Januar 11th, 2016,  | 8 Kommentare
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Wenn ein Schweizer in die Gegend fliegt, dann landet er wohl eher in Köln für Karneval oder in Dortmund für Fussball. Grobgeographisch dazwischen liegt Düsseldorf. Hier steht die „längste Theke“ der Welt verteilt auf unendlich viele Bars und Restaurants innerhalb eines Quadratkilometers. An dieser Theke wird mitunter oder vor allem Altbier getrunken.

Die ganze Bildergalerie findet ihr hier.

Eine Reise nach Düsseldorf ist damit auch eine Reise in die Biergeschichte: Früher waren die alten Biere eher wie Altbiere als wie die neuen Pilsner. Was gleichzeitig erklärt wie der Name entstanden ist und seit wann es diesen Namen gibt. Anders als Lagerbiere wird es mit obergäriger Hefe vergoren und, ebenso traditionell, mit einem Teil Röstmalz gebraut. Das Bier hat entsprechend eine Farbe irgendwo zwischen Amber und Kupfer und eine angenehme Malzigkeit.

Das macht Altbier zu einem eleganten Getränk: Es verbindet den Charakter von einem hemdsärmeligen Ale mit der Süffigkeit eines Lagerbieres. Die Biere werden in Fässern ausgebaut und auch aus Fässern per Schwerkraft ausgeschenkt. Im Schlüssel waren die Fässer aus Holz, im Uerige schienen sie aus Kunststoff zu sein. Für vertiefte Informationen zum Brauprozess, kuckt ihr hier.

In der Altstadt gibt es vier Hausbrauereien und eine Dependence. Eine Tour ist damit zu Fuss möglich, und wer zu schüchtern ist sich Biere selber zu bestellen, kann die Altbier Safari buchen. Neben Informationen zum Altbier hört man auch etwas zur Geschichte von Düsseldorf und allerlei Seitenhiebe gegen Köln – und deren ebenfalls obergärig gebrautes, einheimisches Kölsch.

Ähnlich aber völlig anders
Auf der Safari trinkt man fünf Altbiere. Wie für Biere eines Bierstils zu erwarten, sind sie sich ähnlich. Serviert werden sie eiskalt, überschäumend und in circa 2 Deziliter-Portionen. Die Version beim Kürzer hatte am wenigsten Finesse, vielleicht weil die Brauerei erst 2010 gegründet und somit das Rezept noch nicht über Jahrzehnte verfeinert wurde. Die Version im Schlüssel war sehr süffig und mit cremigem Schaum; der brotige Nachgeschmack blieb dann aber doch etwas lange hängen. Im Füchschen verkehren gemäss Guide die meisten Einheimischen und trinken dort ein würziges Bier mit Ansätzen von weissem Pfeffer, das Erinnerungen an ein Red Ale weckt. Das hopfigste Bier gibt’s beim Uerige und das wohl komplexeste Bier wird vom Schumacher gebraut. Wir haben es in der Dependence Zum St. Sebastian getrunken.
Es gibt noch mehr Altbiere als diese fünf, so zum Beispiel das Frankenheim (gehört zu Warsteiner), dessen Namen man überall in der Altstadt sieht, oder auch Gatz (Carlsberg), Schlösser (Radeberger) und natürlich Diebels (AB InBev).

Unendliches Glas
In diesen Kneipen geht man nicht an die Theke und bestellt sich Bier: Der Kellner (genannt Köbes) bringt die Gläser an den Tisch und macht einen Strich auf den Bierdeckel. Sobald das Glas leer ist, gibt es ein Volles und einen neuen Strich.
Traditionell kaufte der Zappes (Zapfer) dem Brauereibesitzer (traditionell gleichzeitig der Wirt) das Fass ab. Der Köbes wiederum kaufte das Bier per Glas dem Zappes ab. Er hatte entsprechend ein Interesse daran, möglichst viele Gläser loszukriegen und stellt deswegen unaufgefordert ein volles Glas neben ein fast leeres Glas. Weil aber nicht alle Touristen das System kennen, läuft es manchmal auch anders.

Ruppiger Umgangston
Der Gast ist „nur“ Gast und Mittel zum Zweck um Geld zu verdienen. So haben die Köbes den Ruf notorisch ruppig zu sein – was der Autor bestätigen kann, sowohl für den Köbes wie auch den Tourguide. Ebenso ruppig wird mit dem Bier umgegangen, das eher energisch als liebevoll ins Glas gestürzt wird.

Geheimnisvolle andere Biere
Die Vorrecherche hat ergeben, dass die Altstadt-Brauereien neben dem „normalen“ Alt auch noch andere Biere brauen: Andere Versionen des Altbiers oder ein Weizen. Auf die Frage wie man denn die bekommen kann, meinte der Guide, man müsse zum Beichtstuhl. Das scheint ein geheimnisvoller Ort im Lokal zu sein. Nachdem der Autor den Köbes nach diesem Beichtstuhl fragte, wusste der nicht wovon ich sprach. Und auf die Frage ob’s denn die anderen Biere auch zum Trinken gebe, war die Antwort eben sehr ruppig und verneinend. Wie also eine Uerige Sticke schmeckt konnte nicht erfahren werden. Und scheint vielleicht sogar geheim zu sein, denn Sticke ist gemäss All About Beer ein Dialektwort für Geheimnis.

Wenn also jemand das geheime Erkennungszeichen kennt, der möge das doch in den Kommentaren teilen.

8 Comments

  • Hallo Christian, das Sticke Alt ist ein etwas stärker eingebrautes Alt (ca.17-18 Grad Plato Stammwürze) und wurde früher von den Mönchen „stickum“, also heimlich gebraut, da Sie sich dieses Bier in der Fastenzeit vom Papst genehmigen lassen mussten. Sticke Alt gibt von der Brauerei Zum Schlüssel und Uerige Brauerei und es wir nur an jeweils 2 Tagen im Jahr ausgeschenkt – einmal im Oktober (früher direkt nach dem Einbrauen) und einmal im März (in der Fastenzeit nach Karneval). Der Uerige braut hingegen für den Export (also alles außerhalb von Düsseldorf ;-)) ein Doppelsticke, welches in Flaschen verkauft wird.
    LG von der Altbier-Safari Eberhard

  • Hans Meier sagt:

    Genau Sabina, im Uerige gibt es zweimal im Jahr Sticke-Alt. (mit „ck“ geschrieben) und zwar am dritten Dienstag im Januar und am dritten Dienstag im Oktober. Das Doppelsticke wurde 2005 tatsächlich zunächst nur für den Export (USA) gebraut. Gibt es aber nun auch schon seit Jahren fast immer im Uerige zum MItnehmen in der Flasche zu kaufen, bzw. nebenan im Stickum auch zum dort trinken. Stike-Alt (nur mit „k“) im März und Oktober beim Schlüssel. Ergänzend sei noch das „Latzen“ erwähnt, dreimal im Jahr (jeweils am 3. Donnerstag im März, September und November) beim Schumacher.

    • christian sagt:

      Danke Sabina und Hans für die weiteren Informationen. Sehr spannend. Und sehr schade, dass weder der Guide noch der Köbes mir das so erklärt hat.
      Ich hab‘ auch ein Plakat für das Uerige Weizen gesehen. Das gibt’s wohl dann an jedem dritten Mittwoch im April, Juli und Oktober 😉

  • Hilmar sagt:

    Füchschen braut zu Martini ein Weihnachtsbier, das auch etwas stärker ausfällt.
    Und gerüchteweise haben sie dieses Jahr sogar noch ein paar ganz spezielle Spezialitäten gebraut.

    • Tobi sagt:

      Nicht nur gerüchteweise, ich hatte schon das Vergnügen, die beiden Spezialitäten „Wenn dä Oppa dat wüsst“ (Vintage Scotch Ale, 15 Monate im Scotch Fass gelagert) sowie „Wenn dä Omma dat wüsst“ (Vintage Bourbon Ale, 15 Monate im Bourbon Fass gelagert) zu probieren. Das Aroma kommt richtig gut rüber. Beide hab ich übrigens direkt beim Füchschen am Beichtstuhl gekauft 😉

  • Frank sagt:

    Den „Beichtstuhl“ gibt es in dieser Form in Düsseldorf meines Wissens nur beim Füchschen, das, ist, wenn man die Haupttür reinkommt, rechts der mit Fenstern abgetrennte Platz des Chefs vom Dienst… dieser Kasten soll aus einem Beichtsuhl gebaut worden sein.

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