leute und kassieren die Angebote ein. Die sagen sich \u201cich war jetzt 20 Jahre dabei, die Branche \u00e4ndert sich jetzt, ich nehme die Milliarde Dollars\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war denn der h\u00f6chste Preis der dir angeboten wurde?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist witzig: Langsam kommen die Leute zu uns. Aber da denke ich im Moment noch nicht mal dar\u00fcber nach. Ich liebe was ich mache. Ich habe das auch gestartet in der Hoffnung, dass eines meiner Kinder das Gesch\u00e4ft mal \u00fcbernehmen wird. Meine Tochter hat jedoch Null Interesse, ich setze also meine Hoffnungen in meinen zwei Jahre alten Sohn.<br>Aber es wird wohl Angebote geben, und zwar nicht weil wir Funky Buddha sind, sondern weil jede Brauerei zu einem bestimmen Angebote bekommt. Zumindest war das in den letzten Jahren so. Und dann, wer weiss schon. Es ist ein bisschen wie die Technologie-Blase vor ein paar Jahren, wo absurde Betr\u00e4ge f\u00fcr Firmen geboten wurden, die nicht wirklich diesen Wert hatten.<br>Ob das passieren wird? Ich weiss es nicht. Das m\u00fcssen gescheitere Leute, als ich es bin beantworten.<br>Wenn mir also jemand eine Milliarde anbieten w\u00fcrde, w\u00fcrde ich wohl einschlagen. Ich w\u00e4re in der Lage f\u00fcr viele Leute zu sorgen. Es w\u00e4re beleidigend ein solches Angebot auszuschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Walfisch jagt [Whales, also Wale sind Slang f\u00fcr sehr seltene und beliebte Biere &#8211; Red.]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich war auch einmal ein Walfischj\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welcher Wal w\u00fcrde dich heute noch begeistern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz ehrlich, alle Biere von denen andere begeistert sind, faszinieren mich. Ich m\u00f6chte wissen, warum all die Leute sich mit ihrem Lobgesang \u00fcberschlagen. Gl\u00fccklicherweise sind wir ein Teil der Branche, so dass wir jetzt nicht mehr anstehen m\u00fcssen.<br>Vor ein paar Jahren, da war Toppling Goliath der Hype. Ich dachte mir: \u201calle reden dar\u00fcber, lass mich mal sehen ob sich die Biere lohnen\u2026 heilige Kuh! Ja, daf\u00fcr lohnt es sich so lange anzustehen!\u201d<br>Darum nimmt mich immer wunder, wor\u00fcber die Leute gerade abhypern. Und es gibt keinen Bierstil den ich nicht mag. Nun ja, vielleicht die aggressiv essigsauren Biere. Ich liebe Cantillon, aber nach der H\u00e4lfte der Flasche greife ich nach Rennies. Aber nat\u00fcrlich h\u00f6re ich nicht mit dem Trinken auf, denn daf\u00fcr sind die Biere zu gut. [lacht]<br>Unterdessen tausche ich keine Biere mehr. Als jemand \u2018mal vorgeschlagen hat, dass ich doch meine eigenen Biere tauschen sollte, fand ich das auch eher komisch. Aber ich finde es super wenn es andere machen. Da ich selber einmal getauscht habe, finde ich es unglaublich, dass Leute mir erz\u00e4hlen: \u201cIch hab einen Dark Lord f\u00fcr ein Maple Bacon erhalten\u201d. Wow!! Das ist einfach unglaublich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ich auf dem Bildschirm sehe, limitiert ihr den Verkauf einiger Biere: Man kann nur vier Last Snow Flaschen kaufen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, wir wollen keine Hamsterk\u00e4ufe. Ich m\u00f6chte, dass Leute die ein neues Bier probieren m\u00f6chten, dieses auch bekommen k\u00f6nnen. Wenn die Biere einen Tausch zu einem ersehnten Bier erm\u00f6glichen, finde ich das super! Ich m\u00f6chte aber gleichzeitig, dass jemand der noch nie ein Maple Bacon hatte, dieses probieren kann. Also limitieren wir den Verkauf. Vorallem weil wir auch mit der Nachfrage nicht mithalten k\u00f6nnten. Gut: \u201cBraut doch einfach mehr!\u201d. Aber dann k\u00f6nnte ich ein anderes Bier nicht mehr brauen und wenn wir zu viel davon brauen, w\u00fcrde das Bier die Leute \u00fcberhaupt noch interessieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Name \u201cFunky Buddha\u201d stammt vom urspr\u00fcnglichen Lokal.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Ich kann dir da auch keine gute Story erz\u00e4hlen. Ich m\u00fcsste mir wohl mal was zusammenreimen. Als ich das Lokal in Baco Raton kaufte, war dort die \u201cR+R Tea Bar and Funky Buddha Lounge\u201d. Es war eine Wasserpfeifen und Teebar. Den \u201cR+R\u201d-Teil habe ich gestrichen, die Wasserpfeifen und den Tee habe ich behalten und sofort Craftbier ins Angebot genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Gr\u00fcnde h\u00e4ttest du heute Funky Buddha erneut als Namen zu w\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gute Frage. Ich mag die buddhistische Philosophie. Einen solchen Namen zu haben, hat mich fast schon dazu gezwungen, mehr dar\u00fcber zu lernen, weil die Leute mich definitiv danach fragen w\u00fcrden. Wir verk\u00f6rpern das jetzt teilweise, wir sind funky, ein bisschen anders, aber hoffentlich bejahend und friedlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer arbeitet hier?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Leute unterdessen. Als wir begonnen haben, hatten wir vier Angestellte in der Lounge. Nun haben wir 140. Aus der Familie sind mein Bruder und unsere beiden Frauen dabei. Wir sind wirklich ein Familienunternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Letzte Frage: Welche f\u00fcnf Biere m\u00fcsste man trinken bevor man stirbt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment bin ich bei den Berliner Weisse, das Beste das ich hatte war von New Glarus. Was mich zu Berliner Weisse gef\u00fchrt hatte war das Hottenroth von The Bruery und das Festina P\u00eache von Dogfish Head.<br>Ich werde nun aber nicht f\u00fcnf Berliner Weisse aufz\u00e4hlen, weil wenn du schon stirbst m\u00f6chtest du ja gutes Zeug trinken.<br>Als n\u00e4chstes ein Imperial Stout. Es gab eine Zeit als es f\u00fcr mich nur Imperial Stouts gab. Ich mag sie dickfl\u00fcssig, so dass du fast einen L\u00f6ffel brauchst. Die ganz Grossen, wie Dark Lord oder Black Tuesday auch das Marshal Zhukov\u2019s Imperial Stout von Cigar City ist unglaublich. Ich w\u00fcrde aber hier das Hunahpu auflisten. InBev oder nicht InBev.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das erw\u00e4hnst du doch nur, weil du nicht daf\u00fcr anstehen musst.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[lacht] Das stimmt. Aber ich musste fr\u00fcher auch anstehen, da war ich der Typ in der Schlange.<br>Dann das Sierra Nevada Pale Ale. F\u00fcr mich ist es der Inbegriff eines Pale Ale und dazu der Startpunkt f\u00fcr die IPAs.<br>Nun m\u00f6chte ich noch etwas nicht-Amerikanisches. Westvleteren XII ist zu einfach. Nat\u00fcrlich ein grossartiges Bier, aber dar\u00fcber sprechen alle schon.<br>Stille Nacht oder Rochefort 10. Ja, das ist es wohl.<br>Ich probiere nun an etwas mehr Kulinarisches zu denken, etwas ein bisschen anderes. Das letzte Bier ist \u201cMelt my Brain\u201d von Shorts Brewing. Shorts hatte grossen Einfluss auf mich und bringt alles mit was ich als Brauer erreichen wollte: \u00e4usserst kreativ und durch Kulinarik beeinflusst, ohne wirklichen Grenzen und Restriktionen.<br>Das erw\u00e4hnte Bier schmeckt genau wie Gin und Tonic. Ich weiss f\u00fcr manche ist das Blasphemie, aber f\u00fcr mich ist es genau das was mich an Bier fasziniert: eine weisse Leinwand und unendlich viel Inspiration etwas daraus zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Westcoast oder Eastcoast IPAs?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich eher Eastcoast. Ich trinke beide und es kommt auch auf die Stimmungslage an. Ich mag die Trockenheit der Westcoast IPAs, bin aber nicht immer f\u00fcr die superharzigen und, wenn mit Simcoe gehopften, katzenpissigen Biere zu haben. Da bevorzuge ich ein tropisches Mosaic IPA. Und ich liebe die Hopfen aus Neuseeland, wie Nelson Sauvin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6nnt ihr den noch einkaufen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen und wir haben. Werden aber wahrscheinlich kaum mehr vor 2021 erhalten. Es ist sehr schwierig und er ist teuer. Das ist im Moment sowieso das schwierigste in der Branche: F\u00fcr Hopfen musst du Jahre in die Zukunft planen. Letzthin kam ein Typ einer Hopfenfarm mich besuchen. Das ist momentan ein gutes Business.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Interview fand am 19. Februar 2016 im Funky Buddha Taproom in Oakland Park statt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir lernten Funky Buddha am Copenhagen Beer Celebration 2014 kennen. Und seit da liessen uns die kulinarischen und geschmacklich grossartigen Biere nicht mehr los. Leider muss man f\u00fcr diese nach Florida reisen, aber da gibt es ja auch noch Alligatoren, Raketen und Str\u00e4nde. Und eben, die Biere einer unserer Lieblingsbrauereien: Funky Buddha. 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