Oktober 5th, 2016,  | 0 Kommentare
paleales

Wir brauen in der Zeit, in der wir nicht putzen. Wir wettkämpfen in der Zeit, in der wir nicht trainieren. Wir jurorieren in der Zeit, in der wir nicht üben. Gemäss diesem Motto haben wir die Läden und Keller gestürmt, uns mit Pale Ale eingedeckt und diese blind aus dem gleichen Kühlschrank in identischen Gläsern probiert.

Fazit: Die Bandbreite ist sowohl breit wie eng. Breit, weil es von wirklich tollen Bieren bis grausamen Exemplaren alles hatte. Eng, weil die Punkte zwischen 2 und 3.75 blieben (wie immer, hier eine Erklärung wie wir bewerten). Womit sich sagen lässt: Pale Ale ist ein Bierstil der wenig polarisiert, aber für den es schwierig ist, zu begeistert – wohl ein Resultat des Erosionseffekts von Double IPAs.

Brewski / 18th Street Nightmare On 18th Street
Schöner Schaum über einem hellen, trüben Bier – Weizenbier hell. In der Nase sehr viel Zitrus und ein Aroma das Hopfen aus dem Südpazifik vermuten lässt. Neben dem Hopfen wenig Malz. Geschmeidig im Mund und dort auch konzertiert auf Zitrus. Hat Ähnlichkeiten zu Kipling, schmeckt aber frischer und besser. Gleichzeitig auch etwas eindimensional und mit einer künstlichen Süssstoff-Süsse.
Ratebeer
Rating: 3.5 (abgerundet)

Coopers Original Pale Ale
Die Farbe ist oranges Stroh. Etwas wolkig. Im Aroma künstlicher Traubensaft und Beeren. Das übertüncht alles, so dass weder Hopfen noch Malz riechbar ist. Es wäre auch keine Überraschung, wenn dieses Bier mit einer Lagerhefe gebraut wurde. Im Mund dann eine unangenehme Süsse die bis zu Marshmallow driftet. Kaum bitter und kaum ein Pale Ale.
Ratebeer
Rating: 2

Flying Dog Pale Ale
Ein klares, bernsteinfarbiges Bier. Das schöne Aroma wird vom Hopfen geprägt: Zitrus, Harz und feuchter Hopfen und davon eine Menge. Das wiederholt sich im Mund, wobei das hier mit einem schönen Malzprofil ausbalanciert wird. Entwickelt mit der Zeit etwas Nussiges. Bleibt im Mund hängen.
Ratebeer
Rating: 3.75 (und somit ausgezeichnet mit dem Prädikat Testsieger! Erstaunlich, aber wahr.)

Gotlands Sleepy Bulldog Pale Ale
Ein eher dunkles Amber und damit am oberen Ende des Spektrums. Ein sehr reines und malz dominiertes Aroma, mit mineralen Nebengeräuschen. Der Hopfen versteckt sich entsprechend hinter dem Malz. Die Kohlensäure kräuselt, lenkt aber nicht vom schnapsigen Geschmack im Abgang ab. Bleibt mit einer krautigen Bittere hängen, da der Malz kaum Süsse (ein Hauch von Caramel) oder sonst irgendetwas beisteuert (ein Hauch von Brot).
Ratebeer
Rating: 3, aber langweilig

Kitchen Brew American Pale Ale
Klar, glänzend und eine schöne Amberfärbung. Wenig Aroma, mineralisch und schwefelig, aber eher schwierig darin Hopfen auszumachen. Ein Hauch Kartongeschmack. Auch auf der Zunge sind Malz und Hopfen sehr zurückhaltend. Leicht süsslich. Das Bier hinterlässt den Eindruck zu alt geworden zu sein.
Ratebeer
Rating: 2.5

Lemke 030 Berlin Pale Ale
Mit Gushing beim Öffnen und einem Schaumturm im Glas. Amberfarbig und trübe, was sicher auch mit dem Gushingproblem zu tun hat. Zitrus und Honig in der Nase. Überkarbonisiert. Der Zitrusgeschmack grenzt im Mund an eine künstliche Säure. Kaum Malzcharakter auszumachen. Viel Zitrus, zu viel Säure und kaum was anderes.
Ratebeer
Rating: 2.75

MACA Venus
Sehr trüb mit einer dunklen Bernstein Färbung. Zitrus- und unverwechselbare Lychee-Aromen in der Nase. Kitzelt die Zunge und schlägt dir dann einen mundvoll krautige Bittere hinterher. In dem Angriff lässt sich noch etwas Grapefruit erkennen. Die grossporige Karbonisierung macht es irgendwie zäh und unangenehm. Alles in allem aber ganz ordentlich.
Rating: 3

Magic Rock High Wire
Eindeutige Hopfenaromatik, ohne nur die Neue Welt fruchtigen Passionsfrucht, Lychee Aromatiken zu bedienen. Bitter auf der Zunge, mit einem brotigen Malzkörper. Bleibt nicht ewig hängen, wie ein unangenehmer Gast. Die krautige Bittere im Mund, macht fast den Anschein als ob noch Hopfenstückchen mitschwimmen würden. Hat eine gewisse Schärfe, der Hopfen ist hier definitiv frischer als in anderen Bieren, das Bier selbst auch.
Ratebeer
Rating: 3.5

Moosehead Pale Ale
Sehr hell und klar. Gute Schaumstabilität. Kaum Aroma und das wenige ist ganz klar malzbetont. Riecht und schmeckt wie ein Lager. Wir haben Mühe mehr Worte darüber zu verlieren.
Ratebeer
Rating: nicht bewertet, weil kaum ein Pale Ale

New Belgium Glütiny Pale Ale
Dunkles Amber, sehr klar. Krautiges Aroma, mit blumigen Tönen, was uns in der Kombination an Thymian erinnert. Die blumigen Aromen bleiben länger, Flieder drängt sich in den Vordergrund. Das Bier vollführt im Mund eine regelrechte Achterbahn. Es startet tief, steigert sich zu einem einsamen Gipfel und am Schluss gibts langanhaltende Blumen. Eine Süsse, wie bei Karottensaft, untermalt das Ganze. Malz ist präsent, aber spielt keine Hauptrolle. Eine Bittere gesellt sich am Schluss zu den Blumen dazu. Sehr angenehmes Bier, aber nichts Herausragendes.
Ratebeer
Rating 3.25

Sierra Nevada Pale Ale
Kupferfarbig, aber leicht neblig. Zitrusig mit einem leichten Hang zu Traubenzucker und blumiger Seife. Beerenaromen. Die dextrine Süsse, tendiert sogar zu Marzipan und leichtem Karamellmalz. Verliert den zitronigen Eindruck im Mund, wo sich aber eine angenehme Bittere einstellt. Schön trocken, mit anhaltendem Bittereindruck.
Ratebeer
Rating: 3.5

Thornbridge Kipling
Strohfarbig, also sehr helles Gelb. Sehr klar und funkelnd. Schöner Schaum. Hauptsächlich sticht der Hopfendegen in die Nase, ganz klarer Angriff aus der Südhemisphäre. Die Malzschüttung typisch englisch. Fruchtig, mit Papaya und weissen Trauben. Sehr angenehm. Die helle Farbe mit in Betracht gezogen zeigt sich im Mund ein überraschend stark gebauter Malzkörper. Schwerer zu trinken als andere in dieser Reihe, da sich ein wärmender Alkohol im Abgang hinzugesellt. Der Abgang ist das Bitterste an diesem Bier.
Ratebeer
Rating: 3.5, aber eher abgerundet

To Øl Eurodancer
Dreckige Bernsteinfarbe, was verrucht tönt aber doch nicht so toll ist. Guter Schaum. Leicht schwefelig, mit reifen Aprikosen und einem schönen Malz-Hopfendialog. Im Mund legen sich erstmal eine klebrige Süsse und die Bittere sich auf die Zunge. Die Aprikosen zeigen sich wieder. Bittermandel und überreife Früchte. Ausgesprochen Bitter – wohl zu viel für den Bierstil.
Sehr schönes Bier, aber es ist wohl etwas zu gross geraten für den Pale Ale-Anzug.
Ratebeer
Rating: 3.25 (Bierstil); 3.75 (Generell)

Valaisanne Pale Ale
Kupfer- bis Amberfarben, wie so viele heute. Sehr klar. Der Schaum hat keine Freude an diesem Bier und verschwindet rasch. Malzbetont im Aroma, mit scheuen Zitrus und Melonen. Gute Karbonisierung, süss, malzig und bitter. Aber um es zu unterstreichen; definitiv malzgesteuert. Die Bittere hat eine grasige Komponente. Eher ein Körperzwerg. Fast so knackig frisch wie ein Lager.
Ratebeer
Rating: 2.5

Und noch so nebenbei: Wir hatten auch ein Bier, welches wir im Nachhinein ausgeschlossen haben, da es scheinbar ein Session IPA ist.

523 Super Crisp Mosaic
Ziemlich hell mit seiner dunklen Strohfarbe. Wolkig aber nicht wie bei Schlechtwetter. In der Nase ausreichend Hopfen und wir tippen auf Mosaic. Ein angenehmer, unterlegter Malzkörper der den Hopfen trägt und welcher niemals aus dem Zentrum rückt. Nicht wahnsinnig bitter – der Hopfen wurde wohl erst sehr spät hinzugeladen -, dafür viel Passionsfrucht. Der Hopfen schmeckt auch sehr frisch, womit das Bier einen gigantischen Vorsprung hat. Dabei hält das Malz die Balance, macht alles was es tun soll, so dass es nicht fehlt aber sich auch nicht aufdrängt.
Ratebeer
Rating: 3.75 (Gewinner der Herzen)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.