Juli 25th, 2019,  | 0 Kommentare

Dort oben ist es, das Bürgestock Ressort. Wir blickten vom Schiff hinauf und überlegten uns, wie der Tag wohl so werden wird. Der Name des Hotels weckt schwache Erinnerungen: Halbwissen über Glamour und Enttäuschung über den Zwischenstand, die lange Unsicherheit, was mit dem Bürgenstock passiert. An diesem Tag gehen wir da hinauf und trinken ein exklusives Bier.

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Alles das wurde aktiviert, als eine E-Mail in unserer Mailbox landete: «Beer Launch Event im Bürgenstock Resort». Im Text folgte dann die Auflösung: «Gerne möchten wir die Einführung unseres Biers mit dir feiern und planen einen Event in kleinem und persönlichem Rahmen zusammen mit dir und einigen weiteren Food-Influencern und Bier-Liebhabern.».
Wir wollten uns diesem Abendteuer stellen und den Tag als teilnehmender Beobachter oder Gonzo-Journalist verbringen. Ein Mal ein Tag lang Influencer sein, das klingt doch eigentlich ganz spannend. Vor allem weil Influencer Berufswunsch oder Traumberuf für die Jugend von heute ist. Es gibt sogar einen Lehrgang dafür. Also rauf auf den Berg und danach die Menschen in die Pfanne hauen?
Nein, definitiv nicht. Influencer ist doch eigentlich vor allem ein irritierender Begriff für Menschen auf neuen Kanälen mit mehr Reichweite als gewisse Zeitungen und Magazine, die Aufmerksamkeit gewinnen, geschuldet dem Werbungs- und Fernsehverdruss der Jugendlichen. Entsprechend die Intention des Gegenüber: Organisationen erhoffen sich per Blogger oder Influencer Aufmerksamkeit für ihr Angebot zu erhalten.
Trotzdem ist’s komisch einen Nachmittag mit Personen zu verbringen, die mehr Fotos von ihrem Essen schiessen, als die durchschnittlichen Eltern von ihrem Erstgeborenen. Stellt euch vor, wir würden so viele Fotos von Bierflaschen oder –dosen machen. Folgt uns auf Instagram.

Lokal gebraut und exklusiv für das Ressort
Eigentlich ist die Geschichte schnell erzählt: Das Bürgenstock Ressort (Steckbrief unten) hat mit dem «Bürgenbräu» ein eigenes Bier (beziehungsweise 1 ½: Ihr IPA ist ein existierendes IPA mit eigener Etikette). Gebraut wird es exklusiv für den Bürgenstock bei Lussi Getränke in Stans, Nidwalden und es ist das meistverkaufte Bier auf dem Berg. Entsprechend stolz ist das Ressort auf das Bier, weswegen sie Food- und Bier-Influencer eingeladen haben, um dieses zu probieren und der Welt davon zu erzählen. Wir wurden also ins Ressort eingeladen, inklusive Bootsfahrt und Standseilbahn, in die Brauerei chauffiert, dort gab es das Bier und Sandwiches. Danach ging’s zurück auf den Berg. Dort ging’s über die Stationen Biercocktail kreieren (was ein aktueller Trend sein soll) und Antipasta essen, Abendessen im Oak Grill mit Bierpairing und danach noch ein Käsedessert in der Taverne, ebenfalls mit Bierpairing – wozu das Bürgenstock Resort fähig ist, hat der Berg doch eine Bierkarte.
Gemäss dem Motto «Klotzen nicht kleckern», haben uns die Gastgeber sehr zuvorkommend begleitet, uns viel erzählt und äusserst grosszügig gefüttert. Mit dem eigenen Bier soll’s auch noch nicht getan sein: Sie führen Gespräche mit lokalen Bauern, damit im Bier lokaler Hopfen verarbeitet werden kann (generell möchte das Resort lokale Produzenten auf dem Berg anbieten: wir probierten einen Käse der nur ein Steinwurf entfernt produziert wird und köstlich war). Ebenfalls war Dominik Stalder, Assistant Food & Beverage Director, der uns durch den ganzen Tag geführt hat, auch selbstkritisch: Er bemerkte, dass am Bierrezept noch gearbeitet wird und z.B. bezüglich Kohlensäuregehalt eine Anpassung notwendig sei. Seine Leidenschaft für das Bierprojekt war offensichtlich und erfrischend.
Und trotz diesen kommenden Veränderungen, war das Lagerbier bereits sehr solide. Die malzige Süsse ist im Zaune gehalten und die Bittere dezent aber ohne zu verschwinden vorhanden. Das Bier ist ein gelungener Kompromiss zwischen Massentauglichkeit ohne langweilig zu werden. Es ist dadurch ein flexibler Essensbegleiter, der aber auch zur Erfrischung auf der Restaurantterrasse genossen werden kann.

Ausflugsziel mit Bier
Das ist schlussendlich die Moral von der Geschichte: Das Bierwanderbuch von Monika Saxer ist ein Grosserfolg und das Konzept bestechend. Es listete mögliche Wanderungen auf, welche alle zu einer Brauerei oder zu einer besonderen Biergaststätte führen. Falls es eine Neuauflage gibt, drängt sich eine Route mit dem Bürgenstock fast schon auf, hat das Ressort immerhin ein exklusives Bier im Angebot. Und was gibt’s Schöneres als nach einem Fussmarsch oder als Zwischenstopp auf einer Vierwaldstätterseekreuzfahrt oder Zug- und Postautofahrt auf einer Terrasse mit fantastischer Aussicht ein Bier zu trinken. Allen Ticker (Beerhunter, welche jedes Bier nur einmal trinken) dieser Welt mag es auch vergönnt sein ein Bier abzuhaken, welches es tatsächlich nur dort gibt (aber auch im Ressort-Shop als Wegbier). Biertourismus muss nicht nur im Ausland stattfinden, sondern darf auch bei uns passieren.
Und wer das notwenige «Kleingeld» hat, kann natürlich auch dort übernachten oder das Bier in einem der 10 Restaurants zum passenden Essen geniessen.

Bürgenstock in Zahlen

  • Anzahl Hotels: 4
  • Preise pro Zimmer: zwischen CHF ~450 bis CHF ~20’000
  • Anzahl Restaurants: 10 (darunter Schweizerisch, asiatisch – chinesisch, japanisch, thailändisch und indisch, arabisch, Grill wo Kopf bis Schwanz verarbeitet wird)
  • Essen: Mit Leidenschaft gekocht
  • Spa mit Infinitypool: Aberschosicher
  • Tennisplätze: 3, davon zwei Indoor
  • Shops: Selbstverständlich
  • Ausstattung: Unendlich edel
  • Ausflugsziel: Mit Stilettos oder Wanderschuhen

Disclaimer: Bürgenstock hat für alle Nahrungsmittel-Konsumationen und die Schifffahrt und Standseilbahnfahrt bezahlt. Wir haben mit Freude gegessen und mit den anwesenden Bürgenstock-Mitarbeitenden sowie den anwesenden Foodinfluencerinnen (Grüsse an cuisinehelvetica, eat.meets.love, luzern_isst und marina_lovefoodish) geplaudert. Für das Schreiben dieses Blogbeitrages, das Meckern über zu viel Kohlensäure im Bier und das Grummeln, dass wir den Biercocktail-Wettkampf nicht gewonnen haben, wurden wir nicht bezahlt.

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