Mai 7th, 2015,  | 0 Kommentare
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Die beschauliche Bierszene war in Aufruhr als die Nachricht vom Besuch des bösen Zwillings im Biercafé Au Trappist die Runde machte. Wir strotzten der Evilness und wagten uns mit Jeppe Jarnit-Bjergsø von Evil Twin an einen Tisch. Im Interview sprechen wir über Beerhunter, seine Schweizkenntnisse, die geheime Collabo – über die wir natürlich nichts wissen -, Inspirationsquellen und Michael Jackson.

The English version of this interview is here.

Welches von deinen Bieren hättest du Michael Jackson ausgeschenkt?
Dem Sänger oder dem Bier Hunter? (lacht)
Keine Ahnung – das ist eine ziemlich witzige Frage. Mir fällt gerade kein Bier ein. Ich kenne Michael nicht so gut und habe ihn auch nie getroffen. Was ich aber weiss ist, dass er vor allem Biere im Belgischen Stil mochte.
Hmm, welches Bier hätte er wohl gemocht? Obschon, vielleicht hätte ich ihm ein Bier serviert, welches er nicht gemocht hätte. Vielleicht Sour Bikini.
Sour Bikini ist ein saures IPA mit wenig Alkohol. Es ist sehr fruchtig. Das könnte etwas sein, das er zuvor noch nie probiert hat. Er war ein Herr der alten Schule, noch bevor die Popularität für Sauerbiere explodierte. Einen Menschen wie Michael Jackson möchte man etwas herausfordern, da er bereits so viele Biere getrunken hat und das schon seit vielen Jahren.

Was motiviert dich dazu zu brauen?
Ich habe mit Brauen angefangen, weil ich genug von den Bieren hatte, welche damals in Dänemark erhältlich waren. Entsprechend war meine Motivation bessere Biere zu erhalten. Da ich diese nicht kaufen konnte, musste ich sie selber brauen.
Eigentlich ist das auch heute noch so.

Heute kann man immer noch keine guten Biere kaufen? (lacht)
Nein, heute bekommt man viele gute Biere. Aber die Biere welche ich heute braue, sind immer noch die Biere, welche ich selber trinken möchte. Ich produziere nicht um zu verkaufen. Da ich keine eigene Brauerei besitze, muss ich keine grossen Mengen vom jeweiligen Bier verkaufen. Wenn sich ein Bier nicht gut verkauft, mache ich einfach ein Neues.
Wenn ich eine Idee habe, gerne ein spezielles Bier probieren möchte und es dieses nicht zum Kaufen gibt, dann mache ich das Bier selber. Das passiert mir mit meinen Ideen öfters.

Trinkst du also viel von deinem eigenen Bier?
Weiss nicht, ob man von „viel“ sprechen kann. Aber ich trinke meine eigenen Biere, sie sind aber nicht die Einzigen welche ich trinke. Und es wäre auch falsch, wenn ich nur meine eigenen Biere trinken würde. Ich kenne ein paar Brauer die nur ihre eigenen Biere trinken. Das kann ich nicht verstehen, denn mich inspirieren die Biere von anderen Brauern.
Tatsächlich aber trinke ich mehr Wein und Cocktails als Bier. Meine Leidenschaft für Bier dauert unterdessen schon so lange, ich bin nun seit 11 Jahren in der Branche und seit mehr als 15 Jahren im Craft Bier. Alles was gut schmeckt mag ich, und das muss nicht unbedingt Bier sein. Ich mag Wein, Kaffee, Lebensmittel und Cocktails. Solange sie gut schmecken.

Sind es auch diese Sachen, welche dich bei der Kreation eines neuen Rezeptes inspirieren?
Definitiv. Zum Beispiel Lebensmittel: Ich hab bereits Biere mit Erdbeeren, Oliven oder auch Rotebeete gebraut. Ich werde oft vom Essen und Geschmäckern inspiriert. Auch von Kaffee. Ich habe auch bereits Biere mit Kaffee gemacht und Biere welche Kaffee imitieren – The Worst Twin mit Jester King.
Oder Cocktails: Im Moment stehe ich total auf Cocktails, denn die haben sehr viele Geschmacksebenen. Es macht Spass dies auf Bier zu übertragen. Und ich arbeite mit vielen Cocktail-Bars zusammen.
Wenn ich mit jemandem braue, dann probiere ich deren und meine Biere und möchte diese zusammenbringen. Entsprechend offensichtlich ist es bei einer Zusammenarbeit mit einer Cocktail-Bar, herauszufinden wie man ihre Cocktails als Bier herstellen könnte. Die müssen nicht unbedingt genau gleich schmecken, aber voneinander inspiriert sein und vielleicht das gleiche Geschmacksprofil haben.
Die Culture Bar in New York hat einen Cocktail mit Ananas und Chili. Deswegen habe ich mir überlegt, dass es doch interessant wäre ein Ananas Chili Bier zu brauen. Ich hab‘ den Drink schon probiert und er ist toll ausgewogen. Also dachte ich mir, es würde sicherlich Spass machen mit diesen Geschmäckern zu spielen.

Vorher hast du erwähnt, dass du auch mit anderen Leuten braust. Wenn du in einer anderen Brauerei arbeitest, ist dann immer auch ein Bisschen von dieser Brauerei in deinen Bieren?
Ja und nein. Ich arbeite hauptsächlich mit zwei Brauereien zusammen: Westbrook in South Carolina und Two Roads in Connecticut. Die Zusammenarbeit mit Two Roads läuft meist so, dass ich ein Rezept entwerfe und sie das Bier genauso brauen wie ich ihnen das vorgebe. Auf eine gute Weise. Sie machen ja auch ihr eigenes Bier und diese sind grossartig. Die Zusammenarbeit läuft einfach anders, als zum Beispiel bei Westbrook. [Edward] Westbrook ist ein guter Freund von mir. Wir sprechen über viele Dinge, wir lernen voneinander und inspirieren uns gegenseitig. Wir brauen auch Collaborations. Entsprechend erhalte ich Inspiration von ihnen und sie von mir. Wir haben eine gute Beziehung, und helfen einander aus. Das finde ich toll.
Oftmals wenn ich irgendwo auf der Welt bin, dann braue ich bei neuen Brauereien. Manche Sachen die ich gerne machen oder anwenden möchte, haben sie noch nie selber versucht. Wenn wir dann zusammen arbeiten, dann lernen sie hoffentlich etwas von mir.

Beziehst du dich hiermit auf die Collabos welche du im Rahmen von deiner Serie auf Munchies braust?
Genau.

Wie kam es zu der Serie?
Eigentlich hab‘ ich das vorher schon gemacht: überall auf der Welt gebraut. Vice hat mich dann kontaktiert und mich gefragt, ob ich darüber schreiben möchte. Es ist aber nicht so, dass ich diese Biere nur wegen Vice braue. Auch ohne die Serie würde ich sie machen.
Jetzt wo ich aber darüber schreibe, versuche ich an exotischen Orten zu brauen, weil es dann mehr Spass macht darüber zu schreiben.
Jedes Mal wenn ich ein Bier braue, möchte ich etwas Landestypisches ins Bier bringen. Das gibt dem Ganzen mehr Sinn. Man kann auf der ganzen Welt die gleichen Biere brauen, aber nicht, wenn man lokale Ingredienzen verwendet.

Ist die Schweiz einer dieser exotischen Orte?
Ja. Wobei die Schweiz wohl nicht auf die gleiche Art exotisch ist wie ein paar der anderen Orte. Die Brauerei gestern war ziemlich anders als andere. Sehr klein. Aber jeder Aufbau einer Brauerei ist anders. Und jeder Brauer mit dem ich arbeite, arbeitet anders.

Was gibt dir diese Erfahrung?
Es macht immer Spass Leute zu treffen, welche die gleiche Leidenschaft haben. Darum geht es mir vor allem. Aber auch ums Lernen. Ideen austauschen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Lernen der richtige Begriff ist. Unterdessen braue ich schon seit so vielen Jahren, ich möchte nicht behaupten, dass ich alles übers Brauen weiss, aber ich weiss schon recht viel. Entsprechend geht es vor allem um das Ideen austauschen. Vielleicht erzählen sie mir von etwas, dass sie bereits einmal ausprobiert haben und das inspiriert mich dann dazu es ebenfalls einmal zu versuchen.

Was wusstest du über die Schweiz bevor du hier her gekommen bist?
Uhm, jetzt muss ich aber aufpassen was ich sage. Denn zwischenzeitlich dachte ich, dass ich nach Österreich gehe. Ich reise so oft, weswegen ich manchmal nicht so genau aufpasse, wenn ich irgendwohin eingeladen werde.

Wusstest du etwas über die Biere hier oder unsere Brauereien?
Ich kenne BFM. Ich bin ein grosser Fan von Jerome’s Bieren. Er ist ein lustiger Typ und wir haben uns schon mehrmals getroffen. Er hat auch einen coolen Zugang zu Bier. Ich liebe BFM.
Ich habe auch gute Dinge über Trois Dames gehört, aber noch nicht so viele von ihren Bieren probieren können. Dann noch von ein paar anderen, wobei es sehr darauf ankommt, was in den USA erhältlich ist, da ich nicht mehr so oft in Europa bin.

Evil Twin ist eine der bestbewerteten Brauereien. Du warst früher Lehrer, entsprechend scheint es offensichtlich, dass du dein Wissen mit kleinen Brauereien teilst. Liegt dir das am Herzen?
Ja, sehr. Ich habe 2005 mit einem Bottle Shop angefangen. Jetzt besitze ich eine Importfirma, welche US-amerikanische Biere in ganz Europa vertreibt, ich habe ein Restaurant und eine Bar. Und ich habe Evil Twin. Entsprechend decke ich alle Aspekte der Produktion und des Vertriebs bis zum Verkauf und der Gastronomie ab. Natürlich mache ich das als Geschäft und um Geld zu verdienen. Aber all die anderen Sachen, wie für Vice zu schreiben, all diese Collabos zu brauen, all die Sachen die ich mache, meine ganze Mission ist um Craft Bier auf der ganzen Welt bekannt zu machen, damit jeder irgendwann Craft Bier trinkt. Das ist gut für mein Geschäft, aber auch gut für jeden auf der Welt, denn Craft Bier schmeckt einfach fantastisch. Wenn es mir gelingt die Leute dazu zu inspirieren mehr und neue Biere zu brauen, fände ich das toll.
Manchmal nenne ich mich Bier Botschafter, weil es mir nicht nur um mich selber geht. Ich habe den Eindruck, dass ich eine der Personen in der Bierindustrie bin, die am meisten teilt. Ich habe keine Angst vor’m teilen. Meinem Unternehmen geht es gut, weswegen ich keinen Grund habe nicht zu teilen. Und ich glaube nicht, dass es mir als Unternehmung besser gehen würde, wenn wir alles für uns behalten würden.

Du scheinst bezüglich deinem eigenen Namen, Evil Twin, oder auch angesichts des Collabos mit Jester King, The Worst Twin, einen Sinn für Ironie zu haben. Was müsste passieren, dass du mit Mikkeller eine Collaboration braust?
Das wird nicht passieren.

Du hast damit begonnen Biere nach Europa zu importieren, weil du diese hier nicht kaufen konntest.
Ja. Anfangs verkaufte ich im Shop hauptsächlich europäische Biere. Als ich nach einer Reise durch die Staaten und die dortige Biervielfalt kennenlernte, zurückkehrte, gab es niemanden, der diese Biere nach Europa importiert. Also dachte ich mir, ich könnte das doch gleich selbst tun.
Als wir damals vor acht Jahren unser Importgeschäft gestartet haben, bekamen wir nichts aus den USA ins Sortiment. Wir mussten die US-amerikanischen Brauer fast anbetteln. Heute kommen die Brauereien auf uns zu und fragen, ob wir ihre Biere verkaufen wollen. Es hat sich einiges geändert.

Euer Fokus liegt also darin Biere nach Europa zu importieren und nicht europäische Biere innerhalb Europas zu vertreiben?
Wir haben einige Europäer, wie 3Fontainen, eine spanische Brauerei sowie Beavertown, Rechurch und Siren aus Grossbritannien im Angebot. Für uns macht es nicht viel Sinn europäische Biere zu vertreiben, da viele der hiesigen Brauereien den Vertrieb selbst machen wollen.

Was würde 2005-Jeppe über 2015-Jeppe denken, der fast alle seine Evil Twin Biere in den Staaten und nicht in Europa verkauft?
Das weiss ich nicht. 2005 hatte ich noch keinerlei Pläne für Evil Twin, darum ist das schwierig zu beantworten. Bis vor vier Jahren war ich Lehrer.
Als ich dann in die USA zog, machte es einfach mehr Sinn den amerikanischen Markt zuerst aufzubauen, weil dieser halt auch einfach riesig ist. Wenn du da mal einen Fuss drin hast, ist es anschliessend auch einfacher in andere Märkte vorzustossen. Dass ich diese Strategie fahren würde, war für mich offensichtlich.
Es war jedoch nie die Absicht ausschliesslich in den USA zu verkaufen. Und heute exportieren wir immer mehr. Was wir aber nicht müssten, da wir problemlos unsere gesamte Produktion in den USA absetzen könnten. Wir hecheln eigentlich immer der Nachfrage hinterher. Aber ich mag die Idee, dass meine Biere in Taiwan, Brasilien oder Mexiko getrunken werden. Das ist doch cool, irgendwie!

Ich habe gelesen, dass du einige tausend Biere auf RateBeer bewertet hast. Würdest du dich als Beerhunter bezeichnen?
Ja, ich schätze dass ich etwa 2’400 Reviews geschrieben habe. Aber das war vor 10 Jahren. Als ich damals auf RateBeer zu bewerten begonnen habe, wollte ich einfach mehr über Bier wissen. Und alles was ich mir aufschreibe, kann ich mir danach besser merken. Ja, ich war ein Beer Nerd. Aber ich bewertete nicht der Anzahl wegen, sondern es war eher um soviel wie möglich zu probieren und daraus zu lernen.

Du würdest also einen angehenden Brauer empfehlen so viele Bier wie möglich zu degustieren?
Definitiv! Aber nicht nur Bier, auch Essen und alles andere das die Geschmacksnerven anspricht. Du musst die Geschmäcker kennen um gutes Bier zu machen. Ich denke nicht, dass einer der jeden Tag Donuts isst, gutes Bier machen kann.
Bier zu machen ist nicht schwierig – aber es ist schon herausfordernd die richtige Balance der Zutaten zu finden und dass diese dann auch so zu schmecken, wie du dir das vortellst. Wenn du nicht weisst was gut schmeckt, wie sollst du dann gutes Bier machen können?

Berücksichtigend dass du deine Rezepte im Kopf entwirfst, gibt es da noch ein Risiko wenn du die dann schlussendlich braust?
Man kann es schon Risiko nennen, aber ich weiss unterdessen doch ziemlich genau was ich tue. Und es ist ja nicht so, dass du immer wieder von vorne beginnst.
Die zur Verfügung stehenden Zutaten sind ziemlich limitiert. Wir haben drei Hauptzutaten –
klar, da ist noch Wasser, aber das wirst du nicht jedes Mal grundlegend ändern. Da wir also nur drei Hauptzutaten haben, ist es sicherlich nicht wie beim Kochen wo man unter tausenden von Zutaten wählen kann. Ich weiss also ziemlich genau wie die drei Hauptzutaten zusammenspielen. Ich weiss wie die Hefe arbeitet. Wenn ich also ein Bier mache, bin ich nie überrascht. Vielleicht wird es nicht ganz exakt so, wie ich mir das vorgestellt habe, aber es wird immer in die Richtung gehen, die ich mir vorgestellt habe.

Du erwähntest ein paar Mal “Essen”. Inwiefern gehört Bier und Essen zusammen?
Ich besitze ein Restaurant, aber mache ausschliesslich Bier…
Wein und Essen gehören zusammen, das weiss jeder. Nun müssen wir der Welt nur noch klar machen, dass Bier und Essen ebenso gut zusammen funktionieren.

Nun zu unserer letzten Frage, welche die Gleiche ist, die wir allen stellen: Welche fünf Biere sollte man trinken, bevor man stirbt?
Ich finde den ganzen Hype etwas ganz Komisches. Ein paar Biere werden unglaublich gehyped und die Leute stehen stundenlang in einer Schlange, um es trinken zu können.

Im letzten Jahr hattest du die längste Schlange am CBC.
Ich weiss. Während mir das gefällt, finde ich es auch komisch, wenn man ans CBC geht, wo es so viele gute Brauereien hat, mit allen anderen lange für ein Bier ansteht, wenn man doch eine Vielzahl von gleich guten Bieren trinken kann, ohne dafür anstehen zu müssen. Das ist mir unerklärlich. Vielleicht bin ich schon zu lange in dieser Branche.
Früher bin ich auch manchen Bieren nachgejagt, doch meine Antwort auf deine Frage lautet: Geniesse das was dir schmeckt. Kümmere dich nicht darum was selten ist oder was du gemäss Medien trinken sollst. Gerade eben haben wir ein Lager von einer Schweizer Brauerei getrunken, aus einem Steinkrug und es war grossartig. Ich habe keine Ahnung, welche Brauerei das Bier gebraut hat und es war einfach ein Lager. Aber es schmeckte richtig gut und war frisch und es war auch ein Bisschen trüb. Und darum geht es: Was tatsächlich gut schmeckt und nicht darum, was die Leute sagen, dass es gut schmeckt.

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