{"id":2430,"date":"2016-06-30T07:12:32","date_gmt":"2016-06-30T05:12:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/?p=2430"},"modified":"2021-01-31T15:01:27","modified_gmt":"2021-01-31T14:01:27","slug":"person-interview-mit-fred-karm-hoppin-frog-brewery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bierversuche.ch\/blog\/2016\/06\/person-interview-mit-fred-karm-hoppin-frog-brewery\/","title":{"rendered":"Person: Interview mit Fred Karm, Hoppin&#8216; Frog Brewery"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wer einmal von einem B.O.R.I.S. gecrushed wurde, vergisst das Bier nie mehr. \u00dcberhaupt vergisst wohl niemand mehr <a href=\"http:\/\/www.hoppinfrog.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hoppin&#8216; Frog<\/a>, war das doch eine der ersten amerikanischen Brauereien, welche wir hier kaufen konnte. Wir trafen Fred in Kopenhagen und konnten mit ihm ein ausf\u00fchrliches Interview f\u00fchren &#8211; oder ein imperialisiertes, was zu Fred passt, wie ihr hier lesen k\u00f6nnt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches deiner Biere h\u00e4ttest du dem Beerhunter Michael Jackson serviert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>B.O.R.I.S. The Crusher. B.O.R.I.S. steht f\u00fcr Bodacious Oatmeal Russian Imperial Stout. Das ist unser bekanntestes Bier. Es hat uns den Vertriebsweg nach Europa ge\u00f6ffnet und scheint international akzeptiert, wenn nicht sogar geliebt zu werden. Daher w\u00fcrde ich ihm zuerst ein Imperial Stout anbieten, auch wenn ich gerne gesehen h\u00e4tte was er zu unseren anderen Bieren meint und ein Imperial Stout ja eher das Letzte in einer Versuchsreihe ist.<br>Wie auch immer, es k\u00f6nnte sein, dass Michael auch gerne ein zweites Bier nach B.O.R.I.S. nehmen w\u00fcrde. Ich kann mich daran erinnern, wie er ans Great American Beer Festival ging, an jedem Stand ein Bier probierte. Als Michael zum Stand meines Freundes aus Akron kam, das war ungef\u00e4hr 1994 oder 1995, hat er dort ein zweites der Biere probiert. Mein Freund war total begeistert: \u201eOh mein Gott, Michael trinkt ein zweites meiner Biere!\u201c. Schlussendlich hat Michael alle vier Biere probiert und mein Freund war total neben sich. In dem Jahr hat er am GABF drei Medaillen gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du erw\u00e4hnst eine Geschichte aus dem Jahr 94 oder 95. Wann hast du mit Brauen begonnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Brauen startete ich 1996. Hoppin\u2019 Frog habe ich 2006 gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deine Biere sind nun schon seit geraumer Zeit in Europa erh\u00e4ltlich. Wie ist es dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>2006 habe ich einen Artikel im \u201eNew Brewer\u201c \u00fcber die d\u00e4nische Bierszene gelesen. Ich war sehr neugierig wie das hier so zu und her geht. Ein paar Jahre sp\u00e4ter haben wir damit begonnen Biere hierher zu verkaufen. Ich bin sehr stolz darauf seit 2008 Biere zu exportieren. Ich erz\u00e4hle allen, dass es keine andere Brauerei in Ohio gibt, die Biere ins Ausland verkauft.<br>Der Export von Bieren hat einige Herausforderungen. Deine Biere m\u00fcssen sehr stabil sein. Aber es lohnt sich sehr. Ich wollte schon immer nach \u00dcbersee reisen und meine Biere mit Leuten trinken, die sie wertsch\u00e4tzen. Und heutzutage mache ich das die ganze Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das ist also was du machst; irgendwo hinreisen und schlussendlich trinkst du deine eigenen Biere?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal [lacht]. Nat\u00fcrlich will ich auch andere Biere probieren, aber ganz ehrlich; meine zuerst damit ich sicherstellen kann, dass diese die Reise gut \u00fcberstanden haben. Es ist nicht so, dass ich jeden Monat irgendwohin reise, eher 1-2 mal pro Jahr. Wenn ich dann also unterwegs bin, m\u00f6chte ich sicher sein, dass mein Bier gut gereist ist.<br>Wir machen geschmacksstarke Biere und die meisten haben einen hohen Alkoholgehalt, was hilft, dass die Biere stabil bleiben. Wir haben aber auch gute Prozesse in der Brauerei um die Sauerstoffaufnahme zu reduzieren, auch beim Abl\u00e4utern. Wir probieren also den Kontakt mit Sauerstoff zu reduzieren oder ganz zu eliminieren, vor allem auch nach der G\u00e4rung. Das ist vor allem f\u00fcr hopfige Biere sehr wichtig, denn die Hopfenaromen sind die ersten, die durch Oxidation absorbiert werden. Wir achten da sehr darauf und sind da sehr pedantisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie verhindert ihr die ungewollte Sauerstoffaufnahme?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit allem erdenklichen und in unserer Macht stehendem. Von einer sehr starken Vakuumpumpe und einer doppelten Preevakuation [wird beim Flaschenabf\u00fcllen angewendet \u2013 red.]. Ich bin urspr\u00fcnglich Elektroingenieur, probiere also alle Prozess-Schritte zu meinem Vorteil zu gestalten. Wenn ich also doppelte Preevakuation sage, dann meine ich, dass wir immer das Maximum anstreben. Anstatt etwas CO2, brauchen wir eine Menge CO2. Statt Vakuum, produzieren wir ein H\u00f6llenvakuum. Wir streben das Maximum an, damit unsere Biere so gut wie nur m\u00f6glich herauskommen. Ich bin begeistert wie gut sie jeweils reisen und denke daher, dass wir das Beste rausholen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eines deiner Biere das uns sehr angenehm \u00fcberrascht hat war das Vanilla IPA. In Theorie t\u00f6nt das scheusslich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, als ich das erste Mal davon geh\u00f6rt habe war meine Reaktion \u201eEklig! Aber das m\u00fcssen wir probieren!\u201c. Jeden Dienstag veranstalten wir einen Anlass, den wir \u201eTower Tuesday\u201c nennen. Wir haben diese langen durchsichtigen T\u00fcrme, die wir mit frisch gezapftem Bier f\u00fcllen und dann mit unterschiedlichsten Dingen wie Kaffee, Vanilleschoten, Chilis oder sogar M\u00fcesli aufgiessen \u2013 einfach was uns gerade in den Sinn kommt. Dazu nehmen wir auch Kundenanregungen entgegen. Jemand hat dann Vanilleschoten und IPA vorgeschlagen.<br>Trotzdem, dass es schrecklich t\u00f6nt, mussten wir das ausprobieren, weil wir davon etwas lernen k\u00f6nnten. Wir haben uns mit offenen M\u00fcnder angeschaut: \u201eOh mein Gott, das schmeckt richtig gut &#8211; schmeiss mehr Vanille rein\u201c \u2013 \u201eWas passiert bei einem Double IPA?\u201c [lacht].<br>Wir haben diese Experimente bei den Tower Tuesdays w\u00e4hrend \u00fcber einem Jahr fortgesetzt, bis wir realisiert haben, dass wir das auf den Markt bringen m\u00fcssen, weil die Leute da draussen das auch probieren m\u00fcssen. Es war einfach fantastisch gut und wenn wir\u2018s nicht umsetzen wird uns jemand anderes zuvorkommen. Ich konnte mir vorstellen, dass es innert einem oder zwei Jahren ein bis zwei Dutzend Vanilla IPAs geben wird und alles basierend auf unserem Killa Vanilla.<br>Auf dieses Bier bin ich sehr stolz, auch wenn es Animosit\u00e4ten verursachen k\u00f6nnte, weil wir irgendwelche Puristen ver\u00e4rgern. Die Leute in unserem Tastingroom lieben es und k\u00f6nnen nicht genug davon kriegen. Als ich es gestern Abend bei unserem Taptakeover im Fermentoren dabei hatte war es als erstes ausverkauft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fchrt ihr es nun in eurem Standardsortiment?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben vorerst einmal entschieden es auf den Markt zu bringen, weil ich der erste sein wollte. Wir haben aber nicht geplant es regelm\u00e4ssig zu brauen, aber so oft wir k\u00f6nnen. Ich haben meinen Brauer gesagt, dass wir es ungef\u00e4hr alle sechs bis acht Wochen brauen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versucht ihr ein bestimmtes Verh\u00e4ltnis zwischen Standard- und Spezialbieren zu erreichen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wussten, dass wir eine Liste von Bieren brauchen die wir immer anbieten k\u00f6nnen und hatten in der Vergangenheit immer etwas zwischen sechs und neun Bieren auf dieser Liste. Dieses Jahr sind es neun, und das ist das Maximum was wir stemmen k\u00f6nnen. Letztes Jahr kauften wir zus\u00e4tzliche Lagertanks, was uns den Raum schafft f\u00fcr kreative Biere und Collaborations. Darunter sind nun Biere wie Killa Vanilla oder Infusion A \u2013 ein Peanut Chocolate Coffee Porter. Dieses ist ebenfalls bahnbrechend und es braucht Eier um es auf den Markt zu bringen, weil die Puristen wieder b\u00f6se werden k\u00f6nnten. Wir brauen aber nicht nur f\u00fcr Puristen, sondern f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast nun die Puristen ein zweites Mal erw\u00e4hnt. Kannst du das etwas ausf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke es gibt eine Menge Bierpuristen in den USA, aber nicht nur dort. Die denken beispielsweise, dass Fr\u00fcchte nicht ins Bier geh\u00f6ren.<br>Als ich 1994 mit Brauen begann, z\u00e4hlte ich mich auch zu den Puristen. Zu der Zeit als ich ins Profi Lager wechselte habe ich das aber irgendwie abgestreift. Ich merkte, dass ich Fruchtbier sch\u00e4tzen lernte, als ich sie selber braute. Ein Glas, dann gehe ich aber weiter zum n\u00e4chsten Bier. Dessen ungeachtet, ich finde man sollte es wertsch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Zuge des angeblichen 500 Jahre Jubil\u00e4ums des Reinheitsgebotes gab es viele Diskussionen mit Leuten die finden, dass Bier mit Fr\u00fcchten kein Bier sei.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oh, das ist definitiv Bier. Bier kann grossartig sein. Und manchmal kann es auch besser als Bier sein. Einer meiner Kumpels sagt immer \u201edas ist besser als Bier!\u201c und meint damit, dass etwas besser als normal ist. Wie das Killa Vanilla, welches uns immer wieder weg getrunken wird. Das ist auch besser als Bier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast 1996 mit professionellem Brauen begonnen und 2006 Hoppin\u2018 Frog gegr\u00fcndet. Was ist dazwischen passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe f\u00fcr eine lokale Brauerei in Ohio gearbeitet. Wir kamen zu einem Punkt, wo wir drei Restaurants belieferten und 2003 auch auf den Markt gingen und dann unser Bier auch unter Vertrag brauen liessen. Das war sehr schwierig. Ich musste einige Eingest\u00e4ndnisse machen und mochte das gar nicht. Wir mussten dann zu anderen Hefen und anderen Malze wechseln. Die bevorzugten einen Sack Caramel 80, statt wie vorher im Rezept vorgesehen vier S\u00e4cke Caramel 20. Die Begr\u00fcndung war: \u201eman erzielt ja genau dieselbe Farbe\u201c. Klar, aber der Geschmack ist ein komplett anderer. Der Typ, dem die Brauerei geh\u00f6rte meinte \u201eLass es uns doch einfach versuchen\u201c. Das haben wir gemacht und dann das Bier auch auf den Markt gebracht, aber das war \u00fcberhaupt nicht nach meinem Sinn. Das ganze ging dann auch bald den Bach runter.<br>Im M\u00e4rz 2003 hat mir ein Freund einen Internet-Artikel gesendet in dem das ganze Brausystem zum Verkauf ausgeschrieben war. Ich sprach mit meinem Boss und hab ihm gesagt er solle es doch an mich verkaufen. Er meinte: \u201eIch gebe es dir, wenn du mich zu einem 50%-Partner machst.\u201c Ich hatte kein Geld, aber nach ungef\u00e4hr sieben Tagen Gewissenspr\u00fcfung war meine Antwort: \u201eNein.\u201c Ich wollte keine Partnerschaft mit jemandem, der mir vorschreiben w\u00fcrde welche Biere ich zu brauen habe oder dass diese billiger hergestellt werden m\u00fcssen. Ich wollte Bier machen, das meine Freunde lieben. Biere die sie \u00fcber Jahre lagern und zu ganz speziellen Anl\u00e4ssen \u00f6ffnen. Ich wollte nicht Ruhm und Ehre, aber Biere herstellen auf die ich stolz bin. Wie sich nun herausstellte, haben wir auch etwas Ruhm und Ehre abgekriegt, was ziemlich cool ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum \u201eHoppin\u2018 Frog\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, ich bin Fred der Frosch. Das war schon immer mein Spitzname. Und \u00fcber die Jahre habe ich gelernt ziemlich gut mit Hopfen [Hop \u2013 red.] umzugehen. Wir haben mit meiner fr\u00fcheren Brauerei mit ziemlich intensiv gehopften Bieren drei Medaillen am Great American Beer Festival gewonnen. Dadurch wurde ich zum Hopfenexperten bei mir in der Region. Womit der Name Hoppin\u2018 Frog perfekt passte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Reichst du noch immer Bier an Wettbewerben ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil man nicht gewinnen kann, wenn man nicht mitmacht. Ich liebe es zu gewinnen! Aber mache es auch um frisch und relevant zu bleiben und auch um meine Brauer zu begeistern. Die werden jeweils ganz aufgedreht. Es hilft uns aber auch fokussiert zu bleiben. Wenn wir wissen, dass wir ein paar Biere an einem Wettbewerb einreichen werden, arbeiten alle wirklich hart, weil es einen grossen Stolz freisetzt. Auch wenn wir nicht gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kriegen die teilnehmenden Brauereien R\u00fcckmeldungen zu den eingesandten Bieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Wettbewerben wie dem GABF f\u00fcllen die Richter in der ersten Runde kleine Zettel aus, welche du nach dem Wettbewerb erh\u00e4ltst. Manchmal ist das Feedback konsistent, manchmal aber total inkonsistent. Ich hatte zum Beispiel \u201ezu dunkel\u201c und \u201ezu hell\u201c f\u00fcr das genau gleiche Bier. Oder auch \u201ezu bitter\u201c und \u201enicht bitter genug\u201c. So sind die Wettbewerbe halt.<br>Die wirkliche Herausforderung f\u00fcr mich sind die Ratingseiten. Ratebeer ist da f\u00fcr mich eine der Wichtigsten. Die Sites scheinen die Fairsten und diejenigen mit den meisten Bewertungen zu sein. Es ist mehr als nur die Rangierung, da zehntausende \u2013 oder heutzutage wohl eher Millionen \u2013 Bewertungen zu unseren Bieren zusammen kommen.<br>Ratebeer sagt auch, dass wir seit der Er\u00f6ffnung zu den Top 100 Brauereien geh\u00f6ren \u2013 also nun schon f\u00fcr neun Jahre. Das heisst wir geh\u00f6ren zu den Top 0.5% der Welt. Ich k\u00f6nnte nicht stolzer sein. Ich h\u00e4tte mir in einer Million Jahre nicht ertr\u00e4umt jemals an dieser Stelle zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du jemals ein Feedback gekriegt oder gelesen, das dir geblieben ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Was mir aber geblieben ist, dass das Feedback sehr inkonsistent sein kann. Wettbewerbe k\u00f6nnen wie ein W\u00fcrfelspiel sein. Du w\u00fcrfelst und kriegst mit Gl\u00fcck drei Juroren, die dein Bier m\u00f6gen und schon k\u00f6nntest du gewinnen. Wenn du gewinnst kannst du dich wie verr\u00fcckt dar\u00fcber freuen, aber wenn du verlierst f\u00fchlst du dich nicht schlecht weil du weisst, dass es eben nur Pech im Spiel war.<br>Wenn du nat\u00fcrlich ein Bier hast, dass nicht mithalten kann, gibt es keinen Weg zu gewinnen. Aber gleichzeitig gibt es auch viele sehr tolle Biere, die nie irgendwas gewonnen haben. Wir waren in der gl\u00fccklichen Lage, ein paar Mal abger\u00e4umt zu haben.<br>Da heutzutage so viele Brauereien so viele Biere an Wettbewerbe einreichen, sind die Chancen zu gewinnen relativ klein. Ich sage meinen Brauern immer: Erwartet nicht zu gewinnen, aber erwartet, dass wir immer wieder Biere einreichen werden. Wir schicken immer Biere an GABF und den World Beer Cup, und schauen uns auch immer Ratebeer-Bewertungen an.<br>Ich schaue mir speziell die schlechten Reviews an. Meistens wurde das Bier nicht korrekt gelagert. Das ist dann auch mein h\u00e4ufigster R\u00fcckschluss: Viele Shops lagern das Bier nicht angemessen und als Konsequenz schmeckt dieses dann nicht mehr wie gewollt. Das sieht man an den Kommentaren wie: oxidiert, abgelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich hatte mal ein Hoppin\u2018 Frog mit dickem Hefesatz am Boden. Wenn ich dar\u00fcber getweeted h\u00e4tte, wer h\u00e4tte darauf geantwortet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Direktor Zachary, und er h\u00e4tte es mir weitergeleitet, weil ich alle Reklamationen sehen m\u00f6chte. Vielleicht damals noch nicht, aber heute wissen wir mit Reklamationen umzugehen. Ich sch\u00e4tze es wenn uns jemand sagt, dass etwas schlecht war mit unserem Bier. F\u00fcr uns ist es hilfreich und zeigt auch, dass die Leute passioniert sind und uns solche Sachen mitteilen m\u00f6chten. Diese Leute sind sehr wertvoll, unbezahlbar. Wir h\u00f6ren selten, dass etwas wirklich falsch war, aber wenn, dann sprechen wir mit den Brauern dar\u00fcber, auch \u00fcber neue Methoden um Probleme zu vermeiden.<br>Zu viel Hefe in einer Flasche ist ein Problem das bei Brauereien unserer Gr\u00f6sse auftritt. Wir k\u00f6nnen uns, nicht wie die Cigar Citys der Welt, welche grossartiges Bier ohne Sediment produzieren k\u00f6nnen, keine Zentrifuge leisten. Es gibt aber Alternativen; wir arbeiten mit Fischblase und anderen Kl\u00e4rmittel. Diese sorgen daf\u00fcr, dass sich die Hefe am Boden absetzt bevor es in Flaschen gef\u00fcllt wird. Wir haben auch gerade neue G\u00e4rtanks installiert, welche speziell f\u00fcr IPAs designed sind und Sediment verhindern sollen. Der gleiche Hersteller hat uns eine \u201eHopfenr\u00fchrmaschine\u201c gebaut. Das ist ein grosser Kessel mit einer steuerbaren Pumpe, so dass der Fluss wirklich langsam eingestellt werden kann. Wir brauchen das Ger\u00e4t um unsere Hopfen w\u00e4hrend dem Hopfenstopfen unterzur\u00fchren. Der Nebeneffekt dieses Vorgangs ist ebenfalls weniger Sediment. Mit all diesen Methoden haben wir die Sache ziemlich im Griff, auf jeden Fall einiges besser als fr\u00fcher. Wir halten beim Abf\u00fcllen auch immer die letzten paar Flaschen zur\u00fcck und beurteilen diese nach ein paar Wochen. Wenn zu viel Sediment vorhanden ist, behalten wir diese zur\u00fcck.<br>Und dass wir unser Bier nicht filtern m\u00f6chten ist klar, denn bei einem ungefilterten Bier ist der Geschmack einfach viel intensiver.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du sprichst von neuem Equipment. Ersetzt ihr Altes oder expandiert ihr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wachsen. Aber nicht wie einige unserer Br\u00fcder die gerade Millionen von Dollar in neue Systeme investieren. Wir wachsen eher organisch und das Geld das wir verdienen investieren wir, wenn es passt, wieder ins Gesch\u00e4ft. Ich m\u00f6chte keinen weiteren Bankkredit aufnehmen, niemand will das. Und ich merke auch, dass die Banken zur\u00fcckhaltender geworden sind, verglichen mit der Zeit als ich angefangen habe.<br>Aber dessen ungeachtet, m\u00f6chte ich nicht sprunghaft gr\u00f6sser werden um dann in die gleichen Probleme zu rennen wie ich sie jetzt bei anderen sehe. Wir brauen immer noch eine relativ kleine Menge und ich bin sehr zufrieden damit wie es ist. Ich habe auch nicht zum Ziel Million\u00e4r zu werden oder die Brauerei irgendwann meinen Kindern zu \u00fcbergeben, da ich keine habe. Darum m\u00f6chte ich einfach m\u00f6glichst viel Spass haben, statt meine Brauerei zu einem gigantischen, gesch\u00e4ftigen Monster aufzublasen. Ich m\u00f6chte auch Zeit haben um Dinge zu tun wie ans CBC zu kommen. Das w\u00e4re mit einer Grossbrauerei nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird es ein Fest zum zehnj\u00e4hrigen Bestehen der Brauerei geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja! Wir werden einen Barleywine herausgeben, welcher nach einem IPA-Muster gemacht wurde. Nach dem Lagern in Bourbonf\u00e4ssern f\u00fcr ein halbes Jahr werden wir ihn nun wie ein IPA hopfenstopfen. Das sollte ein m\u00e4chtig intensiver Barleywine werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In zehn Jahren wirst du auf zwanzig Jahre zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen. Was hoffst du zu sehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wissend um unser diesj\u00e4hriges Jubil\u00e4um und auch weil ich vor zwanzig Jahren mit Brauen begonnen habe, habe ich schon das ganze Jahr etwas zur\u00fcckgeschaut. Es ist schon toll zu sehen wo wir hingekommen sind. Und ich habe keine grossen Aspirationen ausser das weiterhin zu tun was wir jetzt machen, einfach besser! Dazu m\u00f6chte ich einige neue und coole Biere machen, wie das Infusion A oder das Killa Vanilla. Also nicht mehr Bier, aber besseres Bier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann hast du zum letzten Mal einen Malzsack ge\u00f6ffnet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das war vor zwei Monaten, als wir mit Pete von Pete\u2019s Wicked Ale ein Bier, das wir Re-Pete XX nennen, gebraut haben. Wir haben einfach das Grundrezept verdoppelt. Es hatte die gleiche Farbe und das gleiche Geschmacksprofil, ich wollte es aber mit der dreifachen Menge Hopfen stopfen. Ich wollte, dass es die doppelte Anzahl Volumenprozent Alkohol hat, aber nur 50% mehr Bittere. Es ist ein India Brown Ale und eine XX Version, also mit 10,5% Alkohol. Vor drei Wochen war auch noch Wayne von Cigar City bei uns und auch da habe ich Malzs\u00e4cke ge\u00f6ffnet. Normalerweise machen das aber meine Brauer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du erw\u00e4hnst zwei Collabos. Eine weitere an die ich mich gut erinnere war mit Fan\u00f8 und es war ein Roggenstout.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Ich habe das \u201eNatasha R\u00f8cks America\u201d mit Ryan, der nun bei Hill Farmstead arbeitet, gemacht. Das war auf der Fan\u00f8insel in ihrer Brauerei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mir schmeckte das Bier sehr und es hat mich gewundert warum nicht mehr Leute Roggen ins Stout tun. Ich war erstaunt wie angenehm das Bier nach Brotkruste und dunklen Biskuits gerochen hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten Roggen-Choco-Malz verwendet.<br>Wenn ich irgendwo brauen gehe, wollen die Leute immer dunkle Biere mit mir machen, gew\u00f6hnlich ein Imperial Stout. Ich wollte aber etwas Typisches f\u00fcr die Gegend machen. Ryan hat dann einige Fr\u00fcchte und dann eben einen Typen erw\u00e4hnt, der Roggen-Choco-Malz anbietet: Boom! Im selben Jahr habe ich auch mit Amager gebraut. Ein Schokolade-Weizen Imperial Stout. Wir hatten also f\u00fcr \u201eFrog Hops To Amager\u201c denselben Ansatz verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist manchmal schade, dass Collabos nur einmal gebraut werden. Gibt es ein solches Bier, das du nochmals brauen willst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Und sehr oft, wenn ich eine Collabo mache kann ich das fertige Bier dann in meinem Staat gar nicht kriegen. Seit \u00fcber einem Jahr braue ich also jeweils dasselbe Rezept bei mir in der Brauerei nach. So k\u00f6nnen wir die Biere dann austauschen und vor allem kommen meine Kunden auch in den Genuss dieser Biere.<br>Wir haben gerade gestern ein Bier mit Fermentoren gebraut, die haben jetzt auch eine Brauerei gestartet; Dry &amp; Bitter. Wir haben ein Old School Baltic Porter gemacht. Dazu haben wir alte Rezepte und Ideen ausgegraben. Dasselbe Bier werde ich zuhause nachbrauen. Ich bin gespannt auf den Vergleich der beiden Biere und wie nahe sie beieinander sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit Lagerhefe?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Das ist eines der Old School Dinge. Als die ersten Baltic Porter gebraut wurden, wurden diese mit Alehefe gebraut und waren viel rustikaler. Soren von Dry &amp; Bitter hat Malz von Fawcett &amp; Sons ausgew\u00e4hlt, welches diesen rustikalen R\u00f6st- und Lakritzecharakter hat. Wir haben auch alte Rezepte gefunden, welche tats\u00e4chlich Lakritze verwendet haben. Da die D\u00e4nen ja Lakritze lieben, h\u00e4tte das nicht besser passen k\u00f6nnen. Es wird Imperial, also \u00fcber 10%.<br>Meine erste d\u00e4nische Lakritze probierte ich vor etwa einem Monat, als mir mein Vertreiber solche mitgebracht hat, weil er wusste dass wir das in diesem Bier verwenden wollen. Er hat mir also diese schwarze und extrem salzige Lakritze gebracht. Ich habe das Pack auf der Ablage liegen lassen und meine Frau hat eines davon probiert. Der Horror stand ihr ins Gesicht geschrieben [lacht]. Aber kurz nachdem sie das Erste gegessen hatte, wollte sie ein Zweites.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches der Collabobiere w\u00fcrdest du als erstes erneut brauen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde gerne das De Molen nochmals brauen, weil das weder bei ihm noch bei uns wirklich gut rausgekommen ist. Die Idee war aber wirklich cool; ein Tripel IPA mit einer belgischen Saisonhefe. Ungl\u00fccklicherweise ist es ziemlich schwierig mit dieser Hefe zu arbeiten. Nach der H\u00e4lfte der G\u00e4rung bleibt sie oft stecken oder stirbt sogar komplett.<br>Wir haben probiert was wir konnten um sie wieder zu aktivieren. Ich wollte keinen Sauerstoff beigeben, obwohl es vielleicht geholfen h\u00e4tte. Stattdessen haben wir voroxidierte Hefe beigegeben und es ging nochmals gut los. Aber es war nicht exakt was wir uns vorgestellt hatten. Das n\u00e4chste Mal w\u00fcrde ich einen massiven Starter machen und dann nach einem Drittel der G\u00e4rung doch nochmals Sauerstoff beigeben. Wir hatten ein 11% Bier angestrebt. Menno hoffte sogar auf 14%.<br>So wie ich es verstanden habe hat Ohio gestern endlich die Beschr\u00e4nkung fallen gelassen, die uns verboten hat Biere \u00fcber 12% zu brauen. Daher w\u00fcrde ich jetzt auch probieren diese 14% zu erreichen. Da nun das Gesetz ge\u00e4ndert hat, erwarten die Leute wohl, dass wir st\u00e4rkere Biere machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ohio. Ich weiss nicht viel \u00fcber Ohio. Was passiert in deinem Staat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich vor 10 Jahren begonnen hatte, gab es 39 Brauereien. Heute gibt es 140. Das reflektiert ungef\u00e4hr was in den ganzen USA passiert. Was geht also in Ohio? Viele kleine Brauereien. Meistens keine grossen Produktionen, sondern kleine Eckbrauereien mit einer Bar, die das meiste vor Ort verkaufen.<br>Ich denke sowieso, dass das die Zukunft der Industrie sein wird. Eine Konsolidierung auf der grossen Produktionsseite, w\u00e4hrend es vermehrt ganz kleine Nachbarschaftsbrauereien geben wird. Die Produktionsbrauereien werden von den ganz Grossen aufgekauft. Nicht unbedingt nur AB Inbev, aber auch durch solche wie Duvel Moortgat, die jetzt auch schon einige K\u00e4ufe get\u00e4tigt haben.<br>F\u00fcr neue Brauereien wird es darum gehen sich lokal einen Namen zu machen und die Biere auch lokal zu verkaufen. Vertriebsorganisationen werden heute schon die T\u00fcren eingerannt. Als neue Brauerei in die Verkaufskan\u00e4le zu kommen ist h\u00f6llisch schwierig. Aber wenn es dann mehr Industriebier geben wird, wird gleichzeitig auch das Interesse am lokalen Braupub steigen. Du wirst in die lokale Brauerei gehen und mit deinen Freunden zusammensitzen.<br>Auch darum lege ich einen Fokus auf unseren Tastingroom. Thrillist hat gesagt, dass wir bezogen aufs Essen einen der 15 besten Tastingrooms in ganz Amerika haben. Ich wusste immer, dass wir das Bier im Griff haben, doch sie sprechen nur vom Essen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich denke, dass viele europ\u00e4ische Brauereien erst noch lernen m\u00fcssen, dass mit Taprooms gutes Geld verdient werden kann. Wir waren beispielsweise gerade in Belgien und es gibt ganz wenige Brauereien mit eigenem Taproom \u2013 Cantillon ist da eine angenehme Ausnahme. In Amerika haben die Brauereien erkannt, dass ein Taproom das Gesch\u00e4ft finanzieren kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, man verdient viel mehr an einem Bier das man direkt an der eigenen Bar verkaufen kann. Das kann durchaus einen grossen Unterschied ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Letzte Frage: Deine Empfehlung f\u00fcr f\u00fcnf die Biere, die man trinken sollte bevor man stirbt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>De Molen Hel &amp; Verdoemnis ist einer meiner Favoriten.<br>Black Albert von De Struise. Mein Gott, dieses Bier liebe ich! Ist aber schwierig zu bekommen. Es ist ein bisschen h\u00f6her im Alkohol als was bei uns im Staat erlaubt ist. Bis gestern! Vielleicht kann ich nun endlich mehr Black Albert kriegen! Ich m\u00f6chte, dass meine Kunden dieses Bier probieren k\u00f6nnen, weil es einfach verdammt ph\u00e4nomenal ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr habt Gastbiere im Taproom?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, weil es eine grossartige M\u00f6glichkeit ist unser eigenes Bier zu pr\u00e4sentieren. Ich kaufe die besten Biere, die ich kriegen kann. Ohne Kompromiss, egal was die kosten. Dann verkaufe ich diese neben den eigenen, damit die Kunden diese auch einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Und nat\u00fcrlich auch, damit diese etwas anderes probieren k\u00f6nnen. Dadurch kommen unsere Stammg\u00e4ste immer wieder vorbei.<br>Viele denken es sei unangebracht f\u00fcr eine Brauerei fremde Biere zu verkaufen. Ich bringe aber nur die besten. Kein Budweiser.<br>Zur\u00fcck zur Frage: Thomas Hardys Ale. Das ist eines der wesentlichen English Barleywines. \u00dcber vier Jahre bei Kellertemperatur gelagert wird es sehr angenehm mit einer wundersch\u00f6nen Balance zwischen S\u00fcss und Bitter. Wenn es \u00fcber acht Jahre gelagert wurde ist es einfach nur wundersch\u00f6n.<br>Spaten Optimator Doppelbock. Mit einer komplexen Balance von Karamell und ger\u00f6stetem Malz. \u00dcberzeugend und einfach perfekt. Wenn Lagerhefe an die Grenze getrieben wird wie hier, dann produziert sie fruchtige Ester und f\u00fcgt diesem malzigen Bier eine willkommene Extravaganz zu.<br>Und das letzte Bier in meiner Top 5 m\u00fcsste das n\u00e4chste lokale Kickass-Bier sein das ich kriege. Wo auch immer ich gerade bin, ich liebe es lokale Biere zu trinken.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Interview fand am 12. Mai 2016 auf dem Parkplatz von Warpigs in Kopenhagen statt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer einmal von einem B.O.R.I.S. gecrushed wurde, vergisst das Bier nie mehr. \u00dcberhaupt vergisst wohl niemand mehr Hoppin&#8216; Frog, war das doch eine der ersten amerikanischen Brauereien, welche wir hier kaufen konnte. 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